Klimawandel Sardinen und Austern erobern die Nordsee

Die Nordsee wird wärmer und entwickelt sich zum Sammelbecken für Tiere aus aller Welt. Während sich Neuankömmlinge wie Auster und Sardine immer wohler fühlen, suchen Miesmuscheln und Kabeljau nach neuen Lebensräumen.

von Karolin Dörner

Nicht umsonst heißt die Sardine wie die italienische Insel im Mittelmeer: Sardinien. Denn in der warmen Gegend kommt der Fisch zahlreich vor. Immer häufiger trifft man ihn nun aber auch in der Nordsee an, zusammen mit seinem Verwandten der Sardelle, die aus Spanien angereist ist und es eigentlich gemäßigt und warm mag. Anne Sell vom Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg fährt mehrmals im Jahr auf dem Forschungsschiff hinaus und beobachtet die neuen Ankömmlinge. Ganz plötzlich kamen sie nicht.

Diese Tiere waren immer mal in der Nordsee, aber es gab nur einzelne Exemplare. In den 2000er-Jahren waren sie dann sehr viel häufiger als vorher. Jetzt gibt es auch Anzeichen, dass die Fische sich in der Nordsee rekrutieren, das heißt, dass sie in der Nordsee auch Nachwuchs erzeugen können.

Anne Sell, Thünen-Institut für Seefischerei

Auch mit dabei: Die pazifische Auster, die australische Seepocke oder die amerikanische Pantoffelschnecke. Sie machen das Wattenmeer zu einem internationalen Treffpunkt. Des einen Freud ist aber des andren Leid, gibt Anne Sell zu bedenken. "In vielen Fällen sind die eingeschleppten Arten eine Bedrohung für das Ökosystem. Es gibt keine entsprechenden Puffermechanismen, wenn es keine natürlichen Feinde gibt."

Die Auster zum Beispiel drängt vielerorts die heimische Miesmuschel zurück. Direkt betroffen vom warmen Nordseewasser ist auch der Kabeljau. Südlicher als in der Nordsee kommt er ohnehin kaum vor. Nun verlagert er die Grenzen seines Lebensraums weiter Richtung Norden.

Wenn sich die Nordsee erwärmt, ist das für diese Fischart erstmal schwierig. Schwierig heißt aber nicht, dass der Kabeljau sofort ausstirbt, sondern die Wachstumsbedingungen und die Überlebenswahrscheinlichkeiten der Larven verändern sich.

Anne Sell, Thünen-Institut für Seefischerei

Der Nordseefisch Kabeljau ist damit nicht alleine. Weiter östlich hat der Hering mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, denn auch die Ostsee wird immer wärmer, beobachtet Christopher Zimmermann vom Thünen Institut für Ostseefischerei. "Und wir stellen einfach empirisch, also durch Beobachtung fest, dass der Heringslaich weniger Überlebenschancen hat, wenn die Temperatur höher ist."

Die Zahlen der letzten Jahre zeigen: Die Meere werden immer wärmer. Für die Nordsee war 2014 Rekordjahr. Die Durchschnittstemperatur lag bei 11,5 Grad Celsius. 1,5 Grad Celsius über dem Referenzwert.

Über dieses Thema berichtete MDR-Aktuell im Radio | 24.02.2017 | 06:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2017, 14:22 Uhr