Künstliche Intelligenz Pflege-Roboter: Selbstgespräche fürs bessere Verständnis

Der knuffige Assistenzroboter soll künftig Pflegepersonal entlasten, konnte bisher aber nur eingegebene Befehle umsetzen. Nun haben italienische Forscher seine Interaktionsmöglichkeiten verbessert - mit lautem Denken.

Humanoider Roboter Pepper
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2018 wurde er erstmals vorgestellt, seitdem hat sich Pepper zu einem kleinen Star in der Roboter-Szene entwickelt. Auch am Uniklinikum Halle wird daran geforscht, wie der 1,20 Meter große Helfer in Zukunft in der Pflege eingesetzt werden kann. Ein Knackpunkt bisher: Pepper kann nur mit eingegebenen Befehlen arbeiten und noch nicht gut mit seiner Umwelt interagieren.

Kollegen von der Universität Palermo in Italien haben nun eine Möglichkeit gefunden, wie die Maschine besser mit Menschen kommunizieren kann - nämlich über "laute" Selbstgespräche. Dazu werden die inneren Abwägungsprozesse bei Problemen über ein Display angezeigt. So können auch Laien verstehen, warum Pepper eine bestimmte Entscheidung getroffen hat. Ihre Ergebnisse haben die Autoren Arianna Pipitone und Antonio Chella im Fachmagazin "iScience" vorgestellt.

Durch den inneren Monolog kann Pepper besser Probleme bearbeiten. Dieser wird auch den Menschen angezeigt, die damit die Vorgehensweise des Roboters besser verstehen. 2 min
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Mehr Vertrauen in Roboter durch mehr Offenheit?

In einem Experiment der italienischen Wissenschaftler ging es darum, einen Abendbrottisch zu decken. Pepper wurde von einem Nutzer gebeten, eine Serviette auf eine bestimmte Stelle zu legen - womit er allerdings gegen die Tischregeln verstoßen hätte. Daraufhin begann der Roboter, sich selbst mehrere Fragen zu stellen und kam zum Ergebnis, dass der Nutzer offenbar verwirrt ist.

Pepper fragte dann den Nutzer, ob er sich sicher sei, wobei die Antwort zu einem weiteren Selbstgespräch führte. "Diese Situation verwirrt mich. Ich würde niemals Regeln brechen, aber ich möchte ihn nicht verärgern, also mache ich, was er möchte", sagte Pepper und legte die Serviette auf die falsche Stelle. Damit wurde auch für den Nutzer das Dilemma deutlich, für das Pepper eine Lösung suchte.

Wenn man in der Lage ist, einen Roboter zu verstehen, könnte er auch vertrauenswürdiger auf einen wirken.

Antonio Chella, Co-Autor der Studie

Pepper übertrifft Richtlinien für Roboter

Pipitone und Chella fanden zudem heraus, dass Pepper Aufgaben besser erledigen kann, wenn er dazu in den inneren Monolog geht. So übertraf er auch die internationalen Richtlinien für Hilfsroboter, die für jede künstliche Intelligenz gelten sollen, von mechanischen Armen an Fließbändern bis zu menschlich wirkenden Robotern. "Viele Menschen, die Kontakt zu ihm hatten, waren überrascht von Peppers Fähigkeiten", erklärt Arianna Pipitone. "Unser Ansatz sorgt dafür, dass der Roboter sich von anderen Maschinen unterscheidet, da er nachdenken und abwägen kann."

Ein Nachteil der Selbstgespräche liegt darin, dass Pepper dadurch mehr Zeit benötigt, um Probleme zu lösen. Außerdem sind die inneren Monologe derzeit noch auf die Ressourcen beschränkt, die die Programmierer Pepper geben. In Zukunft könnte er aber auch selbst lernen und damit seine Möglichkeiten stark erweitern. "Selbstgespräche können für all jene Fälle nützlich sein, in denen wir darauf vertrauen, dass ein Roboter eine Situation gut bewerten kann", betont Antonio Chella.

cdi

Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke mit ihrem Forschungsobjekt, Pflegeroboter Pepper. Sie nennen ihn Thea.
Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke aus Halle mit ihrem Forschungsobjekt, einem Roboter vom Typ Pepper. Sie nennen ihn Thea. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Roboter 'Pepper' 4 min
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Was könen Roboter in der Pflege leisten? Ein Blick in den Stand Anfang 2020.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 31.01.2020 07:03Uhr 03:45 min

https://www.mdr.de/wissen/pflegeroboter100.html

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