Restaurant-Psychologie Männer essen anders – Frauen auch

Beim ersten Date achten wir nicht nur auf die Kleidung. Laut einer schwedischen Studie versuchen wir im Restaurant unser schönes Gegenüber auch mit unserer Essenswahl zu beeindrucken. Und das tun Männer und Frauen auf ganz unterschiedliche Weise.

Ein Paar trinkt Weizenbier in einem bayerischen Restaurant.
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Pils oder Prosecco? Welches Getränk oder welches Gericht “Mann“ beim Rendezvous bevorzugt, ist anscheinend davon abhängig wie attraktiv die Frau ist, die ihm gegenüber sitzt. Je hübscher sie ist, desto eher tendiert der Mann zum Klotzen statt Kleckern und bestellt das, was teuer ist. Umgekehrt versuchen offenbar auch Frauen ein schönes männliches Gegenüber mit ihrer Speisenwahl zu überzeugen: Frisch und knackig sollte es sein. Dies geht aus einer Studie hervor, die Tobias Ottenbring, Psychologe an der schwedischen Universität Karlstad, im Fachblatt “Food Quality and Preference“ veröffentlicht hat. Demnach geben sich heterosexuelle Männer beim Essen durch ihre Auswahl gern wohlhabend und angesehen. Bei Frauen kommt eher Gesundes und Frisches auf den Teller.

Für den Ernährungspsychologe Johann Klotter von der Hochschule Fulda ist dieses Speisenwahl der beiden Geschlechter keine Überraschung: “Wir inszenieren uns.“ Wie Körpersprache oder Kleidung ist auch die Ernährung ein Kommunikationsmittel. So versuchen wir bei außergewöhnlichen Anlässen, wie einem Date, besonders gut rüberzukommen. Der Blick auf die Speisekarte ist Teil der Selbstinszenierung. Wir bestellen so, wie wir uns selbst gerne sehen. Ob das bei der anderen Seite so gut ankommt, sei erst einmal dahingestellt, so der Psychologe. Für die Partnerwahl sind für Johann Klotter jedenfalls mehr Kriterien entscheidend als Schönheit und Reichtum.

Interessant sind die Ergebnisse von Ottenbrings Studie auch für die Werbeindustrie.

Es könnte von Vorteil sein, mit gut aussehenden Männern Frauen dazu anzuregen, Nahrungsmittel und Körperpflegeprodukte zu kaufen, die mit Gesundheit und Schönheit assoziiert sind.

Tobias Ottenbring, Psychologe, Universität Karlstad

Umgekehrt sind schöne Männer in Fast-Food-Ketten eher kontraproduktiv, da sie die weibliche Kundschaft verschrecken könnten. Genauso sollte bei Werbespots für Billig-Bier auf Supermodels verzichtet werden. Sollen Männer zum Kauf von Getränken animiert werden gilt: Je teurer desto schöner. Für die Studie hatte Ottenbring 530 Studentinnen und Studenten befragt. Die Ergebnisse beziehen sich allerdings nur auf heterosexuelle Männer und Frauen. In Zukunft möchte der Psychologe die Experimente aber auch mit Schwulen und Lesben durchführen.

Über das Thema berichtet MDR Jump im Radio | 29.11.2016 | 06:10 Uhr