Raumfahrt Neue Spacesuits: Das ist der letzte Schrei im All

Im All ist es mit der Kleidung wie früher auf der Erde: ein Anzug für draußen, einer für drinnen. Jetzt hat die NASA die jüngste Generation Raumanzüge vorgestellt. Was ist neu und was müssen Raumanzüge eigentlich können?

Mit viel Tamtam und der US-Flagge im Hintergrund hat die NASA ihre neuesten Raumanzüge vorgestellt, für den nächsten Besuch auf dem Mond und für Außeneinsätze, sowie einen für drinnen. Ähnlich wie beim Pipimachen auf der ISS - der Abführschlauch fürs kleine Geschäft ist gelb - wird auch bei den Anzügen mit Farben gearbeitet. Der Anzug in orange ist der für drinnen bei Start, Landung und Notfällen mit eventuellen Druckabfällen. Der für draußen wie gehabt in weiß, mit rot-blauen Applikationen. Weiß ist er, damit er die Hitze reflektiert. Verwechseln würde die beiden Modelle ohnehin keiner, denn die Anzüge müssen sehr verschiedenen Aufgaben gewachsen sein und sind auch verschieden schwer.

Leslie Padilla, Hardware Manager und damit zuständig für die Außenanzüge der Astronauten , beschreibt die neuen Modelle für den nächsten Besuch auf dem Mond 2024 im Podcast der NASA recht plastisch:

Man muss sich das vorstellen wie ein Raumschiff in Form eines menschlichen Körpers.

Les Padilla
2 Raumfahrer auf dem Mond
So stellt sich die NASA die Arbeit auf dem Mond bei der nächsten Mission 2024 vor. Bildrechte: NASA

Padilla zufolge erfüllen die Anzüge die Funktionen einer Raumstation, indem sie ihre Träger vor den extremen Außenbedingungen schützen: Allein die Temperaturen changieren je nach Stand zur Sonne zwischen minus 64 Grad Celsius und plus 120 Grad Celsius. Sie müssen die Astronauten mit Sauerstoff und Flüssigkeit versorgen. Aber gleichzeitig müssen sie ihren Trägern ermöglichen sich flexibel bewegen können.

Wir wollen ja mehr als nur außerhalb der Raumstation herumfliegen und die schöne Aussicht genießen. Wir müssen schrauben können, große Batterien rausziehen und reinschieben. Die Anzüge dürfen die Geschicklichkeit der Astronauten nicht behindern und sie müssen vor den rauhen Außenbedingungen schützen.

Leslie Padilla

Flexibel mit über 113 Kilo?

Flexibel, gut beweglich und das bei einem 113 kg schweren Anzug: Klingt erst mal unwahrscheinlich, aber nur wenn man sich vorstellt, auf der Erde mit so einem Ungetüm herumzulaufen. In der Schwerelosigkeit wirkt sich das Gewicht anders aus:

Der Druck im Anzug ist nämlich um ein Drittel geringer als auf der Erde, im All drücken im Anzug 4,3 PSI - etwa 0,2964 bar - auf den Astronauten, auf der Erde 14,7 PSI - 1,01 35 bar, erklärt der Experte. Wie kann man sich das vorstellen? "So als ob man mehrere Handschuhe übereinander trägt." Ein ständiger Druck auf den kompletten Körper, gegen den man arbeitet. Verglichen mit anderen Raumanzügen wie dem Russischen "Orlan" - der hat einen PSI von 5,8 - ist der neue Anzug zwar nicht druckfrei, aber schon bedeutend leichter zu tragen als die früheren. Und die Astronauten können sich leichter bücken, um Steine aufzuheben und sich insgesamt besser bewegen.

Schutzanzug für Eintritt/austritt aus der Atmosphäre und bei Notfällen

NASA-Anzüge Artemis - Dustin Gohmert
Bildrechte: NASA/Joel Kowsky
NASA-Anzüge Artemis - Dustin Gohmert
Bildrechte: NASA/Joel Kowsky
NASA-Anzüge Artemis - Dustin Gohmert
Bildrechte: NASA/Joel Kowsky
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Spacesuits sind nichts für spontane Ausflüge

Mit Hilfe braucht man auf der Erde etwa 45 Minuten um sich in so einen Anzug zu schälen, oben im All brauchen Astronauten gut eine Stunde, bis alle Einzelteile des Moduls, inklusive Stiefel, Handschuhe, Oberteil und Unterteil miteinander gekoppelt sind. Bislang lag bei den Space-Anzügen für draußen der Fokus oberhalb der Gürtellinie: Es musste ja nicht gelaufen, sondern mit den Händen gearbeitet werden, wenn Batterien ausgetauscht und Kabel neu angeschlossen werden mussten. Die neuen Anzüge sollen übrigens allen passen - Frauen wie Männern - die einzelnen Module sind je nach Einsatzort - Weltall oder Mond - austauschbar und bei den Torsos gibt es drei verschiedene Größen, an die die übrigen Stücke angeschlossen werden. Dann kann es nicht mehr passieren, dass ein Weltraumspaziergang ausfällt.

Bei Virgin präsentiert der Boss den Anzug

Doch nicht nur bei der Nasa gab es Neuigkeiten zu den Anzügen der Raumfahrer. Virgin Galactic, die Firma von Richard Branson, die gern Touristen ins All bringen möchte, hat heute ebenfalls ihren Anzug für drinnen vorgestellt. Im Gegensatz zur Nasa ist der blau und wurde zusammen mit dem Sportmodelabel Under Armour entwickelt. Und der Chef selbst präsentierte ihn auf instagram.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 16. Oktober 2019 | 14:00 Uhr