rauchende Kühltürme des Braunkohlekraftwerk Jänschwalde
Das Braunkohlekraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde. Die Verbrennung von Braunkohle gehört zu den CO2-intensivsten Energieformen. Bildrechte: IMAGO / Andreas Franke

Wissen-News Klimawandel durch CO2: Luftverschmutzung hat Erwärmung viele Jahrzehnte gedämpft

10. November 2023, 16:51 Uhr

Treibhausgase wie Kohlendioxid fördern die Erwärmung der Atmosphäre. Aerosole durch Luftverschmutzung haben diesen Effekt aber wohl lange Zeit gedämpft, wie eine aktuelle Studie des renommierten Klimaforschers James Hansen bestätigt. Seitdem die Luft sauberer ist, zeige CO2 erst seine volle Wirkung.

Hinweis vom 10. November 2023: Wir haben den Text gegenüber einer früheren Version um weitere Studieninhalte sowie die Einschätzung einer Fachperson ergänzt.

Die Erde profitierte Jahrzehnte von einer ungewollten Sonnencreme: Schon länger ist bekannt, dass durch Luftverschmutzung bedingte Schwebeteilchen die Erderwärmung abschwächen. Eine Verbesserung der Luftqualität kann demnach zu einer Beschleunigung der globalen Erwärmung führen. Das geht auch aus einer aktuellen Untersuchung des Earth Insitutes (Columbia-Universität, New York) hervor, unter Federführung des renommierten Klimaforschers James Hansen. Die Studie spricht dem Effekt ein hohes Potenzial zu, die Wirkung von Treibhausgase zu verstärken.

Die Menge der Aerosole, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, sinke besonders stark seit 2010. Grund seien größere Anstrengungen Chinas und im weltweiten Schiffsverkehr, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Dies ist prinzipiell gut für die Gesundheit der Menschen, da die Partikel zu vielerlei Erkrankungen führen können. Allerdings wird dadurch der Treibhauseffekt noch verstärkt. Laut der Studie werde die bisherige Erwärmung von 0,18 Grad pro Jahrzehnt in den Jahren von 1970 bis 2010 auf 0,27 Grad pro darauffolgenden Jahrzehnt ansteigen. Im Ergebnis werde die 1,5-Grad-Schwelle schon in diesem Jahrzehnt überschritten und die Zwei-Grad-Grenze in den kommenden Dekaden

In den vergangenen Jahren hatte Forschung um den Leipziger Meteorologen und Klimawissenschaftler Johannes Quaas den "Sonnencreme-Effekt" der Luftverschmutzung bereits mehrfach beschrieben. Jüngste Berechnungen des Teams zeigten aber, dass in stark belasteten Regionen die zusätzliche Erwärmung durch Verbesserungen der Luftqualität erst zwei bis drei Jahrzehnte später eintritt als bisher angenommen. "Wie Hansen und Team richtig beschreiben, finden wir anhand der Analyse von Satellitendaten oft Hinweise auf ein recht starkes Aerosol-Forcing", so Quaas gegenüber MDR WISSEN. "Das Argument, mit dem unsere Beurteilung aus dem Jahr 2020 und im Nachgang auch der Weltklimabericht ein sehr starkes Aerosol-Forcing ausgeschlossen haben, waren die Erwärmungsraten." Hansen geht von hohen Raten aus und hätte "eben ein gutes Argument, dass dies vielleicht nicht vollständig gerechtfertigt war."

Leipziger Klimaforscher: Ergebnisse sehr ernst nehmen

Quaas, der die hohe Qualität des vorliegenden Forschungspapiers von James Hansen und Team hervorhebt, ist von den Erkenntnissen zur Klimasensitivität überrascht. Klimasensitivität beschreibt, wie empfindlich das Klima auf Veränderungen wie die Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre reagiert. Bisherige Schätzungen gingen von drei Grad globaler Erwärmung bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts aus, die jetzt vorliegende Studie kommt aber durch verbesserte erdgeschichtliche Klimadaten auf 4,8 Grad Erwärmung.

Quaas: "Die Klimasensitivität ist gut begründet und nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, wenn es auch die weiterhin validen Argumente gibt, dass geringere Klimasensitivität aus anderen Gründen wahrscheinlich ist." Er plädiert, die Ergebnisse der Studie in künftigen Beurteilungen sehr ernst zu nehmen. "Da die Vorhersage von sehr schnellen Erwärmungsraten ausgeht, wird man auch sehr bald anhand der Beobachtungen entscheiden können, ob die Aussagen überschätzt waren."

Die Studienautorinnen und -autoren empfehlen, die Anstrengungen zur CO2-Reduzierung zu verstärken, etwa durch steigende Kohlenstoffsteuern, den Ausbau der Nutzung von erneuerbaren Energien oder die ergänzende Förderung moderner Kernenergie. Zusätzlich müssten die westlichen Nationen die Länder des Globalen Südens noch stärker auf ihrem Weg in eine emissionsfreie Wirtschaft unterstützen. Und schließlich müssten auch Maßnahmen getroffen werden, um sich an die Folgen der Erderwärmung anzupassen, etwa durch weitere Forschung im Bereich Geoengineering.

Links/Studien

Die Studie "Global warming in the pipeline" wurde im Journal "Oxford Open Climate Change" veröffentlicht.

cdi, flo

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8 Kommentare

MDR-Team vor 36 Wochen

Hallo @Windjammer,
Sie haben hier eine Menge Falschbehauptungen und Desinformationen untergebracht. Daten aus über 50 Jahren belegen, dass sich die nächtlichen Temperaturen sogar schneller erwärmen, als die Temperaturen tagsüber. Dies liegt unter anderem an der bodennahen Luftschicht, die nachts kleiner ist. In Sachen Wettermesspunkte haben die Kolleg*innen von AFP-Faktencheck einen lesenswerten Artikel: https://faktencheck.afp.com/doc.afp.com.33RD4LF
Herzliche Grüße

Windjammer vor 36 Wochen

Einfach eine Behauptung zum x-ten Mal wiederholen erhöht nicht den Wahrheitsgehalt. Bereiten sie mal wissenschaftlich auf, warum es nur wärmer ist, wenn die Sonne scheint und im Sommer bei klarer Nacht, es genau so kalt ist wie immer. Der Wissenschaft folgend müsste es auch dann wärmer sein. Und dann sollten sie auch mal die wissenschaftliche Begründung liefern, warum man seit 1960 die Anzahl der Temperaturmesspunkte um fast 1/3 reduziert hat und diese Reduktion ausgerechnet in den Gebieten erfolgte, in den es von Natur aus kälter ist, wie z.B. im Schwarzwald.

MDR-Team vor 36 Wochen

Hallo Niemann,

wir können hier nur wissenschaftlich aufbereiten und aufklären und Studien vorstellen. Was die Politiker*innen daraus machen oder nicht - das können wir nicht voraussagen und haben darauf auch keinen Einfluss.

Freundliche Grüße
Das MDR WISSEN Team