NABU-Aktion Vogelinventur: Sag mir, wo die Amseln sind

Bei der Zählaktion "Stunde der Wintervögel" wurden am meisten Haussperlinge gesichtet, Amseln dagegen waren rar. Der Haussperling baut seine Spitzenposition weiter aus, auf den Plätzen folgen Kohl- und Blaumeise.

Stillgesessen, ich will euch zählen! Klappt natürlich nicht und der eine oder andere Vogelzähler hat sich während der Zählstunde sicher die Haare gerauft. Während der "Stunde der Wintervögel", der vom NABU ausgerufenen Vogelinventur in Gärten und Parks, sitzt kein Vogel still auf dem Baum, bis ein Mensch fertig ist mit dem Zählen. Immerhin haben 75.000 Menschen ihre Vogelsichtungen eingereicht, mehr als zwei Millionen Pieper verschiedener Gattungen wurden registriert.

Spitzenreiter Haussperling

Spitzenreiter ist nach wie vor der Haussperling, der in knapp 60 Prozent aller Gärten gesichtet wurde - 362.584 Exemplare wurden bundesweit gesichtet und gemeldet. Verglichen mit dem Winter 2018 sind das 17 Prozent mehr. Auf Platz zwei landete die Kohlmeise mit mehr als 284.000 Exemplaren, die in 93 Prozent der Gärten gesichtet wurde, gefolgt von Blaumeise und Feldsperling.

Amselkiller Usutu-Virus?

Die Population der Amsel ist bundesweit um zwölf Prozent geschrumpft - mit regional allerdings sehr unterschiedlichen Tendenzen: In Sachsen beträgt der "Amselschwund" sieben, in Thüringen dagegen 22, in Sachsen-Anhalt sogar 28 Prozent. Grund dafür könnte die Usutu-Epidemie des vergangenen Sommers sein.

Die für Amseln tödliche Krankheit war 2018 in Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgetreten. Das Virus wird von Stechmücken auf die Tiere übertragen. Betroffen sind vor allem Amseln, aber auch andere Arten wie Finken, Singdrosseln oder Meisen.

Hitze setzt einigen Vogelarten zu

Zusätzlich zum Usutu-Virus war das Hitzejahr 2018 schwierig für Amseln, weil sie aus dem steinharten Boden keine Nahrung herauspicken konnten und auch fehlende Insekten die Nachwuchsversorgung der Amseln erschwerten. Profiteur dagegen war der Star, der prächtig gedeiht angesichts des reichen Nahrungsangebots an Bäumen und Büschen. Dem Haussperling hingegen nützt - trotz häufiger Sichtungen - die Hitze nicht. Die Spatzen ziehen schwarmweise umher und sind sehr anpassungsfähig. 

Nur ein Zwischenstand

Lässt sich aus den Zahlen jetzt schon herauslesen, ob und wie sich der heiße und dürre Sommer konkret auf die einzelnen Populationen ausgewirkt hat? Mehr als Tendenzen sind es wohl nicht, sagt René Sievert vom NABU in Leipzig. Es handelt sich um Momentaufnahmen, bis Mitte Januar kann man seine Beobachtungen noch melden.

Keine Waldvögel im Garten: gutes oder schlechtes Zeichen? 

Warum sieht man so wenig Eichelhäher, Buntspechte, Kernbeißer oder Gimpel in unseren Gärten? Vogelfreunde müssen sich keine Sorgen machen: Diese typischen Waldvögel kommen nur dann in unsere Gärten, wenn der Wald nicht mehr genügend Nahrung bietet.

Übrigens wird nicht nur in Deutschland Vogelinventur gehalten - gezählt wird unter anderem auch in Belgien, Schweden, den Niederlanden und Österreich. In Großbritannien gab es 2019 diese Art der Vogelzählung schon zum 40., in Tschechien zum ersten Mal.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Januar 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2019, 09:38 Uhr