Doktorhut auf einem Globus
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Fachmagazin Nature Die zehn wichtigsten Wissenschaftsakteure 2017

2017 war ein wichtiges Jahr für die Wissenschaft. "Nature" hat zehn Menschen ausgewählt, die Forschung maßgeblich geprägt haben - durch neue Therapien aber auch durch Zerstörung wichtiger Agenturen.

Doktorhut auf einem Globus
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Quantenphysik, Raumfahrt, neue Erkenntnisse zum CRISPR-Verfahren, aber auch ein Klimawandel-Leugner im US-Umweltministerium - 2017 gab es viele weltverändernde Themen, die Forscher beschäftigt haben. Das Magazin "Nature" hat nun die zehn wichtigsten Akteure des zurückliegenden Wissenschaftsjahres gewählt. "Diese Liste beschreibt die Höhen und Tiefen für die Wissenschaft und für Wissenschaftler", sagte Brendan Maher, leitender Redakteur.

Gentherapie-Verbesserer David Liu

Wissen

Prof. Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, im MDR-Interview 13 min
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Genom-Editing mit CRISPR/Cas Neue Gene, neue Medizin

Neue Gene, neue Medizin

Eine neue Medizin - das erhofft sich Prof. Jörg Hacker, der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, vom sogenannten Genom-Editing.

Di 16.08.2016 17:04Uhr 12:56 min

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Video

Biologe David Liu vom Broad Institute in Cambridge, USA, hat eine wichtige Verbesserung für das Gen-Scheren-Verfahren CRISPR/Cas entwickelt. Mi dem Enzym Cas9 können Experten zwar exakt bestimmte Gene aus der DNA herausschneiden. Allerdings lassen sich die zerschnittenen Stränge noch nicht wieder verlässlich zusammenfügen. Liu hat nun mit seinem Team ein weiteres  Enzym entwickelt, welches instabile Verbindungen stabilisiert.

Brachte Astronomen weltweit zusammen: Marica Branchesi

Alfred Einstein hat wie kaum ein anderer Wissenschaftler die moderne Physik geprägt. Am 17. August 2017, über 62 Jahre nach dem Tod des Genies, konnten Forscher eine weitere Voraussage Einsteins bestätigen: Gravitationswellen breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Dass dieser Nachweis gelang und gut dokumentiert ist, ist Marica Branchesi zu verdanken. Die italienische Forscherin hatte viele Jahre Gravitationswellenforscher und Astronomen zusammengebracht und für mehr Kooperation geworben. Als im August die beiden Detektoren LIGO in den USA und VIRGO in Italien Gravitationswellen von der Kollision zweier weit entfernter Neutronensterne empfingen, da wurden binnen weniger Minuten 70 Teleskope auf die vermutete Quelle der Wellen ausgerichtet. Sie sahen einen neuen Stern. Branchesi fasste später die zahlreichen Fachartikel zu den Ergebnissen dieser Beobachtung zusammen - und nannte dabei mehr als 3.500 Koautoren.

Teleporter: Pan Jianwei

Der chinesische Physiker Pan Jianwei brach im Juli den ersten Rekord: Seinem Team gelang es, den Quantenzustand eines Photos auf der Erde auf ein Photon zu übertragen, das auf einem Satelliten in 1400 Metern Höhe über der Erde schwebte. Ganz grob vereinfacht gesagt – Quantenphysik ist wirklich komplex und schwer zu verstehen – gelang es ihm damit, das Photon von der Erde auf den Satelliten zu teleportieren. Ein paar Monaten später gelang seinem Team sogar, Quanten über den Satelliten nach Wien und Peking zu beamen. Zugleich konnten sie sich dank Quantenverschlüsselung abhörsicher unterhalten.

Friedensstiftender Physiker: Khaled Toukan

Der Physiker, Ex-Minister und frühere Universitätspräsident Khaled Toukan aus Jordanien hat für den Neubau eines Teilchenbeschleunigers Länder zusammengebracht, die sich auf politischer Ebene oft feindlich gegenüberstehen. Gemeinsam haben Israel, die Türkei, Palästina, Zypern, Ägypten, Iran, Pakistan und Jordanien in der Nähe von Amman ein Elektronensynchrotron, einen Teilchenbeschleuniger-Ring, errichtet. Fast 20 Jahre dauerte die Planung, mehrmals wäre das Projekt an den politischen Differenzen fast gescheitert. Nun ist SAME, die Photonenquelle, in Betrieb. Für Khaled Toukan ist es auch ein Lichtblick in dem Meer der Konflikte in der Region.

