Bauch eines Mannes mit Übergwicht
Übergewicht wird oft unterschätzt: Forscher betrachten Adipositas heute aber als chronische Erkrankung. Bildrechte: IMAGO

Übergewicht Ein Pflaster gegen die Pölsterchen?

Das neue Jahr beginnt für viele Menschen mit guten Vorsätzen. Der Klassiker: Ein paar Kilo abnehmen. Doch ein anderer Lebenswandel mit Diäten und mehr Sport, das schaffen die wenigsten. Forscher arbeiten deshalb weltweit an neuen Abnehm-Methoden. Eine Idee aus Singapur: ein Anti-Fett-Pflaster.

Bauch eines Mannes mit Übergwicht
Übergewicht wird oft unterschätzt: Forscher betrachten Adipositas heute aber als chronische Erkrankung. Bildrechte: IMAGO

Es ist vermutlich der häufigste gute Vorsatz für das neue Jahr: Abnehmen, ein paar Kilos verlieren. Pünktlich zum Jahreswechsel melden sich deshalb unzählige Menschen im Fitnessstudio an oder beginnen eine Diät. Doch die wenigsten erreichen die gesteckten Ziele auch wirklich. Kein Wunder, schließlich ist der Kampf gegen Übergewicht schwierig. Adipositas ist ein weltweites Problem, sagt Pharmakologie-Professor Alexander Pfeifer von der Universität Bonn.

Prof. Alexander Pfeifer
Bildrechte: Gerald Perschke

Diät alleine und körperliche Aktivität reichen eben nicht aus, um dieses weltweite Problem Übergewicht und Adipositas zu bekämpfen. Das Problem betrifft nicht nur Deutschland und reiche Länder in Europa und Amerika, sondern auch ärmere oder sich entwickelnde Länder.

Pharmakologie-Professor Alexander Pfeifer

Tatsächlich sterben der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge heute mehr Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit als an Mangelernährung. Die Gefahren von Übergewicht werden häufig unterschätzt, dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung. "Die Konsequenzen sind Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes, aber auch manche Krebsformen", sagt Pfeifer. Eine weltweit grassierende Krankheit also, für die es bislang allerdings keine wirksamen Medikamente gibt. "Dass es derzeit noch kein pharmakologisches Mittel gibt, ist eine wirklich unbefriedigende Situation. Wir brauchen das dringend", sagt Pfeifer. "Aber das Feld ist in Bewegung, da wird sich was tun."

Fett ist nicht gleich Fett

Fettzellen
Fett ist nicht gleich Fett: Braune Fettzellen verbrennen Energie, während weiße Zellen sie speichern. Bildrechte: IMAGO

Ein Ansatz der Forschung ist es, schlechte Fettzellen in gute verwandeln. Denn Fett ist nicht gleich Fett. Gefährlich sind nämlich die weißen Fettzellen, die wir etwa in den Speckrollen am Bauch ablagern. Wir haben aber auch braune Fettzellen – am Hals beispielsweise. Und die können uns schlank machen: Sie setzen ihre Energie nämlich in Form von Wärme frei, schmelzen also quasi einfach weg, während sie uns wärmen.
Forscher aus Singapur haben auf Basis dieses Wissens jetzt ein Pflaster entwickelt, das zumindest bei Mäusen schon geholfen hat. Sie wurden trotz fettreicher Nahrung nicht dicker, sondern verloren sogar Gewicht. Ein Wirkstoff verwandelte das so genannte weiße Fett, das Energie speichert, in braunes Fett, eine Art Heizgewebe, das Energie verbrennt. Auch eine Pille, die die Fettzellen umwandelt, sei denkbar.

Anti-Fett-Pflaster noch Zukunftsmusik

Der Bonner Pharmakologe Pfeifer arbeitet in seinem Kampf gegen Übergewicht ebenfalls mit Fettzellen: Auch sein Team hat es geschafft aus weißen Fettzellen braune zu machen, auch er arbeitete mit Mäusen. Wie das geht, erklärt er im MDR Wissen Interview:

Win Mann spricht in eine Mikrofon. Daneben sieht man eine brennende Fettzelle.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Uns hat interessiert, welche Reize weiße Zellen zu braunen machen. Mutter Natur hat das schon so angelegt: Kälte ist einer der Reize. Wenn wir verstehen, welche Signalmoleküle Kälte normalerweise aktiviert, können wir die verwenden, um die weißen Fettzellen zu überreden, braun zu werden, also Energie lieber abzugeben, statt sie zu speichern.

Alexander Pfeifer

Diesen Schalter haben die Forscher tatsächlich gefunden. Und was bei der Maus funktioniert, könnte auch beim Menschen klappen. Wird es also bald wirklich ein Medikament geben, das uns schlank macht? Pfeifer winkt ab. "Bis so ein Medikament tatsächlich auf den Markt kommt, ist es noch ein langer Weg." Außerdem:

Das ist nicht der Hauptaspekt. Wichtig ist, dass übergewichtige Patienten dann gesünder sind, zum Beispiel den Diabetes Mellitus in den Griff kriegen und nicht mehr so ein hohes Risiko haben, an Schlaganfall und verschiedenen Krebsformen zu erkranken und zu versterben.

Alexander Pfeifer

Wenn es aber einmal soweit sein sollte, dass ein Pflaster oder eine Pille die Fettverbrennung beim Menschen wirklich verbessern, wird auch der lästige Jojo-Effekt endlich der Vergangenheit angehören.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 05. Januar 2018 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2018, 05:00 Uhr