Covid-19 Folgeschäden Was bleibt im Körper, wenn Corona geht?

Atemnot und Abgeschlagenheit bleiben, auch wenn Sars-CoV-2 gegangen ist. Das Virus hinterlässt eine Spur der Verwüstung in unserem Körper und auf der Seele. Eine Studie aus Innsbruck legt nahe, dass nicht alle Schäden für immer bleiben, sondern dass sich unser Organismus offenbar nach einiger Zeit wieder erholen kann. Andere Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Patienten sehr lange an den Folgen von Covid-19 leiden: körperlich und mental.

Das Ausmaß der Zerstörung im Körper nach einer Sars-Cov-2-Infektion zeigen Computertomographieaufnahmen und Obduktionsergebnisse. Kein Wunder also, dass sich viele als genesen geltende Patienten noch lange Zeit danach krank fühlen. Inzwischen gibt es auch sogenannte Post-Covid-Ambulanzen, die die Patienten weiter betreuen. Zahlreiche Studien dokumentieren die Spätfolgen.

Hoffnung aus Innsbruck

Inzwischen deuten erste Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass die Beschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung aber auch wieder abnehmen können. Ivan Tancevski und seine Kollegen von der Universitätsklinik Innsbruck untersuchten dafür 82 Patienten nach ihrer Genesung in regelmäßigen Abständen. 65,9 Prozent von ihnen zeigten anhaltende Symptome. Jeweils nach sechs, zwölf und 24 Wochen untersuchen die Mediziner sie mit einem Computertomogramm und prüfen die Lungenfunktion. Außerdem überwachen sie die Herztätigkeit. Nach den ersten sechs Wochen litten die meisten der Probanden unter Atemnot und Husten. Bei 88 Prozent zeigte das Computertomogramm Lungenschäden.

Ivan Tancevski vor einem Gemälde.
Ivan Tancevski untersucht mit Kollegen am Universitätsklinikum Innsbruck, ob Folgeschäden einer Covid-19-Erkrankung wieder verschwinden. Bildrechte: Uniklinik Innsbruck

Erste Besserung nach 12 Wochen

Nach weiteren sechs Wochen, also zwölf Wochen nach der Genesung, hatte sich bei knapp der Hälfte die Lunge erholt und auch das Herz schien sich zu regenerieren. Die Ergebnisse für die Untersuchung nach 24 Wochen liegen noch nicht vor.

Studie dauert noch an

Die ersten Ergebnisse ihrer Untersuchung haben die Mediziner auf der jährlichen Konferenz der European Respiratory Society vorgestellt, jedoch noch nicht begutachtet und in einem Fachmagazin veröffentlicht. Die Studie dauert noch an, die Zahl der Studienteilnehmer wächst stetig. Inzwischen kontrollieren die Mediziner den Gesundheitszustand von 150 genesenen Personen. Die ersten 82 Probanden sind im Durchschnitt 56,7 Jahre alt, mehr als die Hälfte von ihnen sind Männer. Etwa 50 Prozent der Gesamtgruppe war oder ist Raucher. 40 Prozent der Probanden mussten auf der Intensivstation behandelt oder künstlich beatmet werden.

Auf zwei Monitoren sind am Klinikum Stuttgart Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten zu sehen.
Sars-CoV-2 zerstört die Lungenbläschen. Stattdessen bildet sich Bindegewebe, Narben entstehen. Bildrechte: dpa

Rehabilitation direkt nach Genesung verbessert Chancen auf Heilung

Je schneller Covid-19-Patienten nach ihrer Genesung mit einer Rehabilitation beginnen, desto besser erholen sie sich. Zu diesem Ergebnis kommt Yara Al Chikhanie von der Université Grenoble Alpes nach der Untersuchung von 19 beatmeten Intensivpatienten. Al Chikhanie präsentiert ihre Studie ebenfalls auf der Konferenz der European Respiratory Society.

