Magdeburg Fans singen die Vereinshymne
Bildrechte: IMAGO

Gesundheit Wer singt, lebt gesünder

"Singen tut Körper und Seele gut". Diese alte Volksweisheit haben Wissenschaftler untersucht und festgestellt: Singen stärkt tatsächlich die Abwehrkräfte und auch die Psyche.

von Claudia Pupo Almaguer

Magdeburg Fans singen die Vereinshymne
Bildrechte: IMAGO

Wie können wir etwas für unsere Gesundheit tun und nebenbei ausgeglichener und zufriedener werden? Ganz einfach: mit Singen! Jedenfalls sagen das Musikpsychologen, Ärzte und Gesangstherapeuten. Sie sind sich einig: Singen ist gesund.

Singen ist gut für Herz, Lunge und allgemeine Fitness

Porträt eines singenden kleinen Jungen mit Kopfhörern und Mikrophon
Bildrechte: IMAGO

Das haben Wissenschaftler aus Schweden, von der Universität Göteborg, festgestellt. Sie haben bei Menschen, die im Chor singen, die Herzfrequenz gemessen. Das Ergebnis: Beim Singen in der Gruppe gleichen sich die Herzfrequenzen an und stabilisieren sich gleichzeitig. Eine stabile Herzfrequenz ist gut für das ganze Herz-Kreislauf-System. Die positive Wirkung des Singens hat auch viel mit der Atmung zu tun, sagen die Forscher. Trainierte Sänger blähen nicht den Brustkorb auf, sondern atmen in den Bauch. Dort ziehen Muskeln das Zwerchfell nach unten, das wiederum die Lungenflügel nach unten drückt. Es rutscht also alles nach unten, die Lungen haben mehr Platz. Durch diese Art zu atmen, wird der Brustkorb entspannt und die Rückenmuskulatur gekräftigt. Wer schon eine Viertelstunde so singt, bringt Herz und Kreislauf auf Trab, der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt. Das macht Profi-Sänger so fit wie Dauerläufer.

Singen stärkt die Abwehrkräfte

Die Knaben des weltberühmten Thomanerchors singen zur traditionellen Motette in der Thomaskirche Leipzig.
Die Knaben des weltberühmten Thomanerchors singen zur traditionellen Motette in der Thomaskirche Leipzig. Bildrechte: dpa

Wer viel singt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit, sagen auch Forscher der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie haben Speichelproben von Mitgliedern eines Kirchenchores genommen, die das Requiem von Mozart sangen. Das Ergebnis: Nach der Chorprobe war die Anzahl der Immunglobuline A stark gestiegen. Die sitzen in den Schleimhäuten und sind dafür verantwortlich, Krankheitserreger zu bekämpfen. Bei den Chormitgliedern, die Mozart nur passiv anhörten, blieb die Anzahl der Antikörper gleich. Das bedeutet also, Singen unterstützt das Immunsystem und kann damit auch Erkältungskrankheiten vorbeugen.

Und das kann auch bei schweren Erkrankungen wie Krebs positiv wirken. Bei einem Experiment des Imperial College in London sangen Krebspatienten in einem Chor. Auch von ihnen wurden Speichelproben entnommen. Schon nach einer Stunde waren deutliche positive Hormon-Veränderungen zu beobachten. Immun-Botenstoffe, die Entzündungen fördern, sanken deutlich ab. Bei den Krebspatienten veränderten sich zudem einige Werte, die mit dem Tumorverhalten in Verbindung stehen. Dabei war die positive Veränderung bei denen am stärksten, die vorher in einem eher schlechten Zustand waren.

transparent

Do 23.11.2017 16:18Uhr 02:01 min

https://www.mdr.de/wissen/video-155782.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Singen macht glücklich

Dass sich Singen auch positiv auf die Psyche auswirkt, hat die Forschung inzwischen zur Genüge bewiesen. Mehrere Studien zeigen: Schon nach 30 Minuten Singen produziert unser Gehirn erhöhte Anteile von Stimmungen aufhellenden Hormonen wie Beta-Endorphine und Serotonin. Stresshormone wie Cortisol werden gleichzeitig abgebaut. Das nutzen Ärzte und Therapeuten bei der Behandlungen von Patienten. In diversen Kliniken ist Singen bereits fester Bestandteil der Therapie.

Zu der Aussage, dass Singen tatsächlich lebensverlängernd wirkt, hat sich keiner der Forscher hinreißen lassen. Einig sind sie sich aber über die positive Wirkung des Singens. Und um die zu nutzen, muss man zwar kein professioneller Opernsänger sein oder jeden Tag zwei Stunden üben. Es reicht aber auch nicht, mal fünf Minuten unter der Dusche vor sich hinzuträllern. Zumindest in Deutschland gibt es aber keinen Mangel an Gelegenheit zum organisierten Singen: Laut Deutschem Chorverband singen mehr als drei Millionen Menschen in mehr als als 60.000 Chören - Tendenz steigend.

Und falls sie noch einen Grund zum Singen brauchen. Hier ist einer vom Neurobilogen Gerald Hüther:

Kinderpsychologe Gerald Hüther im Gespräch mit MDR JUMP. Das Thema: Kinder motivieren, wie wichtig Noten und Hausaufgaben sind, welche Zusatzförderung gut ist und über Demenz -Thema seines neuen Buches. Im Bild zu sehen ist der Professor im Studio vor dem Mikro.
Bildrechte: MDR JUMP/Jens Borghardt

Versuchen sie mal mit einem vollgefüllten Brustkorb und mit erhobenem Haupt  - was sie ja alles machen müssen beim Singen – versuchen sie da mal Angst zu haben. Das geht gar nicht.

Gerald Hüther

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2018, 05:00 Uhr