Krokus-Ernte
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Gen-Forschung Gelöst: Das Rätsel des Safran-Krokus

Göttervater Zeus soll sich auf ihm gebettet haben, er gilt als Heilmittel und teuerstes Gewürz der Welt, wertvoller noch als Gold: Die Rede ist vom Safran. Das Luxusgewürz wird von Hand aus den Blüten des Safran-Krokus gezogen. Der stellte Biologen bisher vor ein Rätsel: Von welchen Pflanzen stammt der Safran-Krokus ab? Er ist ein Hybrid, kann sich nicht über Samen oder Pollen fortpflanzen und lässt sich nicht züchten. Ein Dresdner Forschungsteam hat jetzt sein Geheimnis gelüftet.

Krokus-Ernte
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Safran ist das teuerste Gewürz der Welt: Für ein Gramm der getrockneten Krokusfäden bezahlt man zwischen 14 und 18 Euro. Das liegt daran, dass die Blüten einzeln geerntet werden müssen, von Hand und dann enthält jede Blüte auch nur drei der kostbaren "Gewürzfäden". Warum hat dann eigentlich noch keiner Krokusse gezüchtet, die mehr als drei Fäden haben? Professor Thomas Schmidt von der Technischen Universität Dresden beschäftigt sich normalerweise mit heimischen Kulturpflanzen: Mit Kartoffeln zum Beispiel oder dem Genom der Zuckerrübe. Auf das Rätsel des Safran-Krokus ist der Professor für Zell- und Molekularbiologie der Pflanzen eher zufällig gestoßen:

Safran getrocknet
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Im Rahmen eines EU-Projekts hat er im Mittelmeerraum Landwirte kennengelernt, für die der Safran-Anbau die wichtigste Einnahmequelle ganzer Familien ist, weil der karge Boden kaum mehr hergibt. Im August wird gepflanzt, im Oktober blüht der Krokus und dann werden aus den Blüten die drei Blütenfäden gezogen. Zwischen 150.000 und 300.000 Blüten stecken Schmidt zufolge in einem Kilogramm Safran.

Tipp! Wenn Sie Safran kaufen wollen, sollte man besser die Fäden nehmen. Und dann genau hinschauen, denn die eingerollten Blütenblätter der Färberdistel färben gelb aus, haben aber kein Aroma. Vorsicht auch bei Safran-Pulver: Oft ist es mit Kurkuma gestreckt.

Drei Fäden pro Blüte - geht da nicht mehr?

Einen Safran-Krokus zu züchten, der einfacher zu ernten wäre, mehr Ertrag bringt oder länger blüht, war über Jahrhunderte unmöglich. Denn die Pflanze ist eine sogenannte triploide Hybridart. "Triploid" heißt, dass sie drei statt zwei Chromosomensätze hat. Wenn die Pflanze sich per Bestäubung fortpflanzen will, können die drei Sätze nicht richtig aufgeteilt werden. Der Safran-Krokus ist sozusagen unfruchtbar und es gibt nur eine Methode, um die Pflanze zu vermehren.

Der einzige Weg diese Pflanze zu vermehren: aus den kleinen Tochterknollen, die sich um die Mutterknolle bilden, die man dann heraus nimmt.

Blüte des Safran-Krokus mit drei orangefarbenen Fruchtblättern
Bildrechte: TUD/Sarah Breitenbach und FISH-Chromosomenanalyse

Das bedeutet auch, dass jeder Safran-Krokus seit etwa dreieinhalbtausend Jahren dasselbe Genom hat. Biologen nahmen lange an, dass er aus zwei Krokus-Arten entstanden sein muss, erklärt Schmidt. Um fortpflanzungsfähige Pflanzen züchten zu können, müsste man also wissen, welche das waren. Das Problem: Die drei Chromosomensätze sehen alle gleich aus, die Frage nach den Elternpflanzen blieb ein Rätsel.

Chromosomen-Analyse bringt Licht ins Dunkel

Doch mithilfe der Sequenzierung des Genoms und einer vergleichenden Chromosomen-Analyse konnten die Dresdner Biologen Licht ins Dunkel bringen: Der Safran-Krokus stammt von zwei genetisch unterschiedlichen Exemplaren von nur einer Krokus-Wildart ab - dem Crocus cartwrightianus, der vor allem im Bereich der Ägäis in Griechenland und auf dem Balkan vorkommt.

Wir können jetzt jedes Chromosom identifizieren und damit auch die Basis legen, dass man, wenn man die richtigen Wildart-Individuen hat, den Krokus neu herstellen könnte.

Prof. Thomas Schmidt – TU Dresden

Und zwar so, dass der neue Safran-Krokus sich ganz normal fortpflanzen könnte. Damit wäre es dann auch möglich, die wertvollen Pflanzen zu züchten. Doch dazu bräuchte man die genetisch perfekten Individuen aus der freien Natur, ergänzt Biologie-Professor Schmidt. Aber beim extrem hohen Wert des Gewürzes Safran könnte sich die Suche durchaus lohnen.

Krokus-Ernte
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 12. März 2019 | 09:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 10:49 Uhr

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