Am 10.2.17 bekommt der Vollmond einen Schatten. Eine partielle Mondfinsternis
Bildrechte: MDR/Gerald Perschke

Neue Theorie Mond entstand durch Meteoriten-Gewitter

Chemisch sind sich Mond und Erde sehr ähnlich – viel ähnlicher, als allen anderen Planeten im Sonnensystem. Das wirft Fragen zur Entstehung des Trabanten auf. Nun überlegen israelische Wissenschaftler: Der Mond könnte das Produkt vieler kleiner Einschläge auf der Erdoberfläche sein.

von Karsten Möbius

Am 10.2.17 bekommt der Vollmond einen Schatten. Eine partielle Mondfinsternis
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Wissenschaftler rätseln seit langem, wie der Mond entstanden ist. Erst hieß es, der Trabant sei gleichzeitig mit der Erde, aus dem gleichen Teil des Planetennebels hervorgegangen. Diese Theorie ist in der Mottenkiste gelandet, weil wir heute wissen: Der Mond ist ein paar Millionen Jahre jünger ist als die Erde. Die zweite These, dass die Erde den Mond mit ihrer Gravitation einfach eingefangen hat, gilt als extrem unwahrscheinlich, weil wir damit nicht erklären können, warum die beiden sich chemisch so ähnlich sind.

Wo sind die Spuren von "Theia"?

Tilman Spohn
Professor Tilmann Spohn, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Bildrechte: DLR

Und dann kam die sogenannte Impact Theorie, die Theorie, dass ein riesiger Himmelskörper - von einigen Wissenschaftlern Theia genannt - die Erde getroffen hat. Theia soll so groß wie der Mars gewesen sein. Teile des Erdmantels verdampften ins All und fanden sich in der Erdumlaufbahn dann wieder als Mond zusammen. Tolle Theorie, es gibt nur ein Problem sagt Professor Tilman Spohn, der Direktor des Instituts für Planetenforschung in Berlin: "Man darf nicht den Körper vergessen, der auf die Erde gestürzt ist. Dessen Zusammensetzung müsste sich in dem Mond wiederfinden.“

Doch auf dem Mond findet sich nur das gleiche Material wie auf der Erde. Dafür suchen Wissenschaftler nach Erklärungen. Den Anfang machten US-Forscher. Sie lieferten die Version eines Streifschusses, sagt Spohn. Danach soll Theia nach einem kurzen intensiven Kontakt mit der Erde weiter ins All gerast sein.

Das heißt also diese Theia hat die Erde nicht voll getroffen, sondern nur an ihrer obersten Hülle in einer streifenden Bewegung sozusagen.

Tilmann Spohn, DLR

Die aktuellste Idee dazu bieten jetzt israelische Forscher. Sie gehen davon aus, dass viele kleine Treffer so viel Material ins All verdampfen ließen, dass sich vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren mehrere Minimonde in der Erdumlaufbahn befanden, die später zu unserem jetzigen Mond verschmolzen sind. In Modellrechnungen wurden fast tausend Einschläge auf der Erde simuliert, die genau diesen Effekt hätten hervorrufen können.

Damit hätte man ein Szenario, das erklärt, wie chemische Elemente aus dem Erdmantel den Mond entstehen ließen ohne gleichzeitig anderes außerirdisches Material auf dem Mond nachweisen zu müssen. Jetzt muss sich diese neue These erstmal den Überprüfungen der Planetenforscher stellen.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell im Radio | am 10.01.2017 | 6.50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2017, 17:44 Uhr