Schimmelpilze in einer Petrischale
Aspergillus fumigatus Bildrechte: FSU/Jan-Peter Kasper

Universität Jena Wie ein Schimmelpilz das Immunsystem lahmlegt

Er sitzt auf verdorbenem Gemüse oder fliegt durch die Luft: Aspergillus fumigatus. Für immungeschwächte Menschen kann der Schimmelpilz gefährlich werden. Jenaer Forscher haben jetzt den Wirkmechanismus entschlüsselt.

von Kristin Kielon

Schimmelpilze in einer Petrischale
Aspergillus fumigatus Bildrechte: FSU/Jan-Peter Kasper

Er gehört zu den verbreitetsten Lebensformen auf der ganzen Welt: Von der Antarktis bis in die Sahara kommt er unter anderem auf faulenden Pflanzen, im Erdboden oder auch an feuchten Hauswänden vor – der Schimmelpilz "Aspergillus fumigatus".

Oliver Werz ist Professor für pharmazeutisch-medizinische Chemie an der Universität Jena. Er hat sich mit seinem Team die unbekannte Seite des bekannten Pilzes angeschaut. Denn der Schimmel kann lebensgefährlich werden für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem - also etwa für AIDS- oder Leukämie-Patienten oder nach einer Organtransplantation, erklärt Pharmazeut Werz.

Es ist bekannt, dass der Pilz Toxine ausschüttet, über die er dann letztendlich das Immunsystem ausschalten kann. Wie genau das aber funktioniert, war bisher unbekannt.

Prof. Oliver Werz

Genau das hat Oliver Werz mit seinem internationalen Forschungsteam jetzt herausgefunden. Das Schimmelpilzgift hemmt die Bildung eines wichtigen Botenstoffs für die Immunzellen. Die Folge: Die Immunzellen, die den giftigen Eindringling bemerken, können keine Verstärkung rufen, um ihn zu bekämpfen – ihr Telefonkabel wird sozusagen gekappt.

Netzwerkausfall

Und das ist ein Problem. Denn die Immunzellen, die die Schimmelpilze abwehren können, müssen notwendigerweise miteinander kommunizieren, sich rekrutieren, ein gemeinsames Netzwerk bilden, um den Pilz zu bekämpfen, erklärt Werz.

Ein Mann im Labor
Dr. Thorsten Heinekamp von der Uni Jena mit einer der Petrischalen, in denen die Forscher die Schimmelpilze untersuchten. Bildrechte: FSU/Jan-Peter Kasper

Und hier ist dieser Botenstoff von ganz besonderer Wichtigkeit (…) und wenn der fehlt, dann ist das Immunsystem nicht mehr in der Lage, ordentlich zu funktionieren und kann den Pilz dann eben nicht abwehren.

Weil die Immunzellen ohne funktionierendes Telefon - also den speziellen Botenstoff - eben keine Verstärkung anrufen können. Für gesunde Menschen ist das kein großes Problem: Bei ihnen haben die Immunzellen neben dem Festnetz quasi noch ein Handy, E-Mail oder SMS um Verstärkung zu holen. Bei immungeschwächten Menschen ist das aber nicht der Fall.

Allerdings ist es so, dass bei Immunsuprimierten bereits einige dieser Botenstoffe nur noch auf Sparflamme laufen und dementsprechend kann – wenn man dann wie das Zünglein an der Waage einen wichtigen Botenstoff komplett ausstellt – dann eben das ganze System zusammenbrechen.

Und dann kann sich der Schimmelpilz leicht in Geweben oder Organen einnisten. Für die Betroffenen ist das potentiell lebensgefährlich. Ist also ein rettendes Medikament in Aussicht? Leider nicht. Zwar sei denkbar, künftig an Wirkstoffen zu forschen, aber allzu große Hoffnungen sollten sich Betroffene trotzdem nicht machen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 12. Februar 2019 | 09:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 09:46 Uhr