Mehrere Schimpansen
Schimpansen teilen besondere Leckerbissen mit ihren Freunden. Bildrechte: MPI EVA

Leipziger Forscherteam Schimpansen teilen Leckerbissen mit Freunden

Frei lebende Schimpansen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste teilen besondere Leckerbissen mit ihren Freunden. Dieses Verhalten gibt neue Einblicke in den Ursprung von menschlicher Kooperation.

von Clemens Haug

Mehrere Schimpansen
Schimpansen teilen besondere Leckerbissen mit ihren Freunden. Bildrechte: MPI EVA

Es sind nicht irgendwelche Futterhappen, die die Schimpansen mit ihren Artgenossen teilen: Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig (MPI EVA) hat frei lebende Primaten im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass die Schimpansen ganz besondere Leckerbissen wie Fleisch, Honig oder große Früchte eher mit ihren Freunden teilen. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um die Forscherin Liran Samuni und ihren Kollegen Roman Wittig in der renommierten Fachzeitschrift "Proceedings oft the Royal Society B".

Diese Beobachtungen passen gut zu den Ergebnissen einer vorgegangenen Studie des gleichen Teams. Darin konnten die Forscher nachweisen, dass Schimpansen nach einer gemeinsamen Jagd ihre Kameraden belohnen, indem sie Beute mit ihnen teilten.

Unsere Untersuchungen zeigen: Schimpansen berücksichtigen bei ihrer Entscheidung, mit wem sie ihre Nahrung teilen, wer ihnen dafür am wahrscheinlichsten später eine Gefälligkeit erweisen würde. Oder – wie es nach Gruppenjagden der Fall ist – revanchieren sich die Tiere bei anderen Jägern für die Hilfe bei der gemeinsamen Jagd.

Liran Samuni, MPI EVA

Ein dominanter Rang eines anderen Tieres oder Bettelei führten in dieser Schimpansengruppe allerdings nicht zu Erfolg. Das ist bemerkenswert, weil bei vorangegangenen Untersuchungen zu einer anderen Schimpansen-Unterart Betteln sehr wohl dazu führte, dass Tiere Nahrung abgaben. Die Forscher schließen daraus, dass es eine große Bandbreite an verschiedenen Arten der Zusammenarbeit bei Schimpansen gibt. Diese Verhaltensweisen unterscheiden sich offenbar zwischen verschiedenen Populationen. Das wiederum deckt sich mit den Menschen, bei denen sich verschiedene Gruppen in Bezug auf ihre Bereitschaft zu Zusammenarbeit auch deutlich unterscheiden.

Eine Einheit mit anderen Artgenossen zu bilden, um nicht selbst Raubtieren zum Opfer zu fallen, oder die Fähigkeit, gemeinsam reiche Nahrungsquellen zu erschließen, sind zwei beispielhafte Szenarien, die kooperative Handlungen begünstigen

Roman Wittig, MPI EVA

Im Urin der Schimpansen fanden die Forscher übrigens hohe Konzentrationen von Oxytocin, wenn die Tiere gerade zusammen gejagt oder wertvolle Nahrung miteinander geteilt hatten. Beim Menschen ist Oxytocin als das Kuschelhormon bekannt, weil es beim Kuscheln besonders stark ausgeschüttet wird. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die emotionale Verbindung zwischen Freunden bei Schimpansen und bei Menschen eine entscheidende Triebfeder für die Entwicklung von Zusammenarbeit ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Elefant, Tiger & Co. | 05. Oktober 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 15:09 Uhr