Studie CO2-Label auf Speisekarten verführen zu "grünem" Essen

Burger mit Fleisch oder ohne? Couscoussalat mit Rind, Huhn oder Falafel? Informiert ein Restaurant über den CO2-Fußabdruck einer Speise oder einer Essens-Komponente, wählen viele Leute die "grüne" Variante, zeigt eine Studie aus Würzburg.

Ein Gemüseburger
Gemüseburger-Psychologie: Ist er Standard auf der Speisekarte, gilt er Gästen als Norm. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Würden Sie beim Auswärts-Essen klimafreundliche Speisen bestellen, wenn Sie wüssten, welches Gericht wieviel Treibhausgas-Emissionen verursacht? Würden Sie sich eher für oder gegen eine klimafreundliche Speise entscheiden? Genau das wollte ein Forschungsteam der Uni Würzburg wissen. Sie fanden heraus: Die Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer wählten häufiger den Gemüse-Burger, wenn der als Standardoption auf der Speisekarte präsentiert wurde, statt wie üblich die Fleisch-Variante. Farblich gestaltete CO2-Label der Gerichte führten dazu, dass Restaurantgäste häufiger Speisen mit niedrigeren CO2-Emissionen wollten.

Wie wurde das getestet?

Dazu wurden 265 Freiwillige in einer Online-Studie Speisekarten unterschiedlicher Restaurants präsentiert, u.a. italienische, indische und mexikanische Restaurants sowie ein Döner-Restaurant. Dort waren neun potentielle Menüs bestellbar, die entweder Angaben über die jeweiligen Treibhausgasemissionen aufzeigten, oder die mit emissionsarmen oder -starken Standartkomponenten verfügbar waren. Konkret also zum Beispiel: Couscous-Salat mit Rindfleisch (hohe Emissionen), Geflügel (mittlere Emissionen) oder Falafel (niedrige Emissionen).

Restaurants: mit wenig Aufwand viel Klimaschutz

Für die Forschung ist das Ergebnis nicht wirklich überraschend. Warum? Benedikt Seger vom Institut für Psychologie in Würzburg erklärt das so: "Wir gehen davon aus, dass CO2-Label und Standardvorgaben bestimmte soziale Normen vermitteln. Das Gebot, möglichst wenig Kohlendioxid auszustoßen, ist inzwischen in weiten Teilen der Bevölkerung etabliert."

Ein saftiges Steak
Unsichtbar: der CO2-Ausstoß, den die Produktion eines Steaks verursacht. Pro Jahr essen wir in Deutschland pro Kopf 55 kg Fleisch. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Lege nun ein Restaurant die CO2-Emissionen des Speiseangebots offen, erkennen die Gäste, dass diese Norm auch für die Essens-Auswahl in Restaurants gilt. Noch dazu, wenn das farblich zusätzlich betont wird: rot für viel CO2, grün für wenig Treibhausgas. Präsentiere ein Restaurant seinen Burger mit Gemüse-Patty anstelle Fleisch als Standardvariante, kommuniziert es damit: Hier bestellen Gäste in der Regel den Gemüseburger. Und das vermeintliche Wissen darüber, was andere in einer bestimmten Situation tun, ganz gleich ob das so gewünscht oder akzeptiert sei, könne das Verhalten erheblich beeinflussen. Was bedeutet das für die Leute, die die Restaurants betreiben? Dem Psychologen zufolge könne die Branche daraus schließen, dass sie tatsächlich ohne viel Aufwand Klimaschutz betreiben könnte, indem sie CO2-Label und andere Standardoptionen in ihre Speisekarte einbaut.

Was das Studienergebnis spannend macht

Spannend aus Sicht der Psychologinnen und Psychologen: Menschen sind offenbar willens und in der Lage, die Klimakrise in alltäglichen Entscheidungen zu berücksichtigen. Keine Selbstverständlichkeit, existenzbedrohende Themen wie die Klimakrise in einer angenehmen Situation mitzudenken, findet Psychologe Benedikt Seger, denn eigentlich wollen Menschen in Restaurants das Essen, die Atmosphäre und das Beisammensein mit anderen genießen.

Links/Studien

Hier lesen Sie die komplette Studie: "How can carbon labels and climate-friendly default options on restaurant menus contribute to the reduction of greenhouse gas emissions associated with dining? Betz A-K, Seger BT, Nieding G (2022)."

(lfw)

Ein saftiges Steak 14 min
Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Wissen

Vorschaubild für den Podcast Meine Challenge, Folge 2: Essen, damit die Welt nicht hungert. Reporterin Daniela Schmidt hält eine Gabel, auf der eine Heuschrecke steckt. 39 min
Bildrechte: MDR Wissen

7 Kommentare

MDR-Team vor 7 Tagen

@Shantuma
Nur weil dann klarer wäre, welche Gerichte im Restaurant "grün" sind, heißt dies noch nicht, dass man diese auch bestellen muss - ganz zu schweigen von ihrer Befürchtung eines "Social-Credit-Systems". Tatsächlich ist diese "weiterführende Idee" eher abwegig.
LG, das MDR-Wissen-Team

Shantuma vor 7 Tagen

Diese Idee ist lächerlich, da man nicht wegen "grünem" Essen ins Restaurant geht, sondern um eben mal was anderes zu essen.

Wird es denn in Zukunft darum gehen wie "grün" man doch sei, weil man jeden Tag sich doch ach so "grün" im Restaurant ernährt. Und schau dir mal den da drüber an, der ist ein Steak ... oh nein ... dass die Person dieses Steak nur deshalb ist, weil diese Person sonst nie Steak ist, interessiert nicht mehr.

Dies führt klar zu einem SC-System (Social Credit), welches nicht nur abartig und unmenschlich ist, sondern auch ganz klar kompletter Schwachsinn.
Denn die weiterführende Idee von "bewertetenden" Essen ist eben ein solches System.
Diese Kritik ist wichtig und darf nicht der Zensur-Keule unterliegen.

MDR-Team vor 1 Wochen

Aus diesem Grund die Forschung, wie dies am effektivsten und genausten angegeben werden kann. Viele Lebensmittel können allein schon aufgrund ihrer "Produktionsschritte" eingeordnet werden. Liebe Grüße