Unzufriedene Frau hält ungläubig den Wecker hoch.
Bildrechte: Colourbox.de

Schlafmangel bei Teenagern Später in die Schule hilft nicht

“Dann geh doch einfach früher ins Bett!“ Wer hat diesen Spruch in der Jugend nicht auch gehört? Dabei ist das gar nicht so einfach, denn Schlafforscher gehen davon aus, dass Jugendliche - vor allem nach der Pubertät - biologisch bedingt eine spätere Schlafphase haben. Lange schon wird in Deutschland deshalb darüber diskutiert, ob die Schule nicht später anfangen sollte. Britische Wissenschaftler behaupten jetzt, dass das nicht sinnvoll wäre.

von Katja Schmidt

Unzufriedene Frau hält ungläubig den Wecker hoch.
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Neben vielen schönen Erinnerungen an die Schulzeit teilen die meisten Menschen eine besonders negative Erfahrung: Die erste Unterrichtstunde des Tages erlebten viele noch halb vernebelt von Müdigkeit. Für zwei Drittel unserer Bevölkerung beginnt der Tag viel zu früh, sagt Hans Günther Weeß, von der Akademie für Schlafmedizin.

Wir wissen, wenn die Schule nur eine Stunde später beginnen würde und die Mathematikaufgaben nur eine Stunde später gestellt werden würden, dass die Leistungen viel viel besser wären.

Hans Günther Weeß, Akademie für Schlafmedizin, Landau

Mit dem “wir wissen“ ist das aber so eine Sache. Britische Wissenschaftler behaupten jetzt nämlich das Gegenteil. Aber von vorn. Anne Skeldon von der University of Surrey (Großbritannien) hat mit ihrem Team Daten aus zwei großen Studien ausgewertet. In einer ging es um das Schlafverhalten von Europäern, in der anderen darum, wann und wie Jäger und Sammler – also lokale, vorindustrielle Gruppen in der Nähe des Äquators -  schlafen. Sie wollten herausfinden, welchen Einfluss künstliches Licht auf unseren Schlaf hat.

Bei den Jägern und Sammlern hat man während des Tages sehr helles Licht, abends aber nur kleine Lagerfeuer – es ist wirklich dunkel. Hier bei uns sind wir tagsüber meistens drin und abends haben wir dann Lampen – das sind zwei verschiedene Extreme.

Anne Skeldon, University of Surrey

Diese verschiedenen Lichtsituationen wirken sich auf unseren Schlafrhythmus aus. Wir alle verfügen über eine innere Uhr, die in den meisten Fällen etwas langsamer läuft, als unser normaler 24-Stunden-Tag. Deshalb muss sie regelmäßig korrigiert werden.

Ein Paar sitzt mit Laptop-Computern auf einem Bett.
Bei Kunstlicht abends noch ewig am Laptop sitzen? Ganz schlechte Idee für guten Schlaf. Bildrechte: Colourbox.de

Und da kommt das Licht ins Spiel. Es gibt uns ein klares Signal von Tag und Nacht. Aber wenn wir den ganzen Tag in unseren Büros sitzen und abends die Lichter anhaben, dann entfernen wir uns von diesem Signal.

Anne Skeldon, University of Surrey

Also sind wir morgens noch müde, weil unsere biologische Uhr noch nicht wach ist und abends tickt sie noch, obwohl wir eigentlich längst schlafen sollten. Das betrifft Jugendliche besonders, denn ihre biologische Uhr ist sehr empfindlich, so Skeldon. "Dann ist natürlich die Frage, was sich verändern würde, wenn die Schule später beginnen würde. Was passieren würde, wäre, dass wir einfach später ins Bett gehen würden." Anne Skeldon vergleicht das mit der Zeitumstellung – die Jugendlichen würden sich schnell daran gewöhnen, dass die Schule später anfängt und diese Zeit abends dann einfach dranhängen. Am nächsten Tag wären sie wahrscheinlich noch müder, weil sie noch länger künstliches Licht konsumiert hätten. Doch was empfiehlt Anne Skeldon stattdessen?

Ich glaube, wir müssen unsere Leben so gestalten, dass wir tagsüber wirklich auch mal natürliches Licht abbekommen, vor allem morgens. Und abends sollten wir wirklich versuchen, das Licht gerade so zu dimmen, wie wir es brauchen.

Anne Skeldon, University of Surrey

Also gilt gerade für Jugendliche: Abends Laptop aus, Handy aus, beim Lesen die Lampen schon gedimmt. Dann, so Anne Skeldon, klappt es auch mit dem Aufstehen am nächsten Tag.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 30.03.2017 | 05:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 12:25 Uhr