Straße, Luft und Fluss Der Weg der Plaste in die Meere

Im Meer stellen wachsende Plastemengen eine ernste Bedrohung dar, besonders das winzige Mikroplastik. Mehrere Forschungsprojekte untersuchen nun, wie Kunststoffe überhaupt in die Ozeane gelangen.

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Die Formel 1 - mindestens zwei Reifensätze pro Rennen. Hier wird jede Menge Mikroplastik produziert. Wieviel davon landet im Meer? Bildrechte: IMAGO

Verhungerte Tiere mit vollen Mägen: In jüngster Zeit haben Wissenschaftler und Tierschützer zahllose verendete Seevögel, Fische und Meeressäuger fotografiert. Die Bilder sind verstörend: In den toten Körpern fanden die Forscher und Umweltaktivisten Unmengen von Plaste. Das von Menschen weggeworfene Material gefährdet die Tiere, die die oft winzigen Teile mit den Algen oder anderen Kleinstlebewesen verwechseln.

Aber wie gelangen die Kunststoffberge überhaupt in die Ozeane? Eine zentrale Rolle spielen Flüsse, vor allem, wenn in ihrem Einzugsgebiet Müll nicht fachgerecht entsorgt wird. Das zeigen Experten vom Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) jetzt in einem Beitrag für die Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology". Die Forscher haben dafür eine Reihe von Studien ausgewertet und sind dabei auf einen klaren Zusammenhang gestoßen: "Je mehr Müll im Einzugsgebiet nicht fachgerecht entsorgt wird, desto mehr Plastik landet letztlich im Fluss und gelangt über diesen Transportweg ins Meer", sagt Christian Schmidt, Hydrogeologe am UFZ.

Zehn Flüsse tragen 90 Prozent der Plaste in die Meere

Besonders große Flüsse stellen offenbar ein Hauptproblem dar. Die Plastikmenge pro Kubikmeter Wasser ist hier deutlich höher als in kleinen Gewässern, haben die Forscher festgestellt. "Die Plastikfrachten steigen daher mit der Größe des Flusses überproportional an", so Schmidt. Zehn große Flusssysteme – acht davon in Asien, zwei in Afrika – bringen laut den Berechnungen der Leipziger Wissenschaftler global gesehen 90 Prozent des Plastiks in die Meere. Im Einzugsgebiet der Ströme leben hunderte Millionen von Menschen. Ein professionelles Abwassermanagement und Aufklärung könnten nach Ansicht der Forscher den Plasteeintrag in die Meere erheblich reduzieren.

Doch das Problem gibt es nicht nur in Schwellenländern. Auch in Europa bringen Flüsse Mikroplastik ins Meer und zwar möglicherweise in deutlich höherem Umfang, als bisher gedacht. Ein Team der Technischen Universität Berlin soll in den kommenden drei Jahren herausfinden, inwiefern der Abrieb von Autoreifen über Straßenabwässer in Flüsse und von dort ins Meer gelangt. Das Projekt wird von der Bundesregierung mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert. Reifenabrieb gilt als Mikroplastik und ist nach verschiedenen Expertenschätzungen für bis zur 30 Prozent des Plasteeintrags in den Flüssen verantwortlich.

Vom Reifenabrieb ins Meer

Zunächst soll der Weg der Partikel vom Reifen im Verkehr in die Umwelt beschrieben werden. "Es gilt die Eintragspfade von Reifenmaterial in die Flüsse und Seen zu identifizieren, zu bilanzieren und Maßnahmen der Reduzierung aufzuzeigen", sagt Daniel Vernhaus, der als Wissenschaftler am Projekt mitarbeitet. Mithilfe von Untersuchungen im Labor, auf Teststrecken und verschiedenen Straßentyen soll der Zusammenhang zwischen Fahrdynamik und Verschleiß untersucht werden. Außerdem werden spezielle Körbe entwickelt, mit denen Reifenpartikel im Abfluss des Straßenabwasser aufgefangen und gemessen werden. Neben der TU Berlin sind mehrere Unternehmen, darunter auch "Continental" an der Studie beteiligt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 02.08.2017 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 16:57 Uhr