Draufsicht auf eine Dating-App auf Smartphones
Symbolbild: Draufsicht auf eine Dating-App auf Smartphones Bildrechte: imago images / Addictive Stock / Juan Alberto Ruiz

Wissen-News Online-Dating: Beliebtheit geht vor Kompatibilität

01. Dezember 2023, 11:55 Uhr

Dating-Apps versprechen, uns mit jemandem zu verbinden, der zu uns passt. Eine aktuelle Studie zeigt allerdings, dass das viel weniger darüber entscheidet, welche Profile wir gezeigt bekommen. Vielmehr priorisierte die untersuchte App attraktive Profile mit hoher Beliebtheit.

Forschende haben Daten von 240.000 Nutzenden einer großen Online-Dating-Plattform in Asien ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass die Plattform ihren Nutzenden eher Menschen vorschlug, die als "attraktiv" galten und auf der Plattform beliebt waren. Mit der Beliebtheit eines Nutzers bei anderen Nutzenden stieg die Rate, mit der das Profil anderen Nutzenden gezeigt wurde. Das ergibt aus Sicht der Plattform durchaus Sinn: Beliebte Profile sorgen auf Dating-Plattformen für mehr Engagement, also für mehr Likes und mehr gesendete Nachrichten. Nach Aussage der Forschenden galt das allerdings nur, wenn diese populären Profile wiederum nicht so attraktiv waren, dass sie als "unerreichbar" empfunden wurden.

Plattformen haben ein Interesse an Nutzenden, die bleiben

Viele Nutzende greifen auf Online-Dating zurück, um Menschen zu finden, mit denen sie Gemeinsamkeiten haben. Allerdings haben die Anbieter möglicherweise auch ein Interesse daran, dass Menschen die Plattform längere Zeit nutzen, weil sie sich durch Werbung, Abonnements und In-App-Käufe finanzieren. Nach welchen Vorgaben die entsprechenden Algorithmen Profile ausspielen, legen Dating-Apps in der Regel nicht offen.

In der aktuellen Studie verglichen die Forschenden die Chancen diverser Profile in einem "unvoreingenommenen Ansatz" (in diesem Modell haben beliebte und unbeliebte Nutzenden die gleichen Chancen, anderen empfohlen zu werden) mit einem Ansatz, der populäre Profile bevorzugt. Im unvoreingenommenen Ansatz, als einem "fairen" Modell mit gleichen Chancen für alle war die Anzahl der Matches allerdings geringer als in einem Modell, das beliebte Nutzende priorisiert. Somit reagieren auch die Nutzenden der Dating-Apps stärker auf attraktive Profile als auf solche, die vermeintlich besser zu ihnen passen, aber zunächst weniger attraktiv sind.

Algorithmen sollten transparent gemacht werden

Soo-Haeng Cho, IBM-Professor für Betriebsmanagement und Strategie an der Tepper School of Business der Carnegie Mellon University und Mitautor der Studie, sagt: "Auch wenn Dating-Plattformen es den Nutzern ermöglichen, mit anderen in Kontakt zu treten, bleiben Fragen zur Fairness ihrer Empfehlungsalgorithmen bestehen." Die Forschenden schlagen vor, dass Online-Dating-Plattformen ihren Nutzenden gegenüber transparenter machen sollten, nach welchen Richtlinien ihre Algorithmen arbeiten.

Links/Studien

Die aktuelle Studie mit dem Namen "Popularity Bias in Online Dating Platforms: Theory and Empirical Evidence" ist durch ein Peer-Review-Verfahren geprüft und wurde hier veröffentlicht.

iz

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2 Kommentare

Freies Moria vor 13 Wochen

@Untertan: Vielen Dank, wieder einmal ein MDR Wissen Artikel in dem der wesentliche Punkt einfach aussen vor gelassen wurde. Wie kann so etwas unter "Wissen" laufen?

Untertan vor 13 Wochen

warum wundert mich das jetzt nicht, weil es Kapitalismus ist. Hier in dem Fall geht es nicht darum einsame Meschen zusammen zu bringen. Es ist nur Mittel zum Zweck, Geld zu generieren, egal wie, Hauptsache viel und recht lange.