Trend Green Fashion Mode aus Milch, Algen und Pilzen

Green Fashion ist einer der größten Modetrends der Gegenwart. Ökologische, nachhaltige Mode, die nicht nur gut aussieht, sondern auch ein gutes Gewissen vermittelt. Wissenschaftler und Modemacher arbeiten dabei oft eng zusammen, um neue Materialien zu finden. Mode, die man wie beim Flaschenpfand wieder zurückbringen kann oder Stoffe aus Algen, Milch und jetzt sogar aus Pilzen.

Kleid aus Mycotex_Fasern in verschiedenen Perspektiven
Bildrechte: neffa

Waschen bis 90 Grad, 100 Prozent recycelbar – das kleine Modelabel Luxaa aus Halle/S. verarbeitet ein Material, das normalerweise auf Baustellen als Plane oder Schutzanzug zu finden ist: Tyvek. Für ihre Diplomarbeit hatte Designerin Anne Trautwein es entdeckt und stellt mittlerweile ganze Kollektionen daraus her. Inzwischen wird Tyvek auch für Strickmode genutzt. Bis zu fünf Mal kann der Stoff wiederverwendet werden, verspricht die Designerin und nutzt den Öko-Gedanken auch zur Kundenbindung. Denn wie beim Flaschenfand gibt es Geld zurück, wenn man die alten Stücke beim Kauf mitbringt.

Hanf oder Bananenfasern werden bereits lange in der Mode eingesetzt. Wie Thüringer Technologie und isländische Algen die Mode verändern können, zeigt ein Unternehmen aus Rudolstadt. Die smartfiber AG hat in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung eine Faser entwickelt, die aus Holz hergestellte Zellulose und Algen kombiniert, das Ergebnis heißt Seacell. Zum Öko-Gedanken, so die Hersteller, kommt hier auch noch das Wellness-Gefühl.

Tragen statt trinken

Millionen Liter Milch werden jedes Jahr in Deutschland entsorgt, da sie nicht den Lebensmittelstandards entsprechen. Ein Teil davon wird jetzt zu Mode verarbeitet. Möglich macht das das Eiweiß Casein, das in der Milch steckt. Daraus produziert Designerin und Biologin Anke Domaske bei Hannover ihre Qmilk-Faser. Bereits in den 1930er Jahren gab es erste Versuche, derartige Milchfasern herzustellen. Deutsche und italienische Chemiker hatten das Verfahren entwickelt. Der Prozess war allerdings damals sehr umweltschädlich. Natronlauge und Schwefelsäure waren u.a. nötig, um die Fasern herzustellen, die trotzdem von schlechter Qualität waren. Anke Domaske ist es gelungen, diesen Prozess schneller und umweltfreundlich zu gestalten. Das wurde der Grundstein für ihr Unternehmen.

Es gibt ein großes Potential für die Auto-Industrie und den medizinischen Bereich.

Anke Domaske

Technisch funktioniert der Prozess so: Das Casein, dass rund zehn Prozent der Milch ausmacht, wird extrahiert. Dann wird Säure dazu gegeben – das kann z.B. Essigsäure sein -, um die Casein-Moleküle von der Flüssigkeit zu trennen. Daraus entsteht ein weißes Pulver, das zum Grundstoff für die Faserherstellung wird. Die weiteren Zutaten sind das Betriebsgeheimnis der Qmilk. Die Stoffe sind dabei nicht nur für Mode interessant. „Es gibt auch ein großes Potential für die Automobilindustrie oder den medizinischen Bereich“, so Anke Domaske in einem arte-Interview. Denn die Faser ist ph-neutral und antibakteriell.

Mushrooms für Mode

Eine völlig neue Idee kommt aus den Niederlanden. Die Designerin Aniela Hoitink hat ein Kleid aus Pilzen entwickelt. „Ich war immer fasziniert von Bakterien und Pilzen“, erzählt die Designerin dem MDR, „hatte aber nie die Gelegenheit, es in der Mode zu verwenden, weil mir das biologische Fachwissen fehlte“. Das bekam sie durch die Forschungen der Universität Utrecht. Dort arbeitete man an Pilzen, die im Labor auf Nährböden z.B. aus Kaffee- oder Teeresten wachsen. Abhängig davon entstehen Pilzgeflechte, die unterschiedliche Eigenschaften haben, ähnlich wie Holz, Leder oder Stoff.

Ich war immer fasziniert von Bakterien und Pilzen.

Aniela Hoitink

Aniela Hoitink glaubt, dass die Stoffe aus den Pilzwurzeln innerhalb der nächsten fünf Jahre serienreif werden könnten. „Das Kleid ist ein Prototyp“, so Hoitink, „den noch niemand getragen hat. Aber es fühlt sich ein wenig an wie Papier“. Sie arbeitet jetzt daran, das Material flexibler zu machen. Wie lange so ein Kleid hält, kann sie derzeit noch nicht beantworten. Auf jeden Fall ist es noch nicht möglich, ein solches Kleid zu färben. Waschen vielleicht – aber das ist für die Designerin nicht das Ziel. Denn Mode ist vergänglich und in ihrem Fall würde man sie nach dem Tragen einfach kompostieren.

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2017, 13:44 Uhr