NABU-Insektenzählung Ackerhummel hat vorerst die Nase vorn

Am 31. Juli hat der zweite Meldezeitraum für die Insektenzählung des Naturschutzbundes NABU begonnen. Innerhalb von knapp drei Tagen gingen 754 Meldungen ein, 7.310 Sechsbeiner wurden gesichtet (Stand 2. August 2020 14:16). Bislang hat die Ackerhummel die Nase vorn. Im Juni war die Steinhummel Spitzenreiter, die jetzt auf Platz 10 rangiert. Generell unterscheidet sich das Ranking derzeit (noch) stark vom letzten Erhebungszeitraum.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der Naturschutzbund NABU zur Insektenzählung aufgerufen. Mitmachen kann jeder, der ein bisschen Geduld, ein waches Auge, Handy oder Stift & Papier hat. Noch bis zum 9. August kann jeder Sechsbeiner gemeldet werden, den man an einem bestimmten Standort gesichtet hat. Dazu muss man nicht unbedingt den exakten Namen kennen - wie zum Beispiel bei der Gehörnten Mauerbiene. Zu wissen, dass man eine Biene gesehen hat, reicht.

Aufsteiger des Monats: Ackerhummel derzeit auf Platz 1

Ackerhummel
Die Ackerhummel wurde während der Insektenzählung am häufigsten gesichtet. Bildrechte: imago images / blickwinkel

In den ersten drei Tagen des aktuellen Beobachtungszeitraums sind 754 Meldungen eingegangen (Stand 2. August 14:16 Uhr), bei denen insgesamt 7.310 Insekten gesichtet wurden. Am häufigsten wurde bislang die Ackerhummel registriert. Sie wurde an 438 Standorten gesichtet mit insgesamt 2.824 Exemplaren.

Die Ackerhummel lebt in Völkern mit bis zu 150 Tieren und baut eigene Nester oder bezieht verlassene. Sie lehnt aber zum Beispiel auch Mauerritzen nicht ab, Hauptsache es ist trocken. Damit gehört sie zu den sogenannten "Pocketmakern" bei den Hummeln. Sie legt um die Brutzellen herum Taschen an, um Pollen einzulagern. Damit kann sie die Brut einfacher und schneller versorgen. Vorraussetzung dafür ist, das man einen langen Rüssel hat. Die Ackerhummel kann immerhin auf ganze 15 Millimeter verweisen.

Heimlicher erster Platz: Die Westliche Honigbiene

Auf Platz 2 rangiert derzeit die Westliche Honigbiene. Im Juni war sie noch auf Platz 4 zu finden. Obwohl sie mit nur 334 Standorten hinter der Ackerhummel liegt, hat sie in der Anzahl der einzelnen Tiere ganz klar die Pole-Position. Mit 5.994 Exemplaren war sie doppelt so häufig anzutreffen wie ihre mollige Verwandte. Die Honigbiene ist etwas ganz Besonderes: Sie kann nur im Verband existieren und überleben. Eine einzeln gehaltene Honigbiene würde trotz bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben, denn sie benötigt den sozialen Kontakt mit ihren Artgenossen.

Bienenvölker sind in der Lage, auch den Winter zu überstehen. Sie ernähren sich in dieser Zeit von Honig oder Zuckerwasser. Ihre Königin schützen die Hautflügler, indem sie sie in der Mitte einer Traube wärmen. Die Heizung ist die Flugmuskulatur. Im Frühjahr beginnt ab zehn Grad Celsius Außentemperatur der erste Ausflug und damit das Brutgeschäft. Die Königin legt wieder Eier und zwar bis zu 2.000 pro Tag.

Eine Honigbiene, die eine Nestgefährtin pflegt.
Die Westliche Honigbiene wurde bislang am zweithäufigsten gezählt. Bildrechte: Dr Rita Cervo, University of Florence

Honigbienen sind wichtige Bestäuber, insbesondere für die Massentrachten und damit für die Landwirtschaft unentbehrlich. Zahlreiche Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen. Leider haben Krankheiten wie die Varroa-Milbe ihr Überleben ohne imkerliche Pflege unmöglich gemacht. Mit dem Rückgang der Imkerei stirbt also auch die Honigbiene. Wer also Bienen schützen möchte, sollte seinen Honig beim Imker um die Ecke kaufen.

