Mediennutzung Eltern, Kinder, Smartphones - was passiert da?

Smartphones machen was mit dem Familienleben. So viel ist sicher. In Hamburg haben Kinder demonstriert, damit ihre Elten weniger aufs Handy starren. Aber wie sieht die Forschungslage zur Smartphonenutzung eigentlich aus?

Kind mit Smartphone am Esstisch
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Verbringen Eltern tatsächlich mehr Zeit mit ihrem Smartphone als mit ihren Kindern? Psychologen und Wissenschaftler sind skeptisch. Sie sagen, es fehlt an Daten. Einzig eine US-amerikanische Studie wurde im Sommer 2018 dazu veröffentlicht. Darin heißt es: Kinder würden aggressiv, wenn Eltern ständig auf ihr Handy schauen. Dr. Susann Eggert, vom Institut für Medienpädagogik in München ist vorsichtig:

Kinder brauchen Aufmerksamkeit und sie brauchen die ungeteilte Aufmerksamkeit sehr stark. Aber ich glaube, dass Eltern sich nicht immer direkt ihren Kindern zuwenden können.

Susann Eggert
Kinder mit Eltern auf Spielplatz
Müssen Eltern mitklettern? Oder können sie einfach mal mit anderen quatschen oder - im Smartphone - lesen? Bildrechte: IMAGO

Schließlich hätten Eltern schon immer Zeitung gelesen, Bücher, sich auf dem Spielplatz mit Freunden unterhalten, ohne das Kind zu beachten. Das sei normal. Zudem sei die Datenlage der Studie dünn. Sie basiert auf einer Onlinebefragung von 180 Paaren mit Kind. Dreimal in einem halben Jahr notierten sie auf einem Formular wie sie ihr Smartphone nutzen und wie ihr Kind darauf reagiert. Susann Eggert kritisiert, dass die Forscher nichts über die Familien und deren Situation wissen und ob es auch andere Gründe für die Aggressionen der Kinder geben könnte. Aus der Erfahrung ihrer Arbeit weiß sie aber, dass die Handynutzung tatsächlich problematisch werden kann.

Wenn ein Kind immer wieder erfährt, dass es erst die zweite Geige spielt nach dem Smartphone, weil alles, was dort passiert, Nachrichten beantworten, schnell mal was nachschauen,... immer wichtiger ist, dann fühlt es sich zurück gesetzt. Und dann kann das auch einen Einfluss auf das Vertrauensverhältnis und Bindungsverhältnis von Kindern haben.

Susann Eggert

Teufelskreis: Maues Familienleben führt zu mehr Handynutzung?

Die amerikanische Studie macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: So heißt es dort: "Wir glauben, dass spezifische Aspekte der Digitaltechnologie, inklusive verführerischer Design-Elemente, besonders für solche Eltern anziehend sind, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulation haben oder die mit dem familiären Sozialleben unzufrieden sind". Heißt das also, das vor allem unzufriedene Eltern Bestätigung und Zuwendung aus dem Internet suchen, beispielsweise über das Smartephone? Auch das ist nur eine Vermutung. Doch wenn das so wäre, würde das Handy noch als Verstärker dienen: Unzufriedene Eltern, unzufriedene Kinder, weil die Eltern immer abwesend ins Handy schauen.

Wir haben mit Fachkräften aus der Erziehungsberatung gesprochen, die festgestellt haben, das aus ihrer Sicht den Eltern viel zu wenig bewusst ist, welche Bedeutung sie als Rollenvorbilder haben und die der Meinung sind, die Eltern nutzen die Medien zu unbeschwert und zu unreflektiert.

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Ein lachender Junge liegt mit einem Buch auf dem Wohnzimmerboden
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Aber auch das seien nur persönliche Eindrücke, die nicht bewiesen sind. Doch wie oft nutzen Eltern das Handy tatsächlich? Dazu gibt es keine Daten. Aber die Internetnutzung im Allgemeinen ist bekannt. Unter 30-Jährige sollen jeden Tag durchschnittlich vier Stunden im Netz sein, vor allem mit dem Handy. Psychologin Susann Eggert bleibt trotzdem gelassen. Angst vor Neuem hätten Menschen schon immer gehabt. Das sei auch so gewesen, als die ersten Bücher gedruckt wurden.

Die Menschen dachten: die Kinder starren nur noch in die Bücher und machen nichts anderes mehr. Und heute hat sich das gewandelt, das sagt man: die sollen mal in ein Buch gucken!

Wichtig sind Eggert zufolge Regeln: Abends beim Geschichten vorlesen das Handy weglassen, und auch beim Essen. Und diese Regeln müssen alle einhalten - Kinder und Eltern.

Vater liest seinen Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte im Bett vor.
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