Junge Frau entdeckt einen Schwitzfleck
Schweißflecken sind dem Großteil der Deutschen gar nicht mal so peinlich. Bildrechte: IMAGO

Körpergeruch und Kondome Dafür schämen wir uns am meisten

Schamgefühle verändern sich und sind auch ein Spiegel unserer Zeit – teilweise mit deutlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Beim Thema Körpergeruch sind sich aber alle einig.

von Florian Zinner

Junge Frau entdeckt einen Schwitzfleck
Schweißflecken sind dem Großteil der Deutschen gar nicht mal so peinlich. Bildrechte: IMAGO

Das Schamgefühl ist wie so vieles dem eisernen Trend der Mode unterworfen: Noch vor zehn Jahren war Achselbehaarung in der Gesellschaft ein fragliches Unterfangen und löste in Schwimmbädern nicht nur bei Frauen (Fremd-)Schamgefühle aus, Öko-Stempel inklusive. Das sieht heute schon anders aus – ein Schamgefühl, das möglicherweise schon bald keins mehr ist. Überhaupt sind Haare ein guter Indikator: Männer mit langen Haaren auf dem Kopf und im Gesicht waren Mitte des letzten Jahrhunderts ein übler Grund zum Schämen. Ein Gefühl, das im Jahr 2019 kaum nachvollziehbar ist.

Mit Körpergeruch schämt es sich am besten

Doch es geht auch andersrum: Im Barock etwa war es keineswegs schamlos, dem König beim Toilettengang zuzuschauen. Es wurde am Morgen beim "lever" sogar öffentlich zelebriert. Wasser dagegen war übel und wurde gemieden - wohl aus falscher Angst vor Krankheiten. In unserer jetzigen Zeit scheint aber Körpergeruch der größte Auslöser für eine ordentliche Portion Schamgefühl zu sein. Das kam zumindest bei einer Umfrage der Apothekenumschau aus dem Jahr 2014 heraus, die dazu fast 2.000 Menschen aller Altersklassen befragte.

Bei Männern aber fast genauso hoch im Kurs steht die Peinlichkeit, ein Versprechen oder eine Zusage nicht einhalten zu können und auch bei Frauen ist das die zweithäufigste Ursache für Schamgefühle. Schweißflecken und unpassende Kleidung hingegen landen bei beiden Geschlechtern auf den hinteren Plätzen. Große Unterschiede gibt es in der Situation kritisiert zu werden, wofür sich Frauen deutlich eher schämen als Männer, sowie Missgeschicke von anderen – auch die sind Frauen viel häufiger peinlich.

Frauen schämen sich häufiger fremd

Möglicherweise ein Zeichen dafür, dass Frauen einfühlsamer als Männer sein könnten. Denn genau damit hängt das Fremdschämen zusammen, erklärt der Psychologe Sören Krach der Zeitung Die Welt: "Wer sich selbst als empathisch einschätzte, bei dem zeigte sich auch eine stärkere Aktivierung der Netzwerke im Gehirn, die mit Fremdschämen zusammenhängen." Sören Krach und sein Team haben in einer Studie 1.400 Probanden zum Thema Fremdscham untersucht. Heraus kam zum Beispiel, dass es egal ist, ob jemandem absichtlich oder unabsichtlich ein Missgeschick passiert. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass beim Empfinden von Fremdscham die gleichen Gehirnbereiche aktiv sind wie bei körperlichen Schmerzen.

Kondome sind immer noch peinlich

Manchmal sind aber auch Dinge peinlich, die heute zumindest kein Fremdschämen mehr auslösen sollten. Was im 1989er-Spot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit "Tina, wat kosten die Kondome?" publikumswirksam parodiert wurde, ist für viele immer noch ein guter Grund zum Schämen. In einer Umfrage des Verbandes Privater Krankenversicherungen ist es jedem fünften Deutschen – bei den Jüngeren sogar jedem Zweiten — peinlich, Kondome zu kaufen.

FKK-Baden für MDR WISSEN-Nutzer okay

Dafür schämt ihr Euch: Vorsingen 65%, öffentlich Pupsen 53%, FKK 44%
Bildrechte: MDR/Florian Zinner

Nutzer der MDR WISSEN-Facebookseite bestätigen im Übrigen in drei nicht-repräsentativen Umfragen klassische Peinlichkeiten: Den meisten Nutzern ist Vorsingen – z.B. im Musikunterricht – durchaus peinlich, genauso wie das Pupsen in der Öffentlichkeit. Nur dass FKK nichts zum Schämen ist, bestätigt eine kleine Mehrheit. Vielleicht ist es aber auch einfach wieder in Mode.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18. März 2019 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 10:05 Uhr