Tinder, OkCupid und Co. Dating-App-Paare wollen häufiger zusammenleben und Kinder bekommen

Dating Apps wie Tinder förderten nur kurzfristige Sexaffären statt langfristigen Beziehungen, fürchten Kritiker. Eine Studie aus der Schweiz deutet auf das Gegenteil und zeigt: Apps befördern sogar soziale Mobilität.

Ein Handy, auf dessen Bildschirm die Symbolde der Apps Okcupid, Tinder und Coffee meets Bagel zu sehen sind.
Dating Apps auf einem Smartphone Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Wer sich bei Tinder anmeldet, findet dort schnell jede Menge Fotos potenzieller Dating-Partner. Wen man unattraktiv findet, den wischt man nach links, wer hingegen schön, spannend oder sonst irgendwie anziehend wirkt, die/der wird nach rechts gewischt. Haben sich zwei Nutzer so gegenseitig als attraktiv markiert, ergibt sich ein Match. Beide dürfen nun miteinander Kontakt aufnehmen, sich schreiben und wenn sie Lust haben, für ein Treffen in der echten Welt verabreden.

So einfach das Prinzip, so groß die Befürchtungen, dass es zu einem Verfall der großen Liebesideale kommt. Dating-Apps förderten kurzfristige Sex-Verabredungen, statt tiefgehender Beziehungen, glauben die Kritiker. Wer sich nur auf Basis eines Fotos beurteile, der habe weniger Interesse an der Persönlichkeit des Menschen hinter dem Bild, so die Annahme. Tatsächlich scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein, wie eine neue Studie der Schweizer Soziologin Gina Potarca von der Universität Genf jetzt zeigt.

App-Paare: Höheres Interesse am gemeinsamen Wohnen, häufigere Kinderwünsche

Im Fachmagazin Plos One berichtet sie von den Ergebnissen einer Befragung mit insgesamt 3.245 Teilnehmern aus der Schweiz aus dem Jahr 2018. Alle Befragten hatten einen Partner, mit dem sie maximal seit 10 Jahren zusammen waren. 104 Teilnehmer hatten ihre Partner bei Dating Apps wie Tinder oder Ok Cupid kennengelern, 264 bei Dating-Webseiten wie Parship oder Elitepartner und 125 bei anderen Onlinenangeboten. Die übrigen waren die Vergleichsgruppe, die ihre Partner offline kennengelernt hatte.

Bei der Analyse zeigten sich keine Unterschiede, hinsichtlich der Zufriedenheit der Befragten mit ihren Beziehungen. Wer sich mit Hilfe von Apps kennengelernt hatte, war allerdings stärker daran interessiert, mit dem Partner zusammenzuziehen. Frauen, die Dating-Apps genutzt hatten, äußerten zudem häufiger einen Wunsch nach Kindern.

Apps auf Platz 2 beim Kennenlernen

Insgesamt hätten die Apps laut Potarca erheblich an Bedeutung für das Zustandekommen von Beziehungen gewonnen. Sie nehmen inzwischen Platz 2 ein (24,5 Prozent der Befragten) hinter dem klassischen Kennenlernen über Freunde (33 Prozent). Damit ließen sie das Kennenlernen auf der Arbeit oder in der Schule hinter sich (17 Prozent).

Aus Sicht der Forscherin Potarca haben die Apps viele Vorteile. "Sie bieten eine nie dagewesene Vielfalt an Möglichkeiten für Treffen. Die Hürden sind gering und kein Dritter greift in die Partnerwahl ein." Gegenüber den eng verwandten, aber schon länger existierenden klassischen Online-Partnerbörsen böten Apps weitere Pluspunkte bei der Nutzung. Viele Portale verlangten von Interessenten lange Fragebögen auszufüllen, Apps seien dagegen viel einfacher zu benutzen. Das habe sie für jüngere Zielgruppen attraktiver gemacht.

Höher gebildete Frauen finden weniger gebildete Männer

Die Apps sorgen zudem offenbar für eine größere Mobilität von Partnern auch zwischen verschiedenen Bildungsmilieus. So gebe es häufiger Paare, bei denen die Frau einen höheren Abschluss habe, als der Mann. Zudem würden größere räumliche Distanzen überbrückt. Apps führten demnach häufiger zu Fernbeziehungen.

Den Wunsch nach dem Zusammenleben wertete Potarca als Gradmesser für die Tiefe einer Liebesbeziehung. Zwar habe die Ehe nach wie vor eine zentrale Bedeutung in der Schweiz, zugleich würden aber rund 40 Prozent aller Ehen geschieden.

Quelle

Potarca: The Demography of Swiping Right. An Overview of Couples Who Met through Dating Apps in Switzerland, Plos One

(ens)

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