Gebänderte Listspinner mit Beutefliege auf einem Doldenblütler.
Gebänderte Listspinne mit Werbe-Geschenk für die "Braut". Bildrechte: IMAGO

Faszination Spinne Spinnen sind erstaunlich menschlich

von Jennifer Schollbach

Gebänderte Listspinner mit Beutefliege auf einem Doldenblütler.
Gebänderte Listspinne mit Werbe-Geschenk für die "Braut". Bildrechte: IMAGO

Da geht's den Spinnen wie den Menschen - um Mrs. Right von sich zu überzeugen, reicht ein nettes Lächeln nicht aus. Und auch die (acht) hübschesten Beine werden die Angebetete nicht sofort davon überzeugen, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Da müssen stärkere Maßnahmen ergriffen werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem schönen Geschenk? Aber bitte nicht irgendwas.

Auf den Inhalt kommt es an

Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München haben herausgefunden, dass die weibliche Listspinne besonderen Wert auf ein Geschenk bei der Brautwerbung legt. Die Männchen warten mit einem leckeren Beutetier bei ihrer Auserwählten auf. Aber Vorsicht, die Spinnendame lässt sich nicht durch eine hübsche Verpackung blenden.

Bisher hatten die Forscher angenommen, dass das Spinnenweibchen auf die chemischen Botenstoffe (Pheromone) in den Spinnfäden des Männchens reagieren, in die das Beutetier eingewickelt ist. Die Kommunikation über Botenstoffe ist im Tierreich weitverbreitet. Und zum Teil ist das bei den Listspinnen sogar der Fall. Hier ist aber das Weibchen diejenige, die mit Pheromonen lockt, um potenzielle Sexualpartner anzuziehen. Doch die Duftstoffe des Männchens sind für ihre Wahl nicht ausschlaggebend. Sie setzt auf die Qualität seines mitgebrachten Geschenks.

Nicht vorhanden oder ignoriert

Das Team rund um Biologin Cristina Tuni kam durch eine Reihe von Experimenten mit 100 Listspinnen nun zu dem Schluss, dass die weiblichen Tiere entweder gelernt haben, die Pheromone des Männchens auszublenden, um sich allein auf die Qualität ihres Mitbringsels zu konzentrieren. Oder die Männchen senden mit ihren Spinnfäden gar keine Duftstoffe aus. So oder so, das Spinnenweibchen legt Wert auf ein gut ausgewähltes Geschenk.

Faszination Spinnentier

Aber nicht nur das Balzverhalten von Spinnen ist interessant. So verhasst die Tiere bei den einen sind, so faszinierend sind sie für die anderen. Gerade die Forschung beschäftigt sich intensiv mit den Krabbeltieren, