Ein Mehlschwalbenpaar beim Nestbau.
Bildrechte: imago/blickwinkel

Naturschutzaktion "Schwalben willkommen" Sommer bald ohne Schwalben?

von Jennifer Schollbach

Ein Mehlschwalbenpaar beim Nestbau.
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"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Dieser Spruch ist allseits bekannt und deutet darauf hin, dass man schon mehrere Schwalben fliegen sehen muss, um eindeutig sagen zu können, dass die warme Jahreszeit begonnen hat. Doch dem Vorboten des Sommers geht es nicht gut. Zwar ist die Schwalbe als Kulturfolger sehr anpassungsfähig und nistet meist in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen. Doch der Bestand gibt mittlerweile Anlass zur Sorge.

Was fressen, wo nisten?

Früher boten die sächsischen Dörfer und Städte ausreichend Nischen und geeignete Brutplätze, doch das hat sich geändert. Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, wegfallende Einflugmöglichkeiten und die Versiegelung der Landschaft machen es der Schwalbe schwer, geeignete Orte und Material zu finden, um ihr Nest zu bauen.

Junge Schwalben betteln um Futter.
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Hinzu kommt der Unmut vieler Hausbesitzer über den Dreck, den die Vögel hinterlassen. Obwohl es ein Straftatbestand ist und mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet wird, werden immer wieder Schwalbennester zerstört.

Ein weiteres Problem - nicht genug Nahrung. Während der gesamten Brutzeit verspeist eine Schwalbenfamilie etwa ein Kilogramm Insekten. Das klingt erst dann nach viel, wenn man sich anschaut, wieviele Insekten ein Kilo ausmachen: Nämlich ungefähr 250.000 Stück!
Und die müssen die Schwalben erst mal auftreiben, was aber immer schwerer wird: Intensivierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Einsatz von Pestiziden wirken sich entsprechend auf das Nahrungsangebot der Vögel aus.

Insgesamt sind die Bestände seit Beginn der Zählungen im Rahmen der Stunde der Gartenvögel vor 14 Jahren (2006) flächendeckend rückläufig.

Philipp Steuer, NABU

Diese Zahlen sind zwar nicht absolut zuverlässig, weil die "Stunde der Gartenvögel" ein Bürgerwissenschaftsprojekt ist, sie deuten aber bestimmte Trends an. In diesem Jahr wurden die meisten Mehlschwalben pro beobachteten Garten übrigens in Thüringen gezählt, dicht gefolgt von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Sachsen folgt abgeschlagen weiter hinten.

So kann man helfen

Um den Rauch-, Mehl- und Uferschwalben zu helfen, können wir aber einiges tun. So zum Beispiel sollten Fenster und andere Einflugmöglichkeiten an Ställen, Toreinfahrten oder Scheunen ab April offen gehalten werden. Kleine künstlich angelegte Pfützen mit Lehm erleichtern der Schwalbe den Nestbau dort, wo es nicht ausreichend Nistmaterial gibt.

Aber auch das Anbringen künstlicher Nester ist hilfreich. Nicht vergessen - das Kotbrett! Etwa 60 Zentimeter unterm Nest angebracht schützt es die Fassade vor den Hinterlassenschaften der Vögel. Der Schwalben-Kot ist übrigens bestens als Blumendünger geeignet. Er kann dafür genutzt werden, das Nahrungsangebot für die Vögel zu verbessern.

Wer artenreiche Blühflächen einsät oder blütenreiche, lang blühende Gehölze in seinem Garten pflanzt, der fördert Insekten und bereitet den Insektenfressern einen gedeckten Tisch.

Philipp Steuer, NABU

Plakette "Schwalben willkommen"

Der Naturschutzbund Sachsen (NABU) bricht seit 2016 mit seinem Projekt "Schwalben willkommen" eine Lanze für die schönen Vögel. Mit einer Plakette zeichnet er Naturfreunde aus, die sich aktiv am Schwalbenschutz beteiligen.

Insgesamt sind beim Nabu schon 400 Anträge für diese Auszeichnung eingegangen. Einer von ihnen - der sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler.

Weil sie auf ihrem Grundstück gut für Einflugmöglichkeiten, Nistplätze- und Material gesorgt haben, erhielten er und seine Familie die "Hier sind Schwalben willkommen"-Plakette.

Das gefällt nicht nur Familie Rößler und dem NABU, sondern auch den Vögeln. Sie brüten dort meist zweimal im Jahr erfolgreich.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 15. Mai 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2018, 09:00 Uhr