Sichert die Qualität von Forschungsaufsätzen: Jennifer Byrne

Jennifer Byrne erforscht nicht nur selbst die Genetik von Krebserkrankungen, sie überprüft auch die Arbeit anderer Forscher auf mögliche Fehler. Sie hat bereits mehrere Dutzend Aufsätze entdeckt, in denen DNA-Sequenzen fehlerhaft waren, allein 2017 zogen Fachjournale deswegen sieben Artikel zurück. Seit fast zwei Jahren arbeitet Byrne mit einem Kollegen an einem Computerprogramm, das Editoren dabei helfen soll, solche Fehler schon frühzeitig zu entdecken.

Für eine Welt ohne Atomwaffen: Geophysiker Lassina Zerbo

Der Geophysiker Lassina Zerbo leitet die Organisation CTBTO, die die Ächtung von Atomwaffen ausweiten will. Zerbo und seine Mitstreiter wollen erreichen, dass ein internationaler Vertrag abgeschlossen wird, der die Tests der Waffen verbietet. Alle Tests werden von CTBO dokumentiert, der Geophysiker bemüht sich deshalb darum, dass das weltweite Monitornetz ausgebaut wird, das aus Sensoren für Infraschall, Hydroakustik, seismische Signale und Radionuklide besteht. Die nordkoreanischen Tests sowie der verbale Schlagabtausch zwischen Diktator Kim-Jong Un und US-Präsident Trump haben ihn daher sehr beschäftigt.

Hat die Erdbeben in der Megastadt Mexiko-City verstanden: Victor Cruz-Atienza

Als Elfjähriger erlebte Victor Cruz-Atienza 1985 das erste heftige Erdbeben in seiner Heimatstadt Mexiko-City. Heute leitet er dort das Seismologie-Institut der Universität und beschrieb in mehreren Arbeiten, wie sich die Bodenerschütterungen in dem Seebecken, in dem die Stadt liegt, ausbreiten. Dabei sagte er voraus, dass die weichen Gesteine im Untergrund die Erschütterungen verstärken. Als im September die Erde mit einer Stärke von 7,1 auf der Richterskala bebte, bestätigten sich die Voraussagen von Cruz-Atienza. Stabilere Häuser und eine kürzere Dauer des Bebens verhinderten diesmal viele Tote.

Bock im Garten: Scott Pruitt

Wenn sich fast alle Wissenschaftler einig sind, dass das Erdklima vor allem durch den menschlichen Einfluss immer wärmer wird, was tut man da als Klimaskeptiker? Richtig – man versucht die Wissenschaftler loszuwerden. Scott Pruitt verklagte in seiner Zeit als Generalstaatsanwalt in Oklahoma die US-Bundesumweltbehörde EPA insgesamt 14 Mal, weil ihre Vorschriften Vorhaben von Bergbau oder Industrie beschränkten. Nachdem ihn Trump zum Chef der EPA beförderte, ersetzte er kritische Wissenschaftler dort durch Industrie-Vertreter oder folgsame Forscher. Zugleich fuhr er Umweltgesetze zurück, die Schadstoffausstoß oder Sondermüllproduktion begrenzt oder das Wasser geschützt haben. Mit Pruitt hat Trump den Bock zum Gärtner des Naturschutzes gemacht.

Gesicht eines medizinischen Durchbruchs: Emily Whitehead

Vor fünf Jahren erhielt die an Leukämie erkrankte sechsjährige Emily Whitehead eine experimentelle Gen-Therapie. Mediziner aus Philadelphia veränderten die Immunzellen des Mädchens mit Hilfe von Gentechnik so, dass die körpereigene Abwehr den Krebs angriff und besiegte. Im August 2017 warb die inzwischen elfjährige Emily gemeinsam mit ihrem Vater vor der US-Zulassungsbehörde FDA dafür, diese Therapie mit den sogenannten CAR-T-Zellen für Schwerstkranke zu genehmigen. Die Behörde erteilte die Zulassung.

#MeToo bei weiblichen Universitätsangehörigen: Ann Olivarius

Im März 1973 näherte sich der zehnte Jahrestag der Zulassung der ersten Studentin am US-amerikanischen Elitecollege Yale. Deshalb bat man die Jurastudentin Ann Olivarius, den Vorsitz einer Gruppe zu übernehmen, die einen Bericht über die Erfahrungen der Frauen verfassen sollte. Diese Kommission schließlich dokumentierte auch zahlreiche Fälle sexueller Belästigung bis zu Vergewaltigungen durch Professoren. Olivarius initiierte eine teilweise erfolgreiche Klage und kämpft bis heute mit ihrer Kanzlei gegen sexuelle Diskriminierung am Arbeitsplatz, speziell an Hochschulen und Universitäten. Durch den Hype um den Hashtag #MeToo bekamen Olivarius viele neue Fälle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 16. Oktober 2017 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2017, 17:39 Uhr