Corona Impfstoffe: Nebenwirkungen in der Praxis bleiben im Rahmen

Aktuelle Daten aus den USA und Deutschland zeigen: Die Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen der zugelassenen Impfstoffe gegen Corona entspricht den Erwartungen. Experten diskutieren aber weiter über Astrazeneca.

Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft
Erste Corona-Impfung in einer Stuttgarter Hausarztpraxis. Bildrechte: imago images/Wilhelm Mierendorf

Rund 46 Millionen US-Amerikaner haben bisher mindestens eine Impfung gegen Covid-19 erhalten. Um die dabei auftretenden Nebenwirkungen zu beobachten, bieten die US-Behörden ebenso wie das deutsche Paul-Ehrlich-Institut eine Handy-App an, über die Geimpfte ihre Erfahrungen weitergeben können. In den USA heißt diese App V-safe, in Deutschland SafeVac. Die darüber berichteten Nebenwirkungen entsprechen in Art und Anzahl weiterhin dem, was die klinischen Tests erwarten lassen. Das zeigen die jetzt im Fachblatt JAMA veröffentlichten Zahlen.

Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen: Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen

3,6 Millionen Geimpfte in den USA haben bis zum 28. Februar mindestens einmal innerhalb der ersten sieben Tage nach der ersten Impfdosis über die App Auskunft über ihre Gesundheit gegeben, und rund 1,9 Millionen Nutzer haben an den sieben Tagen nach der zweiten Impfung Fragen beantwortet. Bis Ende Februar waren in den USA vor allem die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer ("Comirnaty") und Moderna im Einsatz. Der Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson hat inzwischen zwar ebenfalls eine Notfallzulassung, wird aber erst seit Ende März ausgeliefert. Das in Europa aktuell stark debattierte Vakzin von Astrazeneca ist den Vereinigten Staaten noch nicht zugelassen.

Bei den mRNA-Impfstoffen zeigt sich weiterhin, dass Nebenwirkungen häufiger bei der zweiten Dosis auftreten als bei der ersten und eher bei Geimpften, die jünger sind als 65 Jahre als bei denjenigen, die über dieser Altersgrenze liegen. Außerdem sind die Nebenwirkungen etwas häufiger bei dem Impfstoff von Moderna als bei Comirnaty von Biontech/Pfizer. Am häufigsten erleben Geimpfte Schmerzen an der Einstichstelle (67.8 Prozent nach der ersten Dosis), gefolgt von Abgeschlagenheit (30,9 Prozent) und Kopfschmerzen (25,9 Prozent). Bei der zweiten Dosis kamen diese Nebenwirkungen häufiger vor, hier berichteten 53,9 Prozent von Abgeschlagenheit und 46,7 Prozent von Kopfschmerzen.

In der V-safe App wurden Nutzer nicht nach allergischen oder anaphylaktischen Reaktionen gefragt, die selten vorkommen (nach bisherigem Stand bei etwa zehn Geimpften pro eine Millionen Impfungen).

Deutschland: Häufigste Meldung von Nebenwirkungen bei Astrazeneca

Für Deutschland zeigen die jüngsten vom Paul-Ehrlich-Institut veröffentlichten Zahlen ein ähnliches Bild. Bis zum 12. März wurden hier insgesamt rund 8,9 Millionen Impfungen gezählt, davon 7,1 Millionen mit Comirnaty (Biontech/Pfizer), 1,5 Millionen mit Astrazeneca und 300.000 mit dem Impfstoff von Moderna. Rund 64 Prozent der Geimpften hierzulande sind Frauen. Das PEI gibt in seinem Sicherheitsbericht den Anteil der jeweiligen Nebenwirkungen nicht auf die Gesamtmenge der geimpften Personen an, sondern nur auf die Gesamtmenge der gemeldeten Nebenwirkungen. Mit etwa 16 Prozent aller Meldungen führen grippeähnliche Symptome nach einer Impfung mit Astrazeneca ("Vaxzevria") die Statistik an. Über 13 Prozent melden Fieber nach einer Astrazeneca-Impfung, Platz drei belegen Schmerzen an der Einstichstelle nach einer Impfung mit Comirnaty (Biontech/Pfizer).

Der Sicherheitsbericht schlüsselt auch Meldungen anaphylaktischer Reaktionen auf. Seit Beginn der Impfkampagne wurden 127 solche Reaktionen gemeldet, bei 99 gilt die Diagnose als relativ sicher. Mit 84 anaphylaktischen Reaktionen entfielen die meisten auf eine Impfung mit Comirnaty, gefolgt von 13 bei Astrazeneca. Bei Impfungen mit dem am seltensten eingesetzten Impfstoff von Moderna kam es zu zwei anaphylaktischen Reaktionen. In 90 Prozent der Fälle waren die Symptome bereits gänzlich abgeklungen und besserten sich.

Auch gefährliche Thrombosen nach einer Impfung mit Astrazeneca kommen nur sehr selten vor. Hier hat das Paul-Ehrlich-Institut mittlerweile 31 Verdachtsfälle gezählt. In Europa fällt die Reaktion auf diese Nebenwirkung sehr unterschiedlich aus. Während der Impfstoff in Deutschland nur noch für Menschen über 60 Jahren empfohlen wird und auch Frankreich und die Niederlande die Verwendung eingeschränkt haben, impft Österreich weiterhin alle Altersgruppen mit Vaxzevria. Die britische Impfkommission JCVI empfiehlt seit heute (07.04.), den Impfstoff möglichst nur noch an Personen über 30 Jahre zu verabreichen.

EMA und WHO empfehlen Astrazeneca weiter

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA sieht ebenfalls einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca und sehr selten auftretenden Thrombosen bei Geimpften. Das teilte die EMA am Mittwoch mit. Die Blutgerinnsel sollten als seltene Nebenwirkung von Vaxzevria gelistet werden. Zugleich empfahl sie die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Impfstoffes. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, begründete die Behörde.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich vorerst für die weitere Verwendung des Astrazeneca-Impfstoffs ausgesprochen. Nach aktueller Datengrundlage scheine ein Zusammenhang mit Thrombosen zwar plausibel, aber nicht bestätigt, teilten die Experten des Impfkomitees der WHO mit. Es bedürfe weiterer Studien, um eine mögliche Verbindung zwischen Impfung und etwaigem Risiko zu untersuchen.

(ens)

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