Roboter 'Pepper'
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Assistenz in Altenheimen Hilfe in der Pflege: Roboter "Pepper" stellt sich vor

"Hallo, mein Name ist Pepper!", sagt eine niedlich klingende Stimme. Und der kleine Roboter, dem diese Stimme gehört, ist genauso knuffig. Mit großen Augen, einem leichten Lächeln und piepsiger Stimme bedient er das Kindchen-Schema und soll ihn so dem Menschen sympathisch machen. Heute wird er in Berlin anlässlich des Wissenschaftsjahres 2018 vorgestellt. Die Frage: Kann Pepper Pflegepersonal entlasten? Was jetzt schon feststeht: Menschliche Pfleger soll und kann Pepper nicht ersetzen.

von Claudia Pupo Almaguer

Roboter 'Pepper'
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Nur 1,20 Meter ist der Roboter groß und 29 kg schwer, kann uns aber vielleicht bei unseren Pflegeproblemen der Zukunft helfen: Pepper. Weiß, sanft und abgerundet wirkt er - mit zwei Armen, zwei Händen und fünf Fingern. Beine hat Pepper nicht, dafür aber drei sogenannte omnidirektionale Räder. Das heißt, er kann in jede Richtung fahren, ohne sich zu drehen. Auf der Brust hat Pepper ein klassisches Tablet, mit dem man Bilder ansehen, Videos abspielen oder Webseiten aufrufen kann. Sein Zweck: Interaktion mit Menschen.

Roboter "Pepper" wird im Uni-Klinikum Halle getestet, ob er für die Pflege eingesetzt werden kann.
Pepper wird im Uni-Klinikum Halle getestet, ob er für die Pflege eingesetzt werden kann. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Und das betrifft einen Knackpunkt bzw. eine der großen Fragen, die uns derzeit beschäftigen: Wie können wir trotz demografischem Wandel unser Versorgungs- und Gesundheitssystem aufrechterhalten? Ein Teil der Lösung könnten Roboter sein, die Pflegekräfte unterstützen. Dazu wird unter anderem an Universitäts-Klinikum in Halle geforscht. Ein eigenes Projekt namens FORMAT verbindet Experten in Pflegewissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Mediziner bei der Frage, wie und wo Pepper eingesetzt werden kann. Dabei steht für die Forscher schon mal fest: Einen Menschen kann und soll Pepper nicht ersetzen. Auch, weil es noch motorische Einschränkungen gibt, sagt Dr. Karsten Schwarz, Mitarbeiter im FORMAT-Projekt:

Wir dachten erst, Pepper kann schon greifen und Hol- und Bringedienste erledigen oder putzen und den Staubsauger führen. Das kann er alles nicht. Die Hände sind wirklich nur zur Stabilisierung beim Fahren und zum Gestikulieren da.

Dr. Karsten Schwarz

Aber Gestik ist ein essentieller Bestandteil: Pepper soll ja mit Menschen interagieren. Deswegen kann er einfache Sätze verstehen, Sprache wiedergeben, erkennt Gesichter und merkt sie sich sogar. Einmal auf einen "Gesprächspartner" fixiert, folgt Peppers Blick dem Menschen. Alles, um die Interaktion zu erleichtern und damit man sich angesprochen fühlt.

