Publikationsdruck und betrügerische Verlage Das Problem mit der Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse

Wissenschaftler müssen oft viel Geld an Verlage für die Veröffentlichung ihrer Studien zahlen – und Bibliotheken zahlen viel Geld, um die Studien ihren Nutzern wieder zugänglich zu machen.

Lesesaal der Universitätsbibliothek Wien, 2016
Blick in den Lesesaal der Universitätsbibliothek Wien:Ö Gedruckte Bücher zur Arbeit in der Bibliothek anschaffen, so war das früher einmal. Heute werden die meisten wissenschaftlichen Beiträge auf elektronischem Weg veröffentlich. Bildrechte: imago/imagebroker

Das wissenschaftliche Verlagswesen ist in einer Krise, nicht erst seit der Debatte um betrügerisch arbeitende Verleger. Aktuell wird debattiert über sogenannte Raubverlage, die auf offen zugänglichen Webseiten Artikel veröffentlichen, die angeblich wissenschaftliche überprüfte Forschungsergebnisse präsentieren. Tatsächlich aber werden diese Beiträge nicht wirklich begutachtet. Wie Journalisten von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung gezeigt haben, kann dort der größte Unsinn als Fachbeitrag publiziert werden.

Kritik an Wissenschaftsverlagen

Aber auch die etablierten Wissenschaftsverlage wie Reed-Elsevier oder Springer-Nature stehen seit Jahren in der Kritik. Denn sie erzielen hohe Gewinne, weil sie einerseits kaum Kosten in ihre Produkte investieren müssen, andererseits aber hohe Preise dafür verlangen. Die Manuskripte ihrer Bücher und Zeitschriften erhalten die Verlagen von Autoren, die bereits bezahlt wurden – im Fall von Universitätsprofessoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern hat die öffentliche Hand die Honorierung übernommen. Die Verlage bezahlen hier kaum etwas. Dennoch verlangen sie anschließend hohe Summen von Bibliotheken, die die Publikationen den Forschern und Studenten zugänglich machen wollen. Auf diese Weise etwa erzielte Elsevier – Verleger medizinischer Standardwerke – im Jahr 2010 eine höhere Gewinnmarge als die großen Internetkonzerne Apple, Google oder Amazon.

Teilweise liefern die Wissenschaftler Manuskripte sogar schon als druckfähige Satzdateien. In einer ganzen Reihen von Fällen berichten enttäuschte Forscher aber darüber, dass sich der Verlag nicht für den gesparten Aufwand revanchierte, indem er weniger Geld für die Veröffentlichung verlangte, sondern das Publikationsverfahren durch weitere Einsparversuche gefährdete.

Open Access

Inzwischen wehren sich viele Universitäten und Bibliotheken gegen dieses Geschäftsmodell und setzen oftmals auf Open Access. Bei diesem Modell wird von vornherein festgelegt, dass die veröffentlichten Beiträge über das Internet jedem interessierten Leser frei zugänglich sind. Die Verlage bieten deshalb inzwischen selbst Open-Access-Varianten an, verlangen dann aber hohe Gebühren von den Autoren für die Veröffentlichung der Arbeiten.

Veröffentlichungsdruck

Die Wissenschaftler wiederum sind in einer Zwickmühle: Seit einigen Jahren hat sich die Zahl ihrer Veröffentlichung zur informellen Währung im Kampf um Stellen und knappe Forschungsgelder entwickelt. Das Phänomen wird als "publish or perish" – veröffentliche oder verschwinde – bezeichnet. Wer nicht möglichst viele Beiträge in renommierten Journalen veröffentlicht hat oder Gast vieler wichtiger Konferenzen war und eigene Beiträge für die Tagungsbände verfasst hat, der hat schlechtere Chancen, wenn er sich auf Professorenstellen bewirbt oder Drittmittel einwerben will. Deshalb stehen Forscher unter einem hohen Druck, viel zu veröffentlichen und dabei nach Möglichkeit viele andere Forscher zu erreichen. Diesen Druck machen sich Raubverleger zu Nutze, indem sie versprechen, gegen Gebühren alles Mögliche in einem ihrer ohne großen Aufwand aufgesetzten Open Access Journale zu veröffentlichen.

Peer Review

Veröffentliche Forschungsergebnisse sollen eine möglichst gute Qualität haben, die Beiträge logisch durchdacht und strukturiert sein. Im wissenschaftlichen Alltag soll eigentlich das sogenannte Peer-Review-Verfahren diese Ansprüche sicherstellen. Andere Wissenschaftler, die sich in einem Forschungsfeld gut auskennen, begutachten Beiträge vor der Veröffentlichung. Sie machen Anmerkungen und geben ein Feedback, dass die Autoren dann in ihre Beiträge einarbeiten, bevor diese erscheinen. Dieses Verfahren wird bei den sogenannten Raubjournalen oft nur vorgetäuscht. Aber auch etablierten Journalen mangelt es bisweilen an geeigneten Gutachtern.