Pilze auf der Haut Neuer Therapieansatz bei Neurodermitis

Jedes dritte Kind in Sachsen leidet an Hautproblemen. Und deutschlandweit haben 10 bis 15 Prozent Probleme mit Neurodermitis. Forscher in Zürich haben jetzt einen neuen Therapieansatz entwickelt – für die Pilze auf unserer Haut.

Strahlen gehen von einer markierteen Stelle auf dem Modell eines menschlichen Gehirns, das von einer Person gehalten wird, aus. 3 min
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Wenn unsere Haut chronisch oder regelmäßig erkrankt, dann ist das oft eine Neurodermitis. Da es sich dabei meist um allergische Reaktionen handelt, nennen Ärzte die Krankheit atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem. Sie hat verschiedenste Ursachen, genetische, psychische oder Umweltreize. Und es gibt die unterschiedlichsten  Behandlungsmethoden. Dazu gehören z.B. Biologika, die gentechnisch aus lebenden Zellen hergestellt werden. Forscher der Uni Hannover testen gerade eine Tablette, mit der das Molekül Histamin geblockt werden soll.

Mediziner der Universität Zürich (UZH) gehen jetzt noch einen anderen Weg. Sie haben Pilze auf unserer Haut als einen auslösenden Faktor für Neurodermitis ausgemacht. Malassezia so heißt der Hefepilz, der überall auf unserer Haut vorkommt, und der uns, so wird vermutet, auf die Begegnung mit gefährlichen Krankheitserregern vorbereitet, ähnlich wie gewisse Bakterien dies tun.

Pilze spielen eine Rolle

Es gibt jedoch Hinweise, so die Mediziner vom Virologischen Institut der UZH, dass die normalerweise harmlosen Malassezia-Pilze gerade bei Neurodermitis eine Rolle spielen. Bei Untersuchungen an Mäusen und Menschen konnten die Forscher nachweisen, dass es einen Zusammenhang mit der Ausschüttung eines bestimmten Botenstoffes (Interleukin-17) und der Wirkung des Pilzes gibt.

Interleukin-17-produzierende Immunzellen schützen den Pilz normalerweise und halten sein Wachstum in Schach. In den Versuchen trugen diese Zellen jedoch zur Entstehung der Neurodermitis bei. Der Pilz wird auf der Haut zum Allergen, so die Forscher, und ruft eine Überreaktion des Immunsystems mit entsprechenden Entzündungsmerkmalen  hervor.

Antikörper gegen die Überreaktion des Immunsystems

Eine solche Überreaktion könnte mit therapeutischen Antikörpern, die die Wirkung von Interleukin-17 neutralisieren, behandelt werden. "Diese Antikörper existieren bereits und werden bei der Behandlung von Schuppenflechten mit großem Erfolg eingesetzt", sagt die verantwortliche Autorin Salomé LeibundGut-Landmann, Professorin und Leiterin der Abteilung für Immunologie an der Vetsuisse-Fakultät der UZH.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrft "Cell Host & Microbe" veröffentlicht worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 09. Januar 2019 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 13:42 Uhr