Naturnaher Unterricht
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Revolution im Unterricht Finnland schafft die Schulfächer ab

Finnland plant offenbar eine echte Bildungs-Revolution. Nach Medienberichten will das Land sämtliche Schulfächer abschaffen. Deutschland könnte nachziehen – ähnliche Projekte gibt es bereits.

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In den nächsten vier Jahren will Finnland sein Schulsystem komplett umbauen. Wie das Portal "Brightside“ und der "Independent“ berichten, sollen alle traditionellen Fächer abgeschafft werden. Stattdessen sollen die Schüler ihr Wissen in einzelnen Projekten themenbezogen erfahren. Der Vorsitzende des Bildungsministeriums in Helsinki, Marjo Kyllonen, begründet die Entscheidung laut "Brightside“ so: "Es gibt Schulen, die auf die altmodische Weise unterrichten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorteilhaft war – aber die Anforderungen sind nicht mehr dieselben und wir brauchen etwas, das zum 21. Jahrhundert passt.“

Statt Fakten und Daten zu pauken, sollen sich die Schüler das Wissen selbst aneignen. Nehmen wir zum Beispiel die "Olympische Spiele der Neuzeit“. Das ist nicht nur ein Geschichts-Thema, sondern kann auch ein Wirtschaftsthema sein, dem man sich aber auch mathematisch oder geografisch nähern kann. Das System soll zuerst bei den Schülern ab 16 angewendet werden. Ziel ist es, dass die älteren Schüler selbst entscheiden, welche Themen und Projekte sie für ihren weiteren Weg beim Studium oder der Berufsausbildung brauchen.

Unterricht in einem Klassenzimmer
Frontalunterricht mit Auswendiglernen soll es in Finnland in Zukunft nicht mehr geben. Bildrechte: Colourbox

Nach und nach sollen auch die jüngeren Schüler an das System herangeführt werden. Dafür plant das finnische Bildungsministerium eine längere Übergangsfrist. Bereits in dieser Zeit lernen die Jüngeren in Arbeitsgruppen Wissen selbst zu finden. Auch die Lehrer sind entsprechend geschult worden, da sie in Zukunft nicht mehr im Einzelfach, sondern fachübergreifend arbeiten.

Experimente in Deutschland

Viele Schulen in Deutschland experimentieren bereits in diese Richtung und verstärken seit Jahren die Projektarbeit. Dabei geht es auch hier darum, sich Wissen anders anzueignen. “BildungsBande“ ist zum Beispiel ein solches Projekt, das in über 30 Schulen in NRW, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz neue Lernkonzepte ausprobiert. “Kern ist das gemeinsame Lernen aus der Begegnung von Jugendlichen mit Kindern bzw. älteren mit jüngeren Kindern“ beschreibt sich das Projekt selbst.

Schulerneuerer wie der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther fordern seit Jahren diese Veränderungen. "Brave Pflichterfüller und Auswendiglerner werden in unserer heutigen Zeit nicht mehr gebraucht“, so schreibt es Hüther auf dem Portal "Schulen der Zukunft“. “Eigensinn, Kreativität, Querdenkertum und soziale Kompetenz sind diejenigen Fähigkeiten, auf die es heute in viel stärkerem Maß als im vorigen Jahrhundert ankommt.“ All das könne man weder auswendig lernen, noch unterrichten oder durch Leistungskontrollen messen, so Hüther.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 14:54 Uhr