Herzschäden auch nach milderen COVID-19-Verläufen

Sars-CoV-2 schädigt das Herz weitaus häufiger, als bislang angenommen - selbst bei jüngeren Patienten ohne Vorerkrankung, bei denen die Infektion mit nur leichten Symptomen einherging. Die Folgen: Herzmuskelentzündung, Nekrose der Herzzellen, Herzrhythmusstörungen, akute oder andauernde Herzmuskelschwäche oder ein kardiogener Schock. Der US-amerikanische Kardiologe Eric Topol hat jetzt eine Zusammenfassung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu diesen Covid-19-Folgen am Herzen im Fachmagazin Science veröffentlicht:

Warum SARS-CoV-2 dem Herzen schadet

Das Virus kann besonders leicht in die Herzzellen und in die Zellen an den anliegenden Gefäßinnenwänden eindringen. Bei der Obduktion verstorbener Patienten konnten die Mediziner dort eine hohe Anzahl an Erregern nachweisen. Im Rahmen einer Studie an 100 Patienten, die von Covid-19 genesen waren, wurden durch Magnetresonanztomographie (MRT) oder Echokardiographie des Herzens bei 78 Patienten Herzanomalien diagnostiziert, davon 60 mit andauernder Herzmuskelentzündung. Knapp drei Viertel der Teilnehmer hatte nie oder nur schwache Covid-19-Symptome gezeigt. Eine weitere Untersuchung an mehr als 1.200 Patienten zeigte ähnliche Ergebnisse. Auch hier waren ca. 40 Prozent frei von Symptomen gewesen.

Noch lässt sich nicht eindeutig erklären, warum das Virus bei manche Patienten schwere Folgen am Herzen verursacht und bei anderen nicht, zieht Topol in seinem Science-Artikel Bilanz. Dazu sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Postvirales Syndrom auch nach leichter Erkrankung

Britische Mediziner schätzen, dass zehn Prozent der an Covid-19 Erkrankten unter lang anhaltenden Beschwerden leiden. Auch das Journal of American Medicin Association (JAMA) veröffentlichte eine Studie an 143 italienischen Patienten, von denen sich 125 auch zwei Monate nach ihren ersten Covid-19-Symptomen noch immer krank fühlten. Die meisten von ihnen (80 Prozent) hatten während ihrer akuten Krankheitsphase keine künstliche Beatmung gebraucht.

Studien und Erhebungen weltweit kommen zu dem Schluss: So wie der ganze Körper von akutem Covid-19 betroffen sein kann, so zeigen sich auch Post-Covid-Syndrome vielseitig durch Müdigkeit, Atemnot, Gelenkschmerzen, Brustschmerzen, Schweißausbrüche, Magen-Darm-Probleme. Inwischen tauschen sich mehr als 14.000 Betroffene in einem Instagramm-Gruppenchat über ihr Befinden aus.

Folgen für das Nervensystem

Die in New York ansässige Psychiaterin Mady Hornig, MD, Mitglied der epidemiologischen Fakultät des Columbia University Medical Center, hat lange Zeit zur Entwicklung von Gehirnerkrankungen wie der myalgischen Enzephalomyelitis und dem chronisches Müdigkeitssyndrom (ME/CFS) geforscht. Dann erkrankte sie an Covid-19 und litt danach selbst an extremer Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit wusste sie, dass es Patienten mit anderen Infektionskrankheiten wie dem Epstein-Barr-Virus (EBV) ähnlich ging. Deshalb werden die Symptome auch "postvirales Müdigkeitssyndrom" genannt. Hornig hat daher begonnen, Daten von genesenen Covid-19-Patienten zu sammeln, um mögliche Zusammenhänge zu erforschen.

Hornig und andere Wissenschaftler vermuten die Ursache auch für weitere Beschwerden in unserem Nervensystem. Denn es steuert unwillkürliche physiologische Prozesse wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Der Neurologe Mitchell Miglis von der Stanford University, der sich auf Störungen des autonomen Nervensystems spezialisiert hat, forscht auch zum Phänomen des so genannten "Gehirnnebels" - eines Zustands von Antriebslosigkeit und Ängstlichkeit, den viele Post-Covid-Patienten beschreiben. Er vermutet: "Es hängt nicht eindeutig mit der Durchblutung des Gehirns zusammen. Es ist etwas anderes." Was genau, werden weitere Untersuchungen zeigen müssen.

(krm)

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