Eule, zwinkernd
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Innere Uhr Nachteulen sterben früher

Nachtmenschen haben ein höheres Sterberisiko als Frühaufsteher. Schuld daran ist ihre innere Uhr der "Nachteulen". Die kommt nämlich nur sehr schlecht mit einer Welt klar, die für Morgenmenschen konstruiert ist.

Eule, zwinkernd
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"Der frühe Vogel fängt den Wurm." Ein altes Sprichwort, das Nachteulen einfach nur nervig finden. Aber der frühe Vogel lebt wesentlich gesünder und länger, weil die Welt sich nach ihm richtet.

Wissenschaftler der Universität Surrey und der Northwestern-Universität in Chicago haben in einer Studie herausgefunden, dass diejenigen ihrer 430.000 Teilnehmer, die sich als nachtaktiv bezeichnet hatten, ein zehn Prozent höheres Sterberisiko hatten als die Frühaufsteher. Außerdem hatten die Nachteulen einen deutlich stärkeren Hang zu psychischen Problemen, Diabetes, Magen- und Atembeschwerden. Zusätzlich schliefen sie weniger und konsumierten sogar vergleichsweise mehr Kaffee, Alkohol, Zigaretten oder illegale Drogen.

Sie ticken anders

Schuld daran ist höchstwahrscheinlich der Stress, den die Nachteulen aufbauen, weil sie ständig gegen ihre innere Uhr leben, wenn sie versuchen, sich an eine Welt der Morgenmenschen anzupassen. Dass nachtaktive Menschen früh am Tag weniger leistungsfähig sind als später, ist nämlich keine Charakterschwäche, sondern hat mit unseren Genen zu tun. Denn ob wir eher Nachteulen oder Lerchen sind, ist genetisch festgelegt.

Frau schläft im Büro auf dem Tisch, neben ihr eine Computertastatur, ein Stift und ein Kaffeebecher
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Bereits in den 1970er-Jahren entdeckte Ronald Konopka am California Institute of Technology (Caltech), dass eine Reihe Gene unsere innere Uhr regulieren. Er forschte damals an Fruchtfliegen.

Sie waren auch das bevorzugte Forschungsobjekt der Chronobiologen Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael Young. Sie knüpften an Konopkas Forschung an und schafften es, bestimmte Fruchtfliegen-Gene zu isolieren und sie weiter zu untersuchen.

Darin fanden sie die Bauanleitungen für verschiedene Proteine die den inneren Takt der Lebewesen vorgeben. 2017 erhielten die drei Wissenschaftler dafür den Medizin-Nobelpreis.

Flexiblere Tagesabläufe nötig

Unsere innere Uhr beeinflusst unseren Schlaf, Hormonhaushalt, unseren Stoffwechsel. Und das wiederum beeinflusst natürlich auch unsere Leistungsfähigkeit. Deshalb spricht sich Kristen Knutson, Ko-Autorin der Studie, für einen speziellen Umgang mit nachtaktiven Menschen aus. So müsste ihnen zum Beispiel ermöglicht werden, ihre Arbeitszeiten nach hinten zu legen. Sie sollten nicht gezwungen sein, für eine Acht-Uhr-Schicht aufzustehen.

Schon in früheren Studien haben Forscher herausgefunden, dass sich Schlafmangel negativ auf die Gesundheit auswirkt. So zum Beispiel wurde ein höheres Risiko festgestellt, unter Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes zu leiden. Die Chicagoer Studie dagegen untersuchte erstmals das Sterberisiko. Sie erschien in der Fachzeitschrift "Chronobiologie International“.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 24. März 2018 | 08:37 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 09:21 Uhr