Kardiologen skeptisch Pentagon will Menschen am Herzschlag erkennen

Das US-Verteidigungsministerium Pentagon will Menschen anhand ihres Herzschlags erkennen. Ein Laserscanner soll diesen aus der Distanz messen. Die Idee: Der Herzrhytmus ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Doch Kardiologen sind skeptisch.

von Karolin Dörner

Silhouette eines Herzschlags 3 min
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Ein gesundes Herz schlägt zwischen 60 und 80 Mal pro Minute. Der Herzschlag soll so einzigartig sein, dass man vom kardiologischen Fingerabdruck spricht. Der soll nun auch für die Identifizierung von Menschen genutzt werden: Die britische Bank Halifax zum Beispiel prüft, ob man den Herzschlag als Pin-Ersatz verwenden kann. Jetzt wurde zudem bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium Pentagon Terrorverdächtige über ihre Herzfrequenz erkennen will.

Leipziger Rhythmologe skeptisch

Prof. Andreas Bollmann, Leitender Oberarzt der Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig, ist dennoch skeptisch: "Der Herzrhythmus ist meiner Meinung nach nicht einzigartig." Zwar setze er sich aus vielen Faktoren zusammen, das Ganze unterliege aber ständigen Schwankungen.

Symbolgrafik: Herzfrequenz
Der Herzrhythmus eines Menschen unterliegt ständigen Schwankungen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Laut Bollmann hat also ein Mensch nicht einen einzigen Herzrhythmus: "Die Herzfrequenz unterscheidet sich." Da sei der Rhythmus als solcher in der Herzfrequenzvariabilität. Und dann gebe es noch verschiedene Herzrhythmusstörungen, die alle eine Rolle spielen würden. "Und die variieren mit dem Lebensalter, bei unterschiedlichen Erkrankungen, je nach körperlicher oder geistiger Aktivität, bei Aufregung, je nach Anzahl von Genussmitteln, sodass starke Schwankungsbreiten auch in einzelnen Individuen zu verzeichnen sind."

Herzrhytmus schwankt ständig

Der Herzrhythmus schwankt also ständig, täglich und im Laufe eines Lebens sowieso. Er alleine reicht nach Ansicht des Leipziger Kardiologen also nicht aus, um einen Menschen eindeutig zu erkennen: "Wenn diese Technologie lediglich auf dem Herzrhythmus basiert, dann wage ich das auch zu bezweifeln. Falls da noch andere Signale verwertet werden, um zum Beispiel die Struktur des Herzens oder die Anatomie des Herzens zu analysieren, hat man vielleicht eine höhere Trefferquote."

Infrarotlaser misst Bewegungsmuster

Luftbild des Pentagon
Das US-Pentagon will Menschen per Laserscanner an ihrer Herzfrequenz erkennen können. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Was das Pentagon genau misst, verrät es nicht in Gänze. Nach einem Bericht von tagesschau.de hat das US-Verteidigungsministerium einen speziellen Laserscanner entwickeln lassen. Der Infrarotlaser "Jetson" misst demnach durch die Kleidung von Personen ein Bewegungsmuster auf der Körperoberfläche. Dieses Muster entsteht, wenn das Herz schlägt. Und dieses Muster wiederum soll so unverwechselbar und einzigartig sein, dass man daran Menschen identifizieren kann. Ob dabei auch andere Rückschlüsse gezogen werden, zum Beispiel wie groß das Herz ist, das ist nicht bekannt.

95 Prozent Treffer aus 200 Metern Entfernung

Rund 95 Prozent der Personen will das Pentagon mit seinem Laserscanner eindeutig identifiziert haben - und das aus 200 Meter Entfernung. Geklappt hat das bisher aber nur, wenn die Personen sich nicht bewegten und nicht zu dicke Klamotten trugen. Und es gibt noch ein viel größeres Problem: Um Menschen künftig anhand ihrer Herzfrequenzen identifizieren zu können, müsste das Pentagon erstmal eine Datenbank für Herzrhythmus-Muster erstellen, ähnlich wie die für Fingerabdrücke.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. August 2019 | 09:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 15:29 Uhr