Rezeptor in den Antennen So finden Mückenweibchen ihre Opfer

Wie finden Mücken ihre Opfer? Körperwärme, CO2 und Geruch. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, welche die Rezeptoren für den Geruch sind – und sie mit der Genschere CRISPR/Cas9 ausgeschaltet.

Eine Mücke
Die Gelbfiebermücke Aedes Aegypti. Forscher fanden in ihren Antennen die Rezeptoren für menschliche Gerüche - und schalteten sie aus. Bildrechte: imago/Xinhua

Schon seit Februar sind sie wieder unterwegs, die Mückenweibchen auf der Suche nach der nächsten Blutmahlzeit, die sie für ihre Nachkommen brauchen. Und wenn die Mückenweibchen ausschwirren, dann stellen sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Antennen auf. Diese Rezeptoren am Kopf der Mücke sind in der Lage, uns zu orten. Ein Forscherteam aus den USA und Schweden hat jetzt den Rezeptor gefunden, mit dem die Mücken unseren Schweiß riechen.

"Der menschliche Körpergeruch ist eine komplexe Mischung aus flüchtigen Chemikalien, die uns von anderen Wirbeltieren unterscheidet", schreiben sie in der Veröffentlichung in Current Biology.

Mücken: Fiese, kleine Stecher

Gemeine Stechmücke, Ringelmücke, Trauermücke, Kriebelmücke - welche Mücken sind da draußen unterwegs und piesacken uns? Hier eine Galerie ausgewählter Plagegeister.

Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Kriebelmücke
Die Kriebelmücke - Biologen unterscheiden 50 verschiedene Arten in Deutschland. Ihre Weibchen sind Blutsauger. Aber sie lieben Rinder. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Ringelmücke
Große Hausmücke, Ringelmücke auch Ringelschnake. Über einen Zentimeter groß und das ganze Jahr aktiv. Hinterlässt beim Stechen oft auch Entzündungen. Bildrechte: IMAGO
 Buschmücke
Die Asiatische Buschmücke ist erst seit 20 Jahren bei uns zu finden. Sie gilt auch als Überträger verschiedener Krankheiten, wie etwa des West-Nil-Virus'. Bildrechte: IMAGO
Eine Trauermücke auf einer Margerite
Die Trauermücke ist völlig ungefährlich für Menschen, aber enorm lästig, denn die Larven fressen bevorzugt Pflanzenwurzeln. Bildrechte: IMAGO
Asiatische Tigermücke
Tigermoskito wird die Asisatische Tigermücke gelegentlich auch genannt. Sie ist tagaktiv, sehr stechfreudig und überträgt in den Tropen verschiedene Viren. Dafür ist es bei uns (noch) zu kalt. Bildrechte: IMAGO
Wintermuecke
Wintermücken sind unempfindlich gegen Kälte und können gut im Winter und in Höhenlagen überleben. Sie stechen nicht und sind für Menschen völlig ungefährlich. Bildrechte: IMAGO
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Und diese Mischung aus z.B. Ammoniak und Milchsäure können die Mücken mit einem Rezeptor wahrnehmen, der in den Antennen sitzt, dem Ionenkanalrezeptor IR8a. Dieser Ionenkanal spricht auf die Moleküle in unserem Schweiß an.

Rezeptor ausschalten

Die Forscher um Joshua I. Ray von der Florida International University (USA) und Nadia Melo von der Lund University (Schweden) fanden heraus, dass Mückenweibchen, bei denen dieser Sensor defekt ist, deutlich weniger auf unseren Schweiß reagieren. Also nutzen sie die Genschere CRISPR/Cas9, um bei Mückenweibchen der Gelbfiebermücke gezielt den Ionenkanalrezeptor IR8a auszuschalten. Wie würden die Mücken jetzt auf menschlichen Schweiß reagieren? Das testeten die Forscher.

Sie ließen die mutierten und normale Mücken auf Probanden los und stellten fest, dass die mutierten Mücken Menschen nur halb so oft anflogen. Für die Forscher ist damit auch die These bestätigt, dass IR8a der Rezeptor für Milchsäure im menschlichen Schweiß ist.

Hilft das bei der Mückenabwehr?

Für die Forscher ist das nur ein erster Schritt auf dem Weg zu möglichen Abwehrmaßnahmen. "Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um aufzudecken, wie Mücken ihre menschlichen Wirte wahrnehmen", schreiben sie in ihrer Veröffentlichung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 27. Februar 2019 | 17:50 Uhr