Atomphysik Europäer planen riesigen Teilchenbeschleuniger

27 Kilometer lang ist der Tunnel des Teilchenbeschleunigers LHC am CERN bei Genf. Es ist die größte derartige Anlage der Welt – noch. Denn direkt daneben könnte bald ein vier Mal so großer Beschleuniger entstehen.

Die Entdeckung des Higgs-Teilchens war die große Sensation. 2013 gab es sogar den Physik-Nobelpreis für den Nachweis des Teilchens, das bereits in den 1960er-Jahren vorhergesagt wurde und erklärt, wie die Elementarteilchen ihre Masse erhalten. Entdeckt wurde es am Teilchenbeschleuniger LHC im Kernforschungszentrum CERN. Nahe Genf an der französisch-schweizerischen Grenze erforschen Atomphysiker hier das Universum, in dem sie es in seine kleinsten Einzelteile zerlegen.

In einem 27 Kilometer langen Tunnel werden Elementarteilchen mit Magneten auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, bevor sie miteinander zusammenprallen. Durch die hohe Energie der Kollision werden die Teilchen weiter zerkleinert - und geben so ihre letzten Geheimnisse preis.

100.000 Mal leistungsfähiger

Das Higgs-Teilchen war allerdings erst der Anfang, wenn die jüngsten Pläne der Wissenschaftler am europäischen Kernforschungszentrum CERN tatsächlich umgesetzt werden. Dann würde in unmittelbarer Nachbarschaft des LHC mit dem Future-Circular Collider (FCC) eine rund vier Mal so große Anlage gebaut. Der Tunnel des FCC soll knapp 100 Kilometer lang sein und teilweise unter dem Genfer See verlaufen. Die Bauzeit dafür wird auf knapp 20 Jahre kalkuliert, die Kosten sollen rund 24 Milliarden Euro betragen.

Der neue Beschleuniger wäre etwa 100.000 Mal leistungsfähiger als die heutige Anlage. Die Wissenschaftler wollen dort unter anderem Elektronen und Positronen miteinander kollidieren lassen. Davon erhoffen sie sich Erkenntnisse über die ersten Nanosekunden nach dem Urknall.

Der bestehende Beschleuniger würde in die neue Anlage integriert und auch weiter genutzt werden. Ob der FCC gebaut werden soll, darüber wollen die 22 Mitgliedsstaaten des CERNs frühestens 2020 entscheiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2019 | 10:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 17:29 Uhr