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Einem Gefühl auf der SpurSind Wespen zur Zeit aggressiver als sonst?

Stand: 20. August 2018, 16:31 Uhr

Sie können einen ganz schön nervös machen, wenn sie uns so nahe kommen: Aber sind die Wespen dieses Jahr wirklich besonders aufdringlich oder aggressiv? MDR Wissen-Redakteurin Annegret Faber hat nachgefragt.

Wenn der Sommer zur Neige geht, werden Wespen angeblich aggressiv. Dr. Melanie von Orlow vom Naturschutzbund in Deutschland kann das schon nicht mehr hören. Sie wundert sich, dass sich dieses Gerücht seit Jahren hält. Sie selbst hat noch nie erlebt, dass eine Wespe sie gezielt angesteuert und gestochen hat. Im Gegenteil. Je später der Sommer, desto müder und schlapper werden die Tiere, sagt die Expertin.

Wahrnehmungs- statt Wespenproblem

Trotzdem haben viele Menschen das Gefühl, dass Wespen sehr aufdringlich sind - und in diesem Jahr besonders. Das können aber weder die Nabu-Expertin noch Wespenexperte Professor Hinrich Kaatz von der Universität in Halle bestätigen. Dass sich manche Exemplare sogar auf die Hand, den Arm oder ins Gesicht setzen, ist Kaatz zufolge normal, das hätten die Tiere schon immer getan.

Das Gefühl, dass sie derzeit besonders aufdringlich sind, hat seiner Ansicht nach andere Hintergründe: Zum einen gibt es durch den heißen Sommer schlicht mehr Wespen. Zum anderen wird zu dieser Jahreszeit viel draußen gegessen, also begegnen sich Mensch und Wespe einfach auch häufiger. Kaatz zufolge sei das also eher ein Wahrnehmungs-, als ein tatsächliches Wespenproblem. Die einzig verlässliche Methode: In geschlossenen Räumen essen. Und das gilt noch einige Zeit. In Deutschland sterben die letzten Tiere Mitte November, wenn es lange warm bleibt, sogar noch später.

Warum fliegen die Wespen denn so nervös herum?

Aber warum kommen uns die fliegenden Mitesser so nah und warum umschwirren sie uns so hektisch? Das hat einen einfachen Grund, wie der Hallenser Wissenschaftler erklärt:

Wespen können nicht fokussieren wie wir. Sie haben feststehende Augen. Sie fliegen heran, durch das Hin- und Herfliegen sehen sie, was sich im Winkel verändert und dann können sie das Objekt auch genau zuordnen.

Hinrich Kaatz

Die Wespe fliegt uns also nur vor der Nase herum um abzuklären, ist das Ding vor ihr Futter oder nicht. Hat sie festgestellt "Hand, nicht Futter", fliegt sie weiter, möglicherweise zum Bratwurstteller. Das machen aber nur wenige Wespenarten. Die meisten ernähren sich von anderen Insekten wie Fliegen, Mücken, Käfer und Larven. Ohne die vielen Wespen würden wir uns im Umkehrschluss über Mücken- und Fliegen- oder Käferplagen wundern.

Wespen haben gute "Nasen"

Wäre die Wespe allein auf ihre Augen angewiesen, hätte sie wohl schlechte Karten. Ihr Geruchssinn ist weit besser ausgeprägt und wenn sie irgendwo eine Futterquelle wie Weintrauben entdeckt, folgen ihr andere nach. Denn fliegt sie in ihr Nest, riechen die Artgenossen, dass sie von einer süßen Quelle zurückgekehrt ist. Nabu-Expertin Orlow rät, Lebensmittel mit Glas abzudecken, denn so kann die Wespe das Abgedeckte nicht mehr riechen.

Hat die Wespe einmal eine Futterquelle gefunden, kommt sie immer wieder: Im Wespennest wartet jetzt im August der Nachwuchs auf Nahrung. Wer auf Nummer sicher gehen will, isst zurzeit einfach in geschlossenen Räumen, hält geduldig das unstete Schwirren aus, wenn die Wespen am Tisch betteln - oder stellt ihnen einfach ein unwiderstehliches Essensangebot auf einem "eigenen" Teller abseits des Esstisches hin.

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Dieses Thema im Programm:MDR aktuell | Radio | 20. August 2018 | 07:20 Uhr