Was summt und krabbelt da? Insektensommer Zwischenstand (02.08.20 14:16 Uhr)
Ackerhummel 438 2.824
Westliche Honigbiene 334 5.994
Siebenpunkt-Marienkäfer 283 1.276
Kleiner Kohlweißling 273 809
Kleiner Fuchs 210 733
Wildbiene 198 2.280
Tagpfauenauge 195 778
Dunkle Erdhummel 193 1.695
Großer Kohlweißling 192 602
Steinhummel 174 659

NABU-Insektenzählung 2020 Diese Insekten haben im August 2020 die Nase vorn

Nach drei Tagen des neuen Meldezeitraums wird ein erster Trend deutlich. Hier die Top Ten der aktuellen NABU-Insektenzählung:

Ackerhummel
Platz 1: Ackerhummel Bildrechte: imago images / blickwinkel
Ackerhummel
Platz 1: Ackerhummel Bildrechte: imago images / blickwinkel
Varroamilbe sitzt auf einer Honigbiene
Platz 2: Honigbiene Bildrechte: imago images/Frank Sorge
Marienkäfer
Platz 3: Siebenpunkt-Marienkäfer Bildrechte: MDR/In One Media/Mike Brandin
Kohlweißling auf einer Wiese
Platz 4: Kleiner Kohlweißling Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Frisch geschlüpfter Kleiner Fuchs (Aglais urticae) mit leerer Puppenhülle (Exuvie)
Platz 5: Kleiner Fuchs Bildrechte: imago/GFC Collection
Eine Furchenbiene (Schmalbiene) sitzt auf einem Blatt
Platz 6: Wildbienen wie diese Furchenbiene Bildrechte: imago/blickwinkel
Tagpfauenauge (Aglais io) auf einer Blüte
Platz 7: Tagpfauenauge Bildrechte: IMAGO
Eine Erdhummel sammelt Nektar aus einer violetten Blüte.
Platz 8: Dunkle Erdhummel Bildrechte: imago images / Frank Sorge
Der Schmetterling Großer Kohlweißling
Platz 9: Großer Kohlweißling Bildrechte: imago images/STAR-MEDIA
Steinhummel auf Löffel
Platz 10: Steinhummel Bildrechte: imago images / blickwinkel
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Wer krabbelt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Die oben stehende Tabelle fasst die Sichtungen im gesamten Bundesgebiet zusammen. In den einzelnen Ländern weichen die Meldungen davon teilweise ab: In Thüringen ist ebenfalls die Ackerhummel Spitzereiter (13 Standorte), gefolgt von der Dunklen Erdhummel (12 Standorte) und der Blauen Holzbiene (10 Standorte). Auch in Sachsen führt die Ackerhummel mit 38 Standorten, danach kommen jedoch der Große Kohlweißling mit 25 Standorten und die Wildbiene mit ebenfalls 25 Standorten. In Sachsen-Anhalt wurde die Blaue Holzbiene mit 13 Standorten am häufigsten gesichtet, danach kommen die Ackerhummel und der Siebenpunktmarienkäfer mit je 12 Standorten.

Datenentwicklung live verfolgen

Wer die Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse ab dem 9. August 2020 nicht abwarten kann, kann die eingehenden Daten nicht nur online verfolgen und staunen, wie sich das Ranking innerhalb von Minuten verändern kann. Man kann auch gezielt nach Standorten suchen, nach einzelnen Arten und man kann die Ergebnisse der einzelnen Meldezeiträume miteinander vergleichen.

Egal wann und wo - jede Meldung zählt

Die Insekteninventur soll den Naturschützern einen Überblick darüber verschaffen, wie es um die Sechsbeiner bei uns bestellt ist. Um sich ein möglichst umfassendes Bild machen zu können, ist jede einzelne Meldung willkommen. Beobachten und zählen kann man an jedem beliebigen Ort: im Garten, im Wald, im Park, auf Friedhöfen, am Straßenrand. Jedes Insekt, das man dann innerhalb einer Stunde gesichtet hat, kann man mit einem vorbereiteten Formular an den NABU senden. Dort gibt es auch noch einmal Tipps und Hinweise.

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