Psychologie Kann man Intelligenz lernen?

Wer klug ist, ist attraktiv. Viele Menschen wünschen sich daher einen hohen IQ-Wert. Gerade Eltern freuen sich, wenn Ihren Kindern eine Hochbegabung bescheinigt wird. Kann man Intelligenz also steigern?

Nicht erst seit der Entdeckung des Flynn-Effekts fragen sich Wissenschaftler und Laien, ob sich an einem IQ-Wert vielleicht etwas drehen lässt. Denn zunächst zeigten Vergleiche von IQ-Testergebnissen, dass die Menschen in den westlichen Industrieländern im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer besser bei Intelligenztests abschnitten. Seit der Jahrtausendwende allerding scheint sich der Effekt wieder umzukehren. Nun lässt die durchschnittliche Intelligenz offenbar nach. Hängt die Intelligenz also am Bildungssystem oder an der Ernährung? Beeinflussen Umweltgifte wie Pestizide den IQ oder sind am Ende doch die Gene schuld?

Stefan Schmukle ist Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Leipzig. Aus den Forschungsergebnissen von Kollegen weiß er: "Intelligenz wird sowohl von den Genen, als auch von Umweltfaktoren beeinflusst." So konnte eine Studie etwa zeigen: Die Verlängerung der Zeit der Schulpflicht erhöht den durchschnittlichen IQ der Schüler. Norwegen hatte in verschiedenen Schulbezirken schrittweise die Schulzeit verlängert. Als die Wissenschaftler die IQ-Werte der Absolventen verglichen, zeigte sich, wer länger die Schulbank drückte, schnitt beim IQ-Test besser ab.

Prof. Stefan Schmukle von der Uni Leipzig
Bildrechte: Uni Leipzig

Allerdings spielen auch die Gene eine große Rolle. Um das zu zeigen, untersuchten Forscher eineiige Zwillinge, die bei der Geburt getrennt worden waren. Dabei sahen sie: Obwohl die genetisch nahezu identischen Paar teilweise in völlig unterschiedlichen Umgebungen aufgewachsen waren, zeigten sie sehr ähnliche Ergebnisse beim Intelligenztest.

Inzwischen gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass der erblich bedingte Teil der Intelligenz im Lauf des Lebens sogar noch zunimmt. Grund dafür ist, dass Erwachsene ihre Umweltbedingungen ein Stück weit frei wählen können. Menschen, die dank ihrer Gene sehr intelligent sind, neigen deshalb dazu, sich eher Lebenswelten zu wählen, die ihre Intelligenz zur Entfaltung bringen. Umgekehrt suchen weniger intelligente Menschen einfachere Umgebungen.

Dr. Anne Gärtner und Prof. Alexander Strobel von der TU Dresden
Doktor Anne Gärtner und Professor Alexander Strobel vom Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie führen selbst mit Studenten IQ-Tests durch. Bildrechte: Clemens Haug/MDR

Problematisch ist mitunter, herauszufinden, wer überhaupt intelligent ist. Denn die IQ-Tests decken nicht alle Arten von kognitiven Leistungsfähigkeiten auf. Kreativität beispielsweise wird von den meisten Tests nicht erfasst. Münchner Forscher zeigten, dass ihre Leistungsdiagnosen vielseitig oder multipel Begabte häufig übersahen.

Besonders Eltern wünschen sich häufig, dass ihre Kinder sich als sehr intelligent erweisen. Daten von Forschern machen diesen Wunsch umso nachvollziehbarer. Bei einer Langzeitbeobachtung hochbegabter Kinder in den USA zeigte sich nämlich, dass diese Kinder beruflich und finanziell oft sehr erfolgreich waren.

Die Mensa-Mitglieder Christoph und Kathleen Gommel mit ihrer Tochter.
Mensa-Mitlgieder Christoph und Kathleen Gommel mit ihrer Tochter. Bildrechte: MDR/Clemens Haug

Andererseits kommen Studien mit Hochbegabten auch zu dem Ergebnis, das eine Hochbegabung durchaus eine Last sein kann. Betroffene berichten beispielsweise häufig von Schwierigkeiten mit Mitschülern oder Lehrern und dem Gefühl, nicht dazuzugehören, weil sie andersartig seien.

Wer sich selbst fragt, ob er möglicherweise hoch begabt ist, kann das bei einem IQ-Test des Hochbegabtenverbands Mensa herausfinden. Mensa veranstaltet regelmäßig Tets in verschiedenen deutschen Großstädten.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um zwei | 02. April 2019 | 14:20 Uhr

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Mira Langhammer 5 min
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