Sputnik V Russischer Impfstoff schützt zu 92 Prozent vor Covid-19

Kurz nach BioNTech/Pfizer meldet nun auch die russische Regierung Erfolge beim Corona-Impfstoff. Sputnik V schütze zu 92 Prozent. Experten sind noch skeptisch und verlangen mehr Daten, begrüßen aber auch den Fortschritt.

Der Russische Impfstoff Sputnik V
Ein Pressefotos zweier Fläschchen mit dem russischen Corona-Impfstoff Sputnik V. Bildrechte: imago images / Cover-Images

Nach dem Duo BioNTech und Pfizer teilt nun auch Russland erste Ergebnisse seiner Phase-3-Studie an einem Corona-Impfstoff mit. Sputnik V erreiche einen 92-prozentigen Schutz gegen das Virus, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des russischen Gamaleya Instituts und des Investmentfonds der russischen Regierung. Basis dieser Abschätzung seien insgesamt 20 bestätigte Corona-Fälle unter den Teilnehmern der klinischen Tests, die je zur Hälfte den Impfstoff oder ein Placebo erhielten.

Daten: 60 oder 90 Prozent Wirksamkeit?

Laut der Pressemitteilung haben sich bis zum 11. November über 40.000 Freiwillige für die klinischen Tests von Sputnik V gemeldet. Über 20.000 seien inzwischen mit der ersten Dosis geimpft worden, 16.000 hätten bereits die zweite Dosis erhalten, die 21 Tage nach der ersten verabreicht wird. Zusätzlich zu dieser Gruppe gebe es noch etwa 10.000 weitere Personen, die meisten von ihnen Ärzte und anderes medizinisches Personal, die bereits geimpft worden seien, ohne die Ergebnisse der klinischen Phase-3 abzuwarten. Alle Daten zusammengenommen zeige sich, dass der Impfstoff mindestens 90-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 biete, so die Mitteilung.

Das Gamaleya-Insitut versprach auch, die Daten, von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft, in einem internationalen Fachjournal zu veröffentlichen. Bislang können Experten die russischen Fortschritte aber nur auf Basis der Pressemitteilung beurteilen. So rechnet etwa der Londoner Epidemiologe Stephen Evans in einem Statement für das Science Media Center vor, dass sich aus den in der Mitteilung veröffentlichten Zahlen auch nur eine 60-prozentige Wirksamkeit ergeben könnte. Pfizer/BioNTech erreichten dagegen laut den von ihnen veröffentlichten Zahlen bislang mindestens 80-prozentigen Schutz. All diese Aussagen stehen aber unter dem Vorbehalt, dass es noch keine vollständige Veröffentlichung gibt, die die Angaben der jeweiligen Hersteller wirklich überprüfbar macht.

Impfstoff mit Adenoviren: Stärkere Nebenwirkungen erwartet

Während Pfizer/BioNTech den neuartigen Ansatz einer RNA-Impfung verfolgen, setzt Sputnik V auf die seit langem bekannte und etablierte Methode, abgewandelte Adenoviren als sogenannte Impfstoffvektoren einzusetzen. Die Viren enthalten statt ihres eigenen Erbguts eine Bauanleitung für das Spikeprotein des Coronavirus, sozusagen der Schlüssel, mit dem Sars-CoV-2 in menschliche Zellen eindringt. So lernen die Immunsysteme der Geimpften Antikörper gegen das S-Protein zu bilden und sich damit gegen das echte Coronavirus zu schützen.

Vorteil des russischen Ansatzes sei es, dass der Impfstoff robuster für den Transport sei, weil er weniger streng kühl gelagert werden müsse, sagte Charles Bangham vom Londoner Imperial College dem Science Media Center. Dem gegenüber stehe das Problem, dass "die verwendeten Adenoviren mehr Nebenwirkungen wie Fieber oder Kopfschmerzen hervorrufen dürften - auch wenn diese voraussichtlich mild sein werden." In der russischen Pressemitteilung heißt es, bislang hätte keiner der Probanden schwere Nebenwirkungen gezeigt.

Fragen, die trotz klinischer Studien offen bleiben werden

Grundsätzlich zeigten sich viele Wissenschaftler erfreut über die russische Mitteilung, zeige sich doch, dass eine Impfung gegen Corona wirksam vor der Krankheit schützen könne. Die Webseite des weltweit führenden Wissenschaftsmagazins "nature" zitiert die Impfstoffforscherin Sarah Gilbert von der Universität Oxford, sie fühle sich ermutigt von den russischen Ergebnissen. Ihr Team entwickelt zusammen mit der Pharmafirma AstraZeneca ebenfalls einen auf Adenoviren basierenden Corona-Impfstoff.

Bei allen Entwicklungen – auch bei Pfizer/BioNTech – sind derzeit noch sehr viele wichtige Fragen offen. Eine zentrale lautet: Können geimpfte Personen das Coronavirus trotzdem weiterverbreiten, indem sie sich vielleicht doch anstecken, aber äußerlich eben symptomfrei bleiben. Das wissenschaftlich zu überprüfen dürfte aber nahezu unmöglich sein. Die vielen 10.000 Geimpften müssten auch lange nach der klinischen Studie immer wieder regelmäßig auf Corona getestet werden. "Das kriegt man mit 45.000 Teilnehmern nicht hin", sagt Florian Krammer, Virologe in den USA.

Kritik an Veröffentlichungen

Neben der Freude über die Fortschritte gab es aber auch Kritik an den Veröffentlichungen beider Gruppen, sowohl Pfizer/BioNTech als auch Russland. Eleanor Riley, Immunologin aus Edinburgh, kritisierte: "Dies ist kein Wettbewerb. Alle Studien müssen nach den höchstmöglichen Standards durchgeführt werden. Dabei ist besonders wichtig, dass die Kriterien für die Entblindung der Daten [also der Frage, wer den echten Impfstoff und wer nur ein Placebo erhalten hat, Anm. d. Red.] eingehalten werden. Es muss vermieden werden, dass man sich hier die Rosinen herauspickt."

(ens)

9 Kommentare

MDR-Team vor 2 Wochen

Hallo Taf73,
die Öffentlichen-Rechtlichen in Deutschland sind keine Staatssender (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/rundfunk-107.html). LG, das MDR-Wissen-Team

MDR-Team vor 2 Wochen

Hallo kleinerfrontkampfer,
"Sputniknews" ist allerdings eine zweifelhafte Quelle (https://info.arte.tv/de/sputnik-russland-der-nachrichten-offensive). LG, das MDR-Wissen-Team

part vor 2 Wochen

Natürlich geht es nur ums große Geschäft, um Patente und politische Geschmäcker. Das Alfred- Wegner- Institut in Posdam wollte sich zu Beginn der Pandemie mit der Wirkung der Unkrautpflanze Artemisis Annua beschäftigen und deren Wirksamkeit prüfen zur Abwehr von Infekten. Gehört haben wir von diesem Institut bisher noch nichts, obwohl die Wirkstoffe aus der Pflanze eben keine Immunität versprechen sondern nur eine Unterdrückung von viralen Erkrankungen. Gesundheit könnte manchmal so preiswert sein, wenn die regierenden Fraktionen nicht so sehr mit der Pharmaindustrie verbandelt wären, manchmal sogar im vorauseilenden Gehorsam und dies international...