Mädchen lacht
Bildrechte: imago/MITO

Kosmetika sind schuld Warum die Pubertät immer früher beginnt

Bislang wusste man nicht genau, warum bei Kindern die Pubertät immer früher einsetzt. Forschungen belegen jetzt, dass es mit den Inhaltsstoffen der Kosmetika der Mütter zu tun haben könnte.

Mädchen lacht
Bildrechte: imago/MITO

Es ist ein Phänomen, das viele Eltern beschäftigt: Warum wachsen meiner Tochter schon Schamhaare, obwohl es doch erst acht oder neun Jahre alt ist? Dass es sich dabei nicht mehr um Einzelfälle handelt, war erstmals 1997 von US-Forscherin Marcia E. Herman-Giddens nachgewiesen worden. Sie hatte Daten von 17.077 Mädchen  untersucht und dabei nachgeweisen, dass sowohl Schamhaar- als auch Brustentwicklung im Durchschnitt im Alter von acht Jahren einsetzten und die erste Regelblutung mit 12 Jahren.

Ähnliche Tendenzen zur früheren körperlichen Reifung hatte 2012 eine Studie mit Jungen ergeben, bei denen die Entwicklung zum Mann bereits im Alter von zehn Jahren einsetzte. Im Oktober 2018 waren dänische Forscher in einer Langzeitstudie mit 92.00 Schwangerern und 22.439 Kindern zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Jungen kommen demnach durchschnittlich mit 13,1 Jahren in den Stimmbruch, Mädchen haben ihre erste Menstruation mit 13 Jahren.

Aber was steckt dahinter? Die Uni Berkely hat eine Antwort

Forschungen an der US-Universität Berkeley geben jetzt eine Antwort auf die Frage, warum sich Kinder körperlich früher zu Männern und Frauen entwickeln als noch vor Jahrzehnten: Es liegt an den Inhaltsstoffen der Kosmetika und Pflegeprodukten, die Mütter benutzen.

Studienteilnehmerinnen Untersucht wurden Frauen mit südamerikanischem Hintergrund, die unterhalb des Armutsgrenze lebten und keinen Highschool Abschluss hatten.

Ein geöffneter Cremetiegel steht zwischen Lippenstiften und einem Kosmetikpinsel.
Bildrechte: IMAGO

Das Forschungsteam hatte die Langzeitwirkung von Phthalaten, Parabenen und Phenolen untersucht, bei denen vermutet wird, dass sie vor allem das weibliche Hormonsystem beeinflussen. Von 1999 bis 2000 wurde der Urin Schwangerer und später von deren Kindern im Alter von neun Jahren abgenommen. In den vier Folgejahren untersuchten die Forscher dann alle Kinder mit einem Standardtest auf das Einsetzen der Pubertät.

Triclosan und Parabene in Pflegemitteln Sie dienen als Mittel gegen Mikroorganismen und als Konservierungsmittel. Diethylphthalat fixiert Duftstoffe.

Schminke
Bildrechte: colourbox.com

Dabei zeigte sich: Enthielt der Urin der Mütter besonders viel Monoethylphthalat - eine Vorläufersubstanz von Diethylphthalat - so begann die Schamhaarentwicklung der Töchter durchschnittlich etwa sechs Monate früher. Eine besonders hohe Konzentration von Triclosan im Urin der Mutter war demnach verbunden mit einer um knapp fünf Monate früheren ersten Menstruation. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass sehr hohe Konzentrationen von Methylparaben im Urin der Mädchen mit einer früheren Entwicklung der Brustdrüsen und einer frühen ersten Menstruation einhergingen. Hohe Propylparaben-Werte gingen mit vier bis sieben Monate früherer Schambehaarung einher. Bei Jungen mit hohen Propylparaben reiften die Geschlechtsorgane früher.

Frühe Pubertät ist kein Kinderspiel

Die frühe Entwicklung vom Kind zu Frau oder Mann ist alles andere als ein Kinderspiel. Die biologischen Veränderungsprozesse sind das eine, das andere sind seelische Probleme, die mit dem sich verändernden Hormonhaushalt einhergehen. Bei Pubertäts-Frühstartern gilt aus medizinischer Sicht, dass Mädchen, die vor dem achten Lebensjahr menstruieren, ihren Hormonhaushalt medizinisch untersuchen lassen sollten. So können körperliche Folgen von verfrühter Pubertät, wie etwa Kleinwüchsigkeit, frühzeitig erkannt und möglicherweise gegengesteuert werden.

Trauriges Kind sitzt auf der Treppe
Bildrechte: colourbox.com

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 21. Juli 2018 | 08:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 14:29 Uhr

Eine Mädchen streitet mit ihrer Mutter 2 min
Bildrechte: colourbox.com

Mehr ist mehr – das gilt auch für die Kindererziehung. Sie werden staunen, wie belastbar und lernfähig die Kleinen sind. Unser Erziehungsratgeber Florian Westerholt gibt dazu nicht ganz ernst gemeinte Tipps.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Di 24.07.2018 09:10Uhr 01:41 min

https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/audio-775106.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio