Bauch eines Mannes mit Übergwicht
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Adipositas Dresdner Forscher entwickeln die Abnehmpille

von Claudia Pupo Almaguer

Bauch eines Mannes mit Übergwicht
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Es klingt wie eine dieser Werbungen in Zeitschriften oder aus dem Internet:

Nehmen Sie DIESE Pille und Sie verlieren Fett SOFORT und ganz VON ALLEIN!!

Solche Versprechungen waren bislang unhaltbar. Nun aber hat ein internationales Forscherteam eine Substanz getestet, die genau so etwas zu bewirken scheint. Semaglutid heißt der verheißungsvolle Stoff und ist in Kanada bereits als Antidiabetikum auf dem Markt. Dort hilft das Medikament Patienten mit Diabetes Typ II, bestimmte Blutzuckerwerte und auch das Gewicht zu senken.

Und weil die Ergebnisse bei der Behandlung von Diabetes so vielversprechend waren, wurde eine große, weltweite Studie nur zum Gewichtsverlust angestrengt. Daran beteiligt war auch ein Team von Wissenschaftlern um Professor Andreas Birkenfeld. Er forscht am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden zum menschlichen Stoffwechsel und ist begeistert von der neuen Substanz:

Prof. Andreas Birkenfeld
Bildrechte: Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden / Stephan Wiegand

Was uns überrascht hat, war die Wirkstärke von Semaglutid. Einer der Teilnehmer hat in einem Jahr ganze 17 Prozent seines ursprünglichen Körpergewichts verloren.

Prof. Andreas Birkenfeld, TU Dresden

Semaglutid wirkt ähnlich wie ein Darmhormon, das jeder von uns im Körper produziert - und zwar immer dann, wenn wir Nahrung, vor allem Kohlenhydrate, aufnehmen. Es ist dafür verantwortlich, dem Gehirn zu signalisieren, dass wir satt sind. Und die besondere Wirkung von Semaglutid ist, den Appetit bzw. das Hungergefühl deutlich zu senken. Außerdem sorgt es dafür, dass Magen- und Darmbewegungen langsamer vonstattengehen. Das bedeutet, die Verdauung läuft langsamer und man ist länger satt, weil die Nahrung länger im Magen bleibt. Für manche der Probanden bedeutete das leider auch Anfälle von Übelkeit, sagt Prof. Birkenfeld.

So richtig nebenwirkungsarm ist dieses Medikament nicht. Aber die Nebenwirkungen sind relativ harmlos.

Prof. Andreas Birkenfeld, TU Dresden

Wem richtig übel wird und wer sich erbrechen muss, der kann Semaglutid leider nicht nehmen. Das waren in der Studie aber nur zwischen ein und zwei Prozent der Teilnehmer. Für die Untersuchungen wurden die insgesamt 900 Teilnehmer mit Adipositas, also einem BMI über 30, in drei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe erhielt Semaglutid in verschiedenen Dosierungen, die zweite einen anderen Wirkstoff und die dritte Placebos - doppelblind, also weder die Forscher noch die Probanden wussten, wer was bekam. Insgesamt ein Jahr lang mussten sich die Teilnehmer einmal täglich eine Spritze mit dem Wirkstoff setzen - subkutan, also unter die Haut. Und während auch die Gruppe mit dem zweiten Wirkstoff an Gewicht verlor, war aber für die Forscher vor allem der Vergleich zwischen der Placebo-Gruppe und der Semaglutid-Gruppe verblüffend.

Frauen von hinten
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Von den Teilnehmern, die keinen Wirkstoff bekamen, nahmen rund zehn Prozent signifikant ab - das heißt, verloren zehn Prozent oder mehr ihres Ausgangsgewichts. Von den Probanden mit Semaglutid waren es je nach Dosis zwischen 37 und 65 Prozent. Doch ganz ohne Mithilfe gehe es im Endeffekt doch nicht, sagt Prof. Birkenfeld. Neben den Spritzen mussten die Teilnehmer auch eine Reduktion von 500 Kalorien pro Tag einhalten. Außerdem bekamen sie eine Beratung zu gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung.

Wie ist der weitere Plan?

Für die Forscher bedeuten die Ergebnisse der Studie, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, eine neue Ära in der Bekämpfung von Übergewicht und Fettleibigkeit. Und damit sich nicht jeder Patient jeden Tag spritzen muss, wird laut Prof. Birkenfeld auch schon an einer oralen Einnahme gearbeitet - damit das Mittel dann irgendwann tatsächlich als Pille zur Verfügung steht. Zunächst laufen weitere Studien mit menschlichen Probanden zum Thema Übergewicht an der TU Dresden. Dann soll Semaglutid kommendes Jahr zuerst als Diabetes-Medikament auf den Markt kommen - und als "Fett-weg-Pille" dann vielleicht schon 2019 oder 2020.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. April 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 18:03 Uhr