Kraftstoffe der Zukunft? "ReFuels": Synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien alltagstauglich

E-Fuels gelten als ein Faktor bei der Energiewende, besonders beim Einsatz in der Luft- und Schifffahrt. Wenn die Kraftstoffe aus Erneuerbaren produziert werden, heißen sie "ReFuels" - und sind laut einer Karlsruher Studie genauso alltagstauglich wie E-Fuels.

Zapfsäule für Benzin und Diesel an einer Tankstelle
In Zukunft könnten aus den Zapfsäulen an Tankstellen verstärkt synthetische Kraftstoffe kommen. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

E-Fuels sind eines der umstrittensten Themen, wenn es um die Energiewende geht. Die einen sehen in den Kraftstoffen, die mithilfe von Strom aus Wasser und CO2 hergestellt werden, ein Allheilmittel gegen den Klimawandel. Andere wiederum beklagen ihre energieintensive Produktion und lehnen sie daher ab. Bei Autos ist der Wirkungsgrad bei der Anwendung von E-Fuels in Verbrennern beispielsweise deutlich schlechter als bei E-Fahrzeugen.

Darum sehen die meisten Experten ihren Einsatz in privaten PKW eher kritisch, bei Flugzeugen und Schiffen könnten sie allerdings in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, weil es dort kaum Alternativen gibt. Denn bisher genutzte Batterien wären beim Fliegen viel zu schwer und bei Tankern und Kreuzfahrtschiffen ist der Energieverbrauch viel zu hoch für die reine Nutzung von Strom. Klimaneutral wäre die Mobilität in solchen Fällen aber beileibe nicht.

Am Ende soll "ReFuels"-Reinkraftstoff entstehen

Anders sieht die Sache allerdings bei sogenannten "ReFuels" aus. Hier kommt die Elektrizität für die Kraftstoffproduktion nämlich komplett aus erneuerbaren Energien, was die Kohlenstoffdioxid-Bilanz deutlich verbessert. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben nun die Anwendung von "ReFuels" in der Praxis untersucht - und sind zum Ergebnis gekommen, dass diese in fast allen Fahrzeugen eingesetzt und in absehbarer Zeit in großen Mengen hergestellt werden könnten.

Prof. Hermann Rottengruber von der Universität Magdeburg
Prof. Hermann Rottengruber von der Universität Magdeburg Bildrechte: OVGU Magdeburg

"Auf flüssige Kraftstoffe werden wir auf absehbare Zeit nicht verzichten können, etwa im Bereich des Schwerlastverkehrs, der Schiff- und Luftfahrt, aber auch in der Auto-Bestandsflotte", betont Prof. Thomas Hirth vom KIT. Im "ReFuels"-Projekt habe man gezeigt, dass die Kraftstoffe sowohl bei alten und neuen Autos, als auch bei Nutzfahrzeugen oder Lokomotiven funktionierten. "Wir konnten tonnenweise "ReFuels" herstellen, die in den bestehenden Kraftstoffnormen für Otto- und Dieselkraftstoffe liegen und im Serieneinsatz in verschiedensten Motoren keine Beeinträchtigung bei Leistung oder Verschleiß gezeigt haben", so Dr. Olaf Toedter, der am KIT am Institut für Kolbenmaschinen forscht. Dabei stellten die Forschenden Benzin und Diesel her und erreichten eine CO2-Reduktion von 22 bis 81 Prozent, je nach Mischverhältnis zwischen synthetisierten und fossilen Kraftstoffen. In einem nächsten Schritt soll in einer Raffinerie bei Karlsruhe eine industrielle Produktionsanlage für "ReFuels" errichtet werden. Außerdem wollen die Wissenschaftler den "ReFuels"-Anteil an den Kraftstoffmischungen innerhalb der bestehenden Kraftstoffnormen weiter steigern - bis hin zum "ReFuels"-Reinkraftstoff.

Die Forschung der KIT-Kollegen verfolgt Prof. Hermann Rottengruber von der Uni Magdeburg nach eigenen Angaben schon seit längerer Zeit. Der Experte für mobile Systeme erklärt, dass die vorgestellten Ergebnisse der Karlsruher durchaus Substanz hätten, eine großtechnische Umsetzung und die folgende Marktreife aber noch eine anspruchsvolle Aufgabe seien. Prinzipiell sei der Ersatz von fossilen Kraftstoffen durch synthetische mit wenig Aufwand verbunden. "Von den technischen Inhalten her sind die von Dr. Toedter getätigten Aussagen richtig und valide", resümiert Prof. Rottengruber, "sie entsprechen dem Stand des aktuellen Wissens innerhalb der Fachöffentlichkeit."

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pm/cdi

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