Der Eisberg A 68, aufgenommen vom Satelliten Deimos-1 am 14. Juli 2017
Der Eisberg A 68, aufgenommen vom Satelliten Deimos-1 am 14. Juli 2017 Bildrechte: Deimos Imaging, an UrtheCast company

Antarktis Eisriese A-68 setzt sich in Bewegung

Vergangene Woche hat sich in der Antarktis ein neuer Rieseneisberg vom Schelfeis abgelöst. Nun zeigen neue Satellitenaufnahmen, wie er beginnt zu driften. Dabei lösen sich kleinere Eisberge von ihm ab.

Der Eisberg A 68, aufgenommen vom Satelliten Deimos-1 am 14. Juli 2017
Der Eisberg A 68, aufgenommen vom Satelliten Deimos-1 am 14. Juli 2017 Bildrechte: Deimos Imaging, an UrtheCast company

Der Riese hat sich in Bewegung gesetzt: Nachdem sich ein langer Riss über Jahre hinweg durch das antarktische Larsen-C-Schelfeis gefressen hatte, ist eine gewaltige Eisfläche von rund 5.800 Quadratkilometern Anfang Juli endgültig abgerissen. A-68 wurde der neue Eisberg genannt, der ungefähr sieben Mal so groß ist wie Berlin. Mitten in der ewigen Nacht des antarktischen Winters gelang dem Satelliten Deimos-1 eine spektakuläre Detailaufnahme, die zeigt, dass sich durch die Drift sogenannte Festeisflächen vom Eisberg lösen.

Eisberg A 68 zerfällt weiter
Bildrechte: IMAGO / MDR

Für den Klimaforscher Thomas Rackow vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven kommt das nicht überraschend. Anders als Schelfeis stammt Festeis nicht von den polaren Gletschern. Stattdessen besteht es aus gefrorenem Meerwasser und ist mit wenigen Metern deutlich dünner als der Eisberg. "Im Grunde sind das Eisschollen, die an verschiedenen Ankerpunkten an A-68 festgefroren sind", sagt Rackow.

Wohin der Eisberg steuert?

In dem Moment, in dem die Drift des Eisbergs beginne, würde das Festeis einfach zur Seite geschoben. "Man hat das schon häufiger beobachtet, dass Eisberge wie Eisbrecher durch Festeis gleiten und es dabei teilweise auch auftürmen", so der Forscher. Wie schnell sich A-68 vom Schelfeis entfernt? - "Das hängt davon ab, ob der Berg auf Grund läuft oder ob er frei driftet."

Grafik der Umrisse des abgebrochenen Eisbergs am Larsen C-Schelfeis und Größenvergleich mit der Stadtfläche Berlin
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut / Martin Kuensting, CC-BY 4.0

Haben die Massen einmal Fahrt aufgenommen, können sie bis zu zehn Kilometer am Tag zurücklegen. Bisher gehen Rackow und seine Kollegen davon aus, dass sich der Koloss zunächst nach Osten bewegt und etwa ein Jahr lang durch das Weddellmeer treibt. "Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen. Das heißt, er würde in etwa Südgeorgien oder die Süd-Sandwichinseln ansteuern und hier verstärkt schmelzen", sagt Rackow.

Weil am Südpol gerade Winter ist, erodiert A-68 nur langsam. Das Meer ist von Eis bedeckt, also können am Rand des neuen Eisbergs keine Wellen hochschlagen. Wenn der Berg durch offenes Wasser drifte, werde sich das ändern und der Schmelzprozess weiter zunehmen, schätzt der Forscher.

Bedroht der Klimawandel das Schelfeis?

Wissenschaftler hatten die Ablösung von A-68 bereits seit Monaten erwartet, nachdem sich die Risse immer schneller ausgedehnt hatten. Da sich mehrere Zweige gebildet haben, gehen die Forscher davon aus, dass noch mehrere kleinere Abbrüche folgen. Die Art, wie sich der Eisberg gebildet hat, ist durchaus natürlich. Am Rand des Schelfeises brechen Eisberge ab, während die Eisfläche weiter nachwächst.

Inzwischen beobachten die Forscher allerdings, dass die Schelfeisflächen kleiner werden, weil es rund um die Antarktis immer wärmer wird. Die Kante des Larsen-C-Schelfs habe sich noch nie so weit zurückgezogen, wie gegenwärtig, schreiben die Forscher vom AWI. Und der Prozess könnte sich noch beschleunigen. "Die gesamte Eisplatte steht unter Spannung: Bricht an einer Schlüsselstelle ein Stückchen ab, können sich auch in anderen Teilen Risse ausbreiten, ähnlich wie bei einer Sicherheitsglasscheibe. Dies könnte letztendlich zum Zerfall des Schelfeises führen", so ein Sprecher des Instituts.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Fernsehen | 12.07.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2017, 16:44 Uhr