Weißes digitales Modell einer antiken Tempelanalge
In der Ausstellung "Pergamon wiederbelebt" werden Tempelanlagen und Prachtbauten Pergamons in 3D gezeigt. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Antikenmuseum Leipzig In 3D durch das antike Pergamon

Mit "Pergamon wiederbelebt" eröffnet am 21. April das Antikenmuseum der Universität Leipzig eine Ausstellung, die erstmals den griechischen Stadtstaat in 3D zeigt. Ein besonderes Projekt für das Museum, das deutlich macht: Pergamon ist mehr als nur der weltberühmte Altar.

Weißes digitales Modell einer antiken Tempelanalge
In der Ausstellung "Pergamon wiederbelebt" werden Tempelanlagen und Prachtbauten Pergamons in 3D gezeigt. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

In der ersten Etage des Leipziger Antikenmuseum befindet sich das Eingangstor zu Pergamon. Wer dem Zeitstrahl auf dem Holzfußboden folgt, der findet es – zumindest auf einer Kinoleinwand. Zwischen leeren Blicken weißer Gipsbüsten und glänzender Vitrinen läuft hier im schummrigen Licht eine siebenminütige 3D-Animation. Sie zeigt, dass Pergamon mehr als nur der weltbekannte Altar ist.

Porträt eines Mannes mit weißen Haaren wie Bart und einer dunklen Brille
Dr. Hans-Peter Müller ist einer der Kuratoren der neuen Ausstellung des Antikenmuseums. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

"Unser Ziel war es, auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, zu zeigen: Wie stellen sich Bauforscher und Archäologen die Stadt als Gesamtorganismus vor?", sagt Dr. Hans-Peter Müller. Er ist einer der Kuratoren der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Archäologiestudenten der Universität Leipzig umgesetzt wurde. Mithilfe der 3D-Animation nehmen sie den Besucher erstmals mit in die Innenstadt Pergamons um 200 nach Christus.

Google-Streetview in Weiß

Auf einer Leinwand wird ein antikes Bauwerk grafisch dargestellt. Davor stehen weiße Statuen.
Zwischen Gibsabgüssen antiker Skulpturen zeigt sich Pergamon von einer neuen Seite. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Die Kamerafahrt der 3D-Animation wirkt ein wenig wie ein digitaler Spaziergang mit Google Streetview – nur eben durch ein ganz in weiß gehaltenes Modell. Ohne Menschen, ohne Bäume. Doch woher wussten die Wissenschaftler, wie breit Straßen und wie hoch Wohnhäuser sein müssen, wenn heute nur noch große Tempelanlagen wie der Pergamonaltar erhalten sind?

"Es stecken viele Hypothesen drin. Keines dieser Gebäude, das man dort sieht, steht noch aufrecht. Kann also fotografisch abgenommen werden. Es sind alles Rekonstruktionen und man muss immer entschieden: Wie gut sind die Grundlagen für die Rekonstruktion?", erklärt Prof. Felix Pirson, Direktor der Abteilung Istanbul beim Deutschen Archäologischen Institut.

Vom Puzzleteil zum 3D-Stadtplan

Ein altes Tagebuch mit Bauskizzen liegt in einer Glasvitrine
Auch alte Ausgrabungstagebücher werden ausgestellt. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Bereits vor zehn Jahren hat er mit Pompeji einer anderen antiken Stadt mithilfe eines wissenschaftlich fundierten 3D-Modells neues Leben eingehaucht. Für ihn und das Team war "Pergamon in 3D“ trotz allem keine leichte Aufgabe. Denn wie bei jeder Rekonstruktion mussten sie auf das zurückgreifen, was bekannt ist. So halfen ihnen bei der Darstellung vor allem alte Ausgrabungstagebücher, Fragmente oder antike Überlieferungen – aber auch neueste Forschungsergebnisse. Denn noch heute wird in Pergamon gegraben, seit 2006 unter der Leitung Pirsons:

Porträt eines mittelalten Mannes mit kurz rasierten dunklen Haaren und Brille
Felix Pirson leitet seit 2006 die Ausgrabungen in Pergamon. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Wir sind uns jetzt zum Beispiel sicher, dass die Stadt bereits im zweiten Jahrtausend vor Christus existierte und eine Befestigungsanlage hatte. Wir können zeigen, dass der sogenannte Gründer der Dynastie der Attaliden, der berühmte Philetairos, anfangs wohl kleiner angefangen hat als man bisher dachte – eben nicht als großer hellenistischer Herrscher, sondern eher als ein lokaler Dynast.

Felix Pirson

Hinzu kommen zahlreiche neu entdeckte Details an Tempeln und Palästen. Winzige Puzzleteile, die für eine Rekonstruktion von antiken Städten wie Pergamon wichtig sind – und in der Leipziger Ausstellung ausführlich erklärt werden.

Archäologie dem Besucher näher bringen

Weiblicher Oberkörper einer antiken weißen Büste aus Pergamon
Einer von 30 geliehenen Gipsabgüssen antiker Skulpturen aus Pergamon. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

In "Pergamon in 3D" geht es nämlich nicht allein darum, den antiken Stadtstaat erlebbar zu machen. Es soll vor allem auch die Arbeit, die hinter einer solchen Rekonstruktion steckt, dem Besucher nähergebracht werden. Und diese Arbeit besteht aus vielen Puzzleteilen, die nach und nach in die 3D-Darstellung eingeflossen sind. Für diese war dem Ausstellungsteam besonders wichtig, "dass wir ein wissenschaftlich aktuelles, aber auch ästhetisch attraktives Gesamtbild liefern. Was anders als Rekonstruktionen mit so einer Videospielästhetik, schon sehr genau trennt zwischen: Was wissen wir wirklich durch Ausgrabungen und was können wir nur anhand von Oberflächenbefunden rekonstruieren", sagt Pirson.

Und so steht im 3D-Stadtplan auch einfach mal nur ein weißer Quader, wenn die Archäologie über dieses Gebäude derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse hat. "Pergamon wiederbelebt" ist eben nur eine Momentaufnahme – vom antiken Stadtstaat um 200 nach Christus und vom aktuellen Forschungsstand. Eine Vielzahl der vor allem städtebaulichen Erkenntnisse wird mit der Leipziger Aussellung erstmals publiziert.

Informationen zur Ausstellung: "Pergamon wiederbelebt" ist vom 21. April bis zum 15. Juli 2018 im Antikenmuseum der Universität Leipzig zu sehen. Neben Mitarbeitern und Studierenden des Instituts für Klassische Archäolgischen haben sich auch das Deutsche Archäologische Institut, der Lehrstuhl Darstellungslehre der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und viele weitere an der Umsetzung beteiligt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | 21. April 2018 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2018, 07:00 Uhr