Pepper kommt herum

Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke mit ihrem Forschungsobjekt, Pflegeroboter Pepper. Sie nennen ihn Thea.
Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke aus Halle mit ihrem Forschungsobjekt, einem Roboter vom Typ Pepper. Sie nennen ihn Thea. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke mit ihrem Forschungsobjekt, Pflegeroboter Pepper. Sie nennen ihn Thea.
Dr. Karsten Schwarz (li.) und Denny Paulicke aus Halle mit ihrem Forschungsobjekt, einem Roboter vom Typ Pepper. Sie nennen ihn Thea. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Roboter Pepper und ein Mensch reichen sich die Hand.
Einen Menschen kann und soll der Roboter in der Pflege nicht ersetzen. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Roboter Emma steht in Kiel (Schleswig-Holstein) in einer Demenz-Wohngruppe der Diakonie Altholstein.
Dieser Pepper-Roboter namens Emma hilft in Kiel in einer Demenz-Wohngruppe. Bildrechte: dpa
Ein Mann steht vor einem Roboter und reicht ihm die Hand.
Ein Pepper-Roboter trifft Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Berlin. Bildrechte: IMAGO
 Ein Mädchen spricht bei der Hannover Messe am Stand der Technologiegruppe Harting mit dem Roboter ''Pepper''.
Auch bei der Hannover Messe am Stand der Technologiegruppe Harting war schon ein Pepper-Roboter dabei. Bildrechte: dpa
MP Ramelow wird von einem Roboter begrüsst
Auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse wird Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von einem Pepper-Roboter begrüßt. Bildrechte: MDR / Barbara Brähler
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Nicht den Menschen ersetzen

Roboter Pepper wird im Uni-Klinikum Halle getestet, ob er für die Pflege eingesetzt werden kann
Ein richtiges Interview kann Pepper noch nicht führen. Alle Antworten müssen vorher eingegeben werden. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Wenn Pepper nicht selbst pflegen kann und soll, wie kann er denn dann genau helfen? Die Forscher sagen, er könnte Pflegekräfte unterstützen, quasi als zusätzliches technisches Hilfsmittel fungieren. Angedacht ist, dass Pepper zum Beispiel bei einem MRT-Termin im Krankenhaus oder der Praxis bereitsteht, den Patienten vorbereitet und erklärt, was bei der Untersuchung genau passiert. Ein anderes Beispiel könnte eine Reha-Klinik sein, in der Pepper dem Patienten Übungen zeigt - also zum Beispiel ans Bett fährt und die Arme hebt und den Patienten zum Mit- und Nachmachen animiert.

Das Problem: Noch kann Pepper keinen eigenständigen Dialog führen, noch muss ihm alles, was er sagt, vorher eingegeben werden. Wegen dieser Beschränktheit werden Pepper-Modelle derzeit in der "Werbung" eingesetzt - unter anderem als eine Art Touristenführer im berühmten Smithsonian Institut in Washington D.C. , um Besucher auf das Museum für Afrikanische Kunst aufmerksam zu machen. In Japan locken mehrere Pepper-Roboter Kunden in Geschäfte, indem sie sie auf der Straße ansprechen.

In Deutschland wurde Pepper nun anlässlich des "Wissenschaftsjahrs 2018" in Berlin vorgestellt. Dessen Motto lautet "Arbeitswelten der Zukunft" und so werden Chancen und Risiken der Robotik in der Altenpflege diskutiert. Dabei ist Pepper nicht der einzige Roboter, der in Mitteldeutschland unterwegs ist und der mit Menschen interagieren soll. Wissenschaftler an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden haben "August den Smarten" entwickelt, einen Roboter, der speziell in der Pflege von Menschen mit Demenz helfen soll. Zum Beispiel kann August als Sitzwache nach einer Operation am Bett des Patienten bleiben und ihn beruhigen.

Noch ist die Interaktion mit Robotern wie August oder Pepper begrenzt. Noch kann man kein richtiges Gespräch mit ihnen führen. Doch die Welt der Robotik und Künstlichen Intelligenz entwickelt sich rasant. Und was heute noch nach absoluter Zukunftsmusik klingt, ist in fünf, zehn oder 20 Jahren vielleicht Realität: ein mechanischer Begleiter, der Personal, Bewohnern und Patienten den Alltag - auch im Pflegeheim - erleichtert.

Mehr Roboter

 Ein Mädchen spricht bei der Hannover Messe am Stand der Technologiegruppe Harting mit dem Roboter ''Pepper''.
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MDR SPUTNIK Do 03.05.2018 19:00Uhr 01:46 min

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Hauptsache gesund Do 24.08.2017 21:00Uhr 06:22 min

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LexiTV Di 08.12.2015 15:00Uhr 03:30 min

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Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK Tagesupdate | 03. Mai 2018 | 18:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 14:03 Uhr