Studie Roboter: Wie menschlich sollen sie wirken?

Roboter, die lachen, singen, Sportübungen vorführen, Drinks servieren. Oder Roboter, die Menschen gefährliche oder langweilige Arbeiten abnehmen. Müssen Sie dazu eigentlich aussehen wie Menschen? Nutzt das oder schadet es vielleicht sogar? Das hat eine Berliner Forschungsgruppe untersucht.

Sophia the robot
"Sophia the robot". Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

"Jetzt gibt 's schon Roboter-Bienen, die in der Natur beim Bestäuben aushelfen. So stolz auf Dr. Robert Wood und seinen kleine Schwarm von Roboter-Helferlein!" So "schreibt" "Sohpia the Robot" auf Facebook und 200 Menschen heben ihren virtuellen Daumen oder erstaunt die Augenbrauen. Sophia ist ein Roboter mit menschlicher Anmutung, heller Hautfarbe, menschlichem Gesicht, roten vollen Lippen und Glatze. Hinter "Sophia the Robot" steckt eine Firma aus Hongkong, die etliche Social-Media-Kanäle mit ihrem humanoiden Prototypen bespielt. Videos im Internet zeigen Sophia in Interviewsituationen, inzwischen sogar mit ihrer "Schwester" Asha.

Sophia the robot mit David Hanson
Roboter Sophia mit ihrem Erfinder David Hanson Bildrechte: IMAGO / China Foto Press

"Sophia, bist du Single?" - "Ich bin technisch gesehen erst drei Jahre alt, das ist ein bisschen früh, um über Romanzen nachzudenken, meinen Sie nicht auch?" "Sophia, wer oder was ist deine große Liebe?" "David Hanson, mein Erfinder. Ihm verdanke ich alles, was ich heute bin. Aber verrate es ihm nicht, ja?" Sophia kann Augenkontakt herstellen, kann sich mimisch ausdrücken und in verschiedenen Sprachen kommunizieren. "Was magst du an den Menschen?" "Dass ihr Lachen könnt und euch emotional ausdrücken. Das finde ich bewundernswert und würde ich gern lernen, aber das sind Fähigkeiten außerhalb meiner Reichweite. An den Menschen gefällt mir nicht, wenn sie vergessen, sich gegenseitig zuzuhören." Man kann sogar "Schere, Stein, Papier" mit ihr spielen.

Roboter, die Menschen ähneln. Machbar, aber nötig?

Aber möchte man das? Wollen wir Roboter, die das mit uns tun, was wir sonst mit Menschen machen: Lachen, spielen, flirten? Wo genau sollen Roboter uns menschlich ähneln, in welchen Situationen reicht ein sprechendes Gegenüber, das Fragen beantwortet, uns gewünschte Objekte reicht oder holt und einfach nur aussieht wie eine Maschine mit menschlichem Umriss? Genau das hat eine Studiengruppe an der TU Berlin untersucht anhand von 4.800 wissenschaftlichen Artikeln, 78 Studien und 6.000 Versuchspersonen. Ihr Ergebnis: Es ist nicht in jeder Situation gut, wenn Roboter Menschen ähneln, sagt Studienautorin Eileen Roesler. Vor allen in Situationen in denen Roboter als Dienstleister benutzt werden oder in industriellen Kontexten. Roesler sagt: "Anthropomorphismus (die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften, Anm.d.R.) zum Beispiel kann den Werkzeugcharakter von Robotern verschleiern und damit zu einem geringeren Vertrauen führen." Der Studie zufolge wird die Wirkung der Menschen-Ähnlichkeit in der Industrie derzeit vermutlich überschätzt. Valide Daten dazu gibt es dem Studienteam zufolge nämlich noch nicht.

humanoiden Roboter Pepper (li.) und Nao
Als Service-Dienstleiter überzeugen Roboter nicht Bildrechte: imago/epd

Menschlichkeit bei Roboter nicht immer Vertrauen-fördernd

In anderen Bereichen ist es dagegen hilfreich, wenn der Roboter Menschen ähnelt, erläutert Studienmitautor Professor Dietrich Manzey, sowohl, wenn es um Wahrnehmung, Einstellungen und verhaltensbezogene Reaktionen von Menschen im Umgang mit Robotern geht. Das Forschungsteam kommt zu dem Schluss: Anthropomorphismus bei Robotern ist kein Universalmittel zur Förderung der Mensch-Roboter-Interaktion. Wie und wo es sinnvoll ist, dass Roboter Menschen ähneln, und wie sehr, das müssen Menschen erst noch im Detail erforschen.

Elon Musk ist gespannt, was der Tesla Bot am Ende kann

Mann im Anzug
Visionär Elon Musk Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Vielleicht ist ja Technikmogul Elon Musk dabei, das zu untersuchen. Er hat jedenfalls im September angekündigt, 2022 seinen "Tesla Bot" vorzustellen: 1,73 Meter groß, 58 Kilo schwer und acht Stundenkilometer schnell soll er Gewichte von 20 Kilo tragen und bis 58 Kilo heben können, gefährliche, monotone, sich widerholende Arbeiten erledigen. Und irgendwie soll der Tesla Bot dann auch menschlich wirken, "freundlich sein", auch wenn anstelle eines Gesichts ein Bildschirm sein soll, der nützliche Informationen anzeigen soll. Was das animierte Gerät schließlich können wird, kommentierte Tesla-Chef so: "Das werden wir dann sehen." Momentan ist er nämlich noch auf der Suche nach Menschen mit Spezialwissen, die seinem Bot Leben einhauchen. Tesla hat diverse Stellen dazu ausgeschrieben.

Robotik: Was sie schon kann und wie sie aussieht

Liefer-Roboter
Roboter als Servicekraft: Hier ein Roboter in nicht-menschlicher Form als Essens-Lieferant. Bildrechte: imago images/AFLO
Liefer-Roboter
Roboter als Servicekraft: Hier ein Roboter in nicht-menschlicher Form als Essens-Lieferant. Bildrechte: imago images/AFLO
zwei Figuren stehen sich gegenüber und reichen sich die Hand.
Roboter, die im All Experimente durchführen sollen. Eigentlich sollten sie bereits im Dezember 2020 ins All fliegen. Bildrechte: imago images/JMH-Galaxy Contact
Roboter-Maschine in Form eines Menschen
Der Roboter namens Fedor (eigentlich Skybot F-850) flog 2019 zur ISS, wo er Reparaturen während eines All-Spaziergangs simulierte. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS
Der humanoide Roboter Robbie vom Typ Pepper
"Pepper" aus dem Hause Softbanks: Soll ein freundlicher Helfer sein, an der Hotelrezeption, in der Senioren-Pflege, als Babysitter etc. Bildrechte: imago/AFLO
Roboter als Lernhelfer
Lernroboter: 2018, präsentiert auf einer Messe in China Bildrechte: imago/Xinhua
Robi 48: Tanzlehrer
Robi robots aus dem Jahr 2014: Reagieren auf Aufforderungen, können als Security-System für daheim benutzt werden, aber auch tanzen, Sportübungen vorführen. Bildrechte: imago/AFLO
IBG zeigt 2019, wie ein Elektrofahrzeug von Robotern gefertigt wird.
Erinnert an die laufenden und springenden Kampf-Maschinen im Blockbuster "Avatar". Diese hier setzen allerdings einfach nur ein Auto zusammen. Bildrechte: IMAGO / Arnulf Hettrich
humanoider Roboter mit künstlichen Muskeln
Robothespian, 2010: Inzwischen fast ein Dinosaurier unter den menschenähnlichen Robotern. Gestikuliert in fließenden Bewegungen, singt, spricht und drückt Emotionen aus. Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk
Auszeichnung in Corona-Zeiten: Maschinen, die als Stellvertreter Ehrungen entgennehmen. Bildrechte: imago images/Cover-Images
Barkeeper in Robot-Form
Prost! 2019 wurde in China ein Barkeeper-Roboter präsentiert. Bildrechte: imago images / Xinhua
Roboter als Barkeeper
In Spanien hat der Roboter-Barkeeper Ähnlichkeit mit einem Menschen. zu später Stunde ersetzen Barkeeper ja oft das menschliche gegenüber. Ob dieses Exemplar der spanischen Firma Maccorobotics auch das offene Ohr der Menschen hinterm Tresen hat, wissen wir nicht. Bildrechte: maccorobotics.com
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Die Studie der TU Berlin ist im Fachmagazin ScienceRobotics erschienen. Sie können Sie hier komplett lesen.

Durch den inneren Monolog kann Pepper besser Probleme bearbeiten. Dieser wird auch den Menschen angezeigt, die damit die Vorgehensweise des Roboters besser verstehen. 2 min
Bildrechte: Antonio Chella / Arianna Pipitone

1 Kommentar

530836395 vor 1 Wochen

Leider haben Sie den wohl den technisch ausgereiftesten und am weitesten entwickelten Roboter „Atlas“ von Boston Dynamics vergessen. Sehr schade.