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Die Menschen haben von den Neandertalern offenbar eine bestimmte Genvariante geerbt, die sie anfälliger für das neue Coronavirus macht. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO (Steffen Schellhorn/Westend61; M), Montage: MDR

Covid-19Neandertalergene bringen größeres Corona-Risiko

30. September 2020, 18:06 Uhr

Menschen, die eine bestimmte von Neandertalern stammende Genvariante in ihrem Erbgut tragen, haben ein höheres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das zeigt eine Studie Leipziger Max-Planck-Forscher.

Vor etwa 70.000 Jahren sind die ersten modernen Menschen aus Afrika Richtung Norden vorgedrungen. Dort stießen sie auf Neandertaler und haben sich mit ihnen vermischt. Darauf deuten verschiedene genetische Untersuchungen der vergangenen Jahre hin. Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA) haben jetzt entdeckt, dass eine bestimmte, auf Neandertaler zurückgehende Genvariante mit einem höheren Risiko verbunden ist, schwer an Corona zu erkranken.

In Südasien trägt jeder zweite die riskanten Neandertalergene

Im renommierten Journal "nature" berichten Hugo Zeberg und Svante Pääbo von der Variante einer bestimmten Gensequenz, die auch bei den Überresten von Frühmenschen gefunden wurde, die vor etwa 50.000 Jahren im heutigen Kroatien gelebt haben. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher", sagt Zeberg.

Laut den Wissenschaftlern ist diese auf Neandertaler zurückgehende DNA-Sequenz unterschiedlich stark verbreitet auf der Welt. Während sie in Südasien etwa die Hälfte der Bevölkerung trage, sei es in Europa nur einer von sechs Einwohnern. In Afrika und Ostasien komme sie dagegen gar nicht vor.

Unklar, wie Neandertalergene und Corona zusammenwirken

Offen ist auch, warum die Neantertalergene potenziell zu schweren Coronaverläufen führen. "Es ist erschreckend, dass das genetische Erbe der Neandertaler während der aktuellen Pandemie so tragische Auswirkungen hat. Warum das so ist, muss jetzt so schnell wie möglich erforscht werden", sagt Svante Pääbo, Direktor am MPI EVA.

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