Ein Sechskiemerhai auf dem Weg zu einem Walkadaver. In der Tiefsee zählt jede Kalorie, hier herrscht Nahrungsnotstandgebiet. Die großen Haie haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und können in der Kälte der Tiefsee ein Jahr ohne Futter aushalten. Das Foto wurde im Tauchboot "Lula" der Rebikoff-Niggeler-Stiftung aufgenommen.
Ein Sechskiemerhai auf dem Weg zu einem Walkadaver. In der Tiefsee zählt jede Kalorie, hier herrscht Nahrungsnotstandgebiet. Die großen Haie haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und können in der Kälte der Tiefsee ein Jahr ohne Futter aushalten. Das Foto wurde im Tauchboot "Lula" der Rebikoff-Niggeler-Stiftung aufgenommen. Bildrechte: MDR/WDR/BBC NHU/Will Ridgeon

Wissen-News Tiefseehaie und -rochen wegen Überfischung vom Aussterben bedroht

11. März 2024, 19:00 Uhr

Laut einer neuen Studie treibt die Fischerei das Aussterben von Haien und Rochen in der Tiefsee weiter voran. Um das zu verhindern, müsse schnell gehandelt werden, weil die Umkehr des bedrohlichen Trends lange dauere.

Tiefseehaie und -rochen gehören zu den Meereswirbeltieren, die am empfindlichsten auf Überfischung reagieren, schreiben die Autoren einer neuen Studie, die im Fachjournal "Science" veröffentlicht wurde. Ein Drittel der bedrohten Tiefseehaie werde gezielt gefangen, und die Hälfte der Arten, die für den internationalen Fischölhandel bestimmt sind, seien vom Aussterben bedroht. Haie und Rochen benötigen laut den Autoren sofortige Handels- und Fischereiregelungen, um einen irreversiblen Rückgang der Arten zu verhindern und die Erholung dieser bedrohten Fauna zu fördern.

Der starke Rückgang der Populationen lässt sich laut Studie wegen der langen Generationsdauer (lange Lebensdauer, aber geringe Reproduktionsrate), des geringen Erholungspotenzials und des derzeit nahezu fehlenden Managements nicht ohne weiteres umkehren. Trotz einiger politischer Anstrengungen habe sich deshalb das Aussterbe-Risiko binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt. 2014 seien noch 5,2 Prozent der Arten als "vom Aussterben bedroht", "stark gefährdet" oder "gefährdet" geführt worden. Mittlerweile seien es 11,5 Prozent, davon neun Arten (1,7 Prozent) in der höchsten Gefährdungskategorie "vom Aussterben bedroht".
Auf der Roten Liste der IUCN stehen ohnehin alle 521 Arten, aber bei der Mehrzahl ist die Gefährdungsstufe derzeit noch vergleichsweise niedrig.

Laut Studie ist die Überfischung die Hauptbedrohung für Tiefseehaie und -rochen. In den Fällen, in denen die Bedrohung bewertet wurde, seien fast alle Arten (99,3 Prozent) durch Überfischung bedroht. Die meisten (87,7 Prozent) würden als Beifang mit Schleppnetzen, Langleinen oder Kiemennetzen gefangen, wo es die Fischer eigentlich auf andere Meeresbewohner abgesehen haben. Aber auch gezielte Fischerei werde betrieben. Tiefen- und räumliche Begrenzungen der Fangtätigkeit könnten den Schutz verbessern, schreiben die Autoren, wenn sie zusammen mit Fangbestimmungen, Beifangreduzierung und internationalen Handelsbestimmungen umgesetzt würden.

(rr)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 12. Februar 0024 | 13:36 Uhr

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