Erfindungen aus Sachsen Firma aus Grimma will Palmöl durch Maden ersetzen

Wir essen es, wir trinken es, wir tanken es. Es ist das meistverbrauchte Pflanzenöl der Welt, und das umstrittenste - Palmöl. Dafür werden Regenwälder abgeholzt - der Lebensraum der letzten Orang-Utans. Und es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Ein kleines Unternehmen aus Grimma forscht an einer Alternative, die allerdings nichts für schwache Nerven ist: Es dreht sich alles um Maden.

Es steckt in Nuss-Nougat-Creme, in Tütensuppen, in Säuglingsmilch, in Keksen, im Biosprit oder in unserer Kosmetik: Palmöl. Der Rohstoff ist alles andere als umweltfreundlich. "Wir haben einen enormen Hunger nach Palmöl. In jedem zweiten Supermarktprodukt steckt Palmöl. Und problematisch ist das deshalb, weil dafür riesige Plantagen in Indonesien, Südostasien gebraucht werden und dafür Regenwald gerodet wird", sagt Roland Gramling von der Naturschutzorganisation WWF. Und die Regenwälder auf Borneo und Sumatra sind die letzten Orte, an denen noch Orang-Utans leben.

Aus Sachsen kommt jetzt allerdings eine Idee, die dieses Problem lösen könnte. Das Unternehmen "Bio S" aus Grimma will Palmöl ersetzen – mit Maden. Biologe Dennis Hluschi leitet das Forschungsprojekt, bei dem vor allem schwarze Soldatenfliegen gezüchtet werden.

Larven der schwarzen Soldatenfliege bieten sich für eine solche Großzucht extrem gut an, weil sie sehr, sehr viele Nachkommen produzieren. Und die Larven von diesen Fliegen, die haben einen hohen Proteinanteil. Auch einen hohen Fettanteil. Und genau diese hochwertigen Bestandteile wollen wir nutzen.

Dennis Hluschi, Bio S

Vegetarisch ist der Palmöl-Ersatz allerdings nicht: Die Maden werden erst schockgefrostet, dann gehexelt.

Die Proteinfraktion wird dann von der Fettfraktion separiert. Und die Fettfraktion selber, die kann man beeinflussen, je nachdem, wie wir die Maden ernähren. Und entsprechend können wir dann durch unsere Maden auch hochwertige Fette, hochwertige Lipide produzieren, die dem Palmöl sehr ähnlich sind.

Dennis Hluschi, Bio S

Das Ganze passiert in Beiersdorf, einem Ortsteil von Grimma – an der Biogasanlage von Jens Liebscher. Eigentlich sollte die nur Strom erzeugen – aber die Wärme sei für die Maden perfekt, erklärt Liebscher: "Das ist ja eine praktikable Anwendung, weil die Fliegen 26 bis 28 Grad brauchen. Und dadurch haben wir halt den Container hier gebaut mit Fördermitteln. Und das war die ursprüngliche Idee, die Abwärme der Biogasanlage sinnvoll zu nutzen"

In einem ersten Schritt soll das Fett aus den Maden das Palmöl in Tierfutter ersetzen. Davon wurden letztes Jahr weltweit 60 Millionen Tonnen produziert. Biologe Dennis Hluschi ist zuversichtlich.

Also wir können in unserer relativ kleinen Zucht hier bereits eine Tonne Maden im Monat produzieren. Und wenn man das natürlich entsprechend hochskaliert, da kann man auch auf relativ kleinem Raum sicher auch in solchen Mengen produzieren, um das Palmöl zu ersetzen.

Dennis Hluschi, Bio S

2020 soll sein Madenöl auf den Markt kommen – für Hühner- und Fischfutter. Dazu fehlt aber noch ein EU-Gesetz. Auch Lebensmittel seien theoretisch machbar, sagt Jens Liebscher. "Rein technisch – rein ernährungsphysiologisch ist das kein Problem. Einzig die Frage der Akzeptanz." Denn Maden schrecken nun mal viele ab.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell im Radio | 18.02.2017 | 13:21 Uhr
im Fernsehen | 20.02.2017 | 22:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 15:19 Uhr