Studie: Ersatz von Palmöl kann Umweltprobleme sogar verschärfen Ohne Palmöl geht es auch nicht

Wir tanken es, wir essen es, wir schminken uns damit – und wir haben ein schlechtes Gewissen dabei. Denn Palmölanbau macht die Umwelt kaputt und zerstört den Lebensraum der Orang Utans. Sagen die Umweltschützer. Bisher. Denn Palmöl ersetzen ist auch keine Lösung – sagen die gleichen Umweltschützer. Ein Dilemma, das lösbar ist. Durch Politik, Unternehmen und uns.

Utan Weibchen mit ihrem Jungen im indonesischen Dschungel
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Kann man Palmöl durch andere Öle ersetzen? Angesichts der Umweltzerstörung durch Monokulturen beim Palmölanbau eine berechtigte Frage. Die Beratungsfirma Agripol – Spezialisten für Umwelt- und Landwirtschaftsthemen -  suchte im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) eine Antwort. Und die lautet: Nein, so einfach geht das nicht. Mit den Worten von WWF-Studienleiterin Ilka Petersen, die die Studie heute in Berlin vorstellte: “Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern.“

Die Fakten

Rund 60 Millionen Tonnen Palmöl werden jedes Jahr weltweit hergestellt. Das meiste stammt aus Indonesien und Malaysia. 1,8 Millionen Tonnen davon landen in Deutschland, so der WWF. 41 Prozent gehen in Biodiesel, 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel, 17 Prozent werden in Reinigungsmittel, Kosmetika und Pharmaprodukte verarbeitet.

Palmölplantage
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Das Problem

Würde Deutschland das komplett austauschen, dann wären laut der WWF Studie für die Gewinnung der “Ersatz-Pflanzenöle“ rund 1,4 Millionen Hektar mehr Anbaufläche notwendig.  Denn Kokos, Raps oder Sonnenblume bringen im Durchschnitt nur 0,7 Tonnen je Hektar - Palmöl dagegen 3,3 Tonnen. Dafür müsste im tropischen Gürtel weiterer Regenwald gerodet werden. Dadurch würden wiederum große Mengen an Kohlendioxid  zusätzlich freigesetzt und so der Treibhauseffekt verstärkt, heißt es in der Untersuchung. Die Abholzung sei schon jetzt beim Palmöl das Hauptproblem. Die Monokulturen verringern auch die biologische Vielfalt.

Die Lösung

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“Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten“, so Studienleiterin Petersen. Ihre Forderung: Importe müssen daher strengen Umweltauflagen unterliegen. Auf Palmöl in Biokraftstoffen soll ganz verzichtet werden. Auch die Unternehmen müssten ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen und strengere Kriterien einfordern z.B. den Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden. Und wir Verbraucher müssen unsere Gewohnheiten überdenken. Denn Palmöl steckt in Schokolade, Knabberwaren, Fertiggerichten. Und sogar im Fleisch. Denn 8 Prozent des Palmöls fließen laut WWF in Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel.

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2016, 13:24 Uhr