Ein Fall fürs Bett Unser Problem mit dem Schlaf

Von Schlafcoaches über Einschlafrituale bis hin zur Hypnose. Als Einzelner hat man viele Möglichkeiten besser zu schlafen. Doch es gibt Grenzen.

Unregelmäßige Arbeitszeiten, Schichtdienste mal nachts, mal morgens, mal tagsüber. Laptops und Handys am Bett, Dauerstress. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, dass ein Viertel der Deutschen Schlafprobleme hat. Chronisch davon betroffen sind fast 5 Millionen Menschen in Deutschland, zeigt eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Die Gefahren schlechten Schlafs seien nicht nur für den Einzelnen, sondern für uns alle groß, erklärt Ingo Fietze, Schlafforscher an der Charité in Berlin.

Prof. Fietze
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"Bei ungefähr 20 Prozent der schweren Verkehrsunfälle spielt die Übermüdung des Fahrers eine entscheidende Rolle. Unter dem Heer von Unausgeschlafenen befinden sich Politiker, leitende Manager, Schichtarbeiter, Piloten und Fluglotsen, Berufskraftfahrer, Lehrer, Polizisten, Krankenschwestern und Ärzte, die tagtäglich Gefahr laufen, grobe Fehler zu begehen, falsche Entscheidungen zu treffen, Haushalts- und Arbeitsunfälle zu verursachen."

Ein besorgniserregender Befund für unsere ganze Gesellschaft.

Ingo Fietze, Schlafmediziner

Viele Wege führen in den Schlaf

Feste Einschlafzeiten, Einschlafrituale wie Musik oder Hörspiele hören und bloß kein Smartphone oder Laptop am Bett haben. Nicht mehr fettig essen am Abend, nicht rauchen und ausreichend Sport treiben. Die Palette an Einschlaftipps ist groß. Wem das nichts bringt, der kann für Hilfe auch bezahlen.

Schlafberaterin Christine Lenz.
Bildrechte: Lenz

Christine Lenz ist professionelle Schlaftrainerin und unterstützt Menschen beim Weg in den Schlaf. Sie nimmt sich die räumliche Schlafsituation ihrer Kunden vor, erarbeitet ein Schlaftagebuch, um Defizite aufzudecken und zu überwinden, und sie hat einen Tipp, der einfach klingt, aber ziemlich effektiv ist: "Grundsätzlich zum Schlafen: Es muss immer dunkel sein. Der größte Trigger für 'ich werde wach' ist Licht. Ich meine wirklich dunkel: keine Straßenlaterne, die reinscheint, kein Partner, der noch lesen will. Dunkel, stockdunkle Nacht."

Die Schlafblockade aus dem Unbewussten

David-Leonard Köppen
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Abends lange wach liegen und über dieses und jenes grübeln, obwohl man eigentlich schlafen sollte. Manchmal machen einem der eigene Kopf und die Gedanken einen Strich durch die Rechnung früh zu schlafen. David-Leonard Köppen bietet für solche Schlafstörungen Hypnosetherapien an. Ganz ohne Pendel bringt er seine Patienten in eine leichte Form der Trance, um in ihrem Unbewussten die Blockadesituation aufzubrechen.

Schlafstörungen entwickeln sich, bauen sich auf. Das ist ein erlerntes Verhalten und in der Hypnose schaue ich, wo das herkommt, aus welcher Phase des Lebens. Und dann versuche ich in der Trance im Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten diese Blockade aufzulösen.

David-Leonard Köppen

Die schlaflose Gesellschaft

Der Markt für Einschlafhilfen wie Apps, Matratzen oder Coachings boomt. Laut der Unternehmensberatung McKinsey hat die Schlafindustrie einen Umsatz von jährlich etwa 40 Milliarden US-Dollar. Als Einzelner kann man viel Zeit und auch Geld investieren, um seine Schlafprobleme auszukurieren.

Doch es gibt Grenzen: Unsere Gesellschaft schiebt dem Schlafbefinden des Einzelnen einen Riegel vor. Einerseits hat sich die Schlafdauer deutlich verkürzt.

Über die letzten hundert Jahre haben wir Schlaf verloren, etwa 45 Minuten bis 60 Minuten. Die Erfindung des Lichts hat uns um den Schlaf gebracht, wir gehen später ins Bett und stehen zeitig auf.

Ingo Fietze

Lerche oder Eule

Michael Wieden
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Andererseits leben viele Menschen gegen ihre eigene innere Uhr: Wer eine Lerche, also ein Frühaufsteher ist, sollte nicht spät arbeiten und wer eine Eule, also ein Nachtmensch ist, sollte nicht zur Frühschicht. Wer Eule oder Lerche ist, entscheiden Gene.

Im Projekt ChronoCity sollten in der bayrischen Kurstadt Bad Kissingen die Uhren mal anders ticken: Der Unternehmensberater Michael Wieden wollte 2013 gemeinsam mit einem Chronobiologen testen, wie sich die Stadt dem Schlaf/Wach-Rhythmus seiner Bewohner anpassen kann.

Wir hatten ein Gymnasium an Bord, wo es darum ging Schulzeiten und Schularbeiten später beginnen zu lassen. An einem Krankenhaus sollten die Mitarbeiter chronotypisiert werden, um die Dienstpläne ihren Schlafgewohnheiten anzupassen. Und wir wollten die Lichtsituationen in den Gebäuden anpassen: Gerade morgens sollte es eher blaues Licht geben.

Michael Wieden, Unternehmensberater

Das Projekt wurde 2016 allerdings eingestellt, weil es zu viele Hürden auf dem Weg gab. Beispiel Schule: Hätte man den Unterricht später beginnen lassen, hätten Landkreis und Stadt die Bustaktung für Schüler aus den umliegenden Dörfern umstellen müssen. Ein zu großer Verwaltungsakt für die Stadt Bad Kissingen.

Beim Thema guter Schlaf ist der Einzelne vorerst also auf sich selbst gestellt: Wie Reporterin Daniela Schmidt, die im Podcast 'Meine Challenge' ihren Schlaf optimiert.

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 19:40 Uhr