Meine Challenge Die wunderbare Welt der Geruchsforschung

Wir tun es jeden Tag, aber die wenigsten von uns denken wirklich darüber nach: Gerüche wahrnehmen. Dabei spielt der Geruchssinn für uns Menschen eine zentrale, mitunter sogar lebenswichtige Rolle. Hier gibt’s Hintergründe und weitere Infos zur MDR-Wissen-Podcastfolge "Meine Challenge: Riechen können wie ein Trüffelschwein".

Plätzchen, Duftkerzen, Tannengrün, Glühwein… Gerade jetzt zur Weihnachtszeit gibt es viel zu schnuppern. Aber jenseits davon benutzen wir unsere Nase – gerade im Vergleich zu Augen und Ohren – relativ selten ganz gezielt. Warum ist das eigentlich so? Und kann man lernen, besser zu riechen? Das hat MDR-Wissen-Reporterin Daniela Schmidt ausprobiert und dabei viel Neues über ihre Nase gelernt, unter anderem von diesen Experten.

Der deutsche "Duftpapst"

Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum sagt von sich selbst, dass er eigentlich nicht sonderlich gut riechen kann. Trotzdem hat er sich in seiner Forschung ganz dem Geruchssinn verschrieben. Dabei hat er unter anderem herausgefunden, dass längst nicht nur die Nase eine wichtige Rolle spielt, wenn es um Duftmoleküle geht. Hätten Sie gewusst, dass zum Beispiel auch Ihre inneren Organe Riechzellen besitzen? Wozu die gut sind, hat Professor Hatt genauer erforscht.

Professor Hanns Hatt
Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum Bildrechte: Hanns Hatt/Ruhr-Universität Bochum

Freund oder Feind? Die Nase weiß es – zumindest die Affennase

Dass wir Menschen – oder zumindest unsere Vorfahren – vor langer, langer Zeit vermutlich einmal einen viel besser ausgeprägten Geruchssinn gehabt haben als heute, zeigt sich, wenn wir einen Blick auf unsere nächsten Verwandten im Tierreich werfen: die Affen. Bei ihnen läuft ohne ihre Nasen gar nichts. Die Leipziger Primatologin Stefanie Henkel vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie erforscht, in welchen Situationen im "Affen-Alltag" Düfte der zentrale Aspekt sind. Und das sind ganz schön viele.

Wie man Gerüche im Gehirn „umschreiben“ kann

Nicht nur Affen sind ein spannendes Forschungsfeld, wenn es um die Verarbeitung von Gerüchen geht. Es geht auch viele Nummern kleiner: Dr. Silke Sachse vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena trainiert Fruchtfliegen auf bestimmte Düfte. Klingt abwegig? Hat aber mehr mit uns Menschen zu tun, als viele denken. Die Forscher gehen nämlich davon aus, dass die Geruchsverarbeitung im Gehirn bei Menschen ganz ähnlich abläuft wie bei den Mini-Insekten. Und diese Verarbeitung von Düften lässt sich manipulieren, hat Dr. Sachse herausgefunden.

Silke Sachse
Bildrechte: Silke Sachse/MPICE

Die Sprechstunde rund ums Riechen

Manche Menschen verlieren ihren Geruchssinn fast oder ganz vollständig, etwa aufgrund einer Krankheit. Für solche Patienten bietet Prof. Dr. Thomas Hummel am Uniklinikum Dresden eine eigene Sprechstunde an. Denn: Ohne Geruchssinn geht nicht nur eine wichtige Wahrnehmungsebene verloren, sondern auch der Geschmackssinn funktioniert ohne die Kombination mit Düften nicht mehr richtig. Um Betroffenen zu helfen, setzen Professor Hummel und seine Mitarbeiter gleich auf mehreren Ebenen an.

Link: Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Professor Thomas Hummel
Bildrechte: MDR/Johannes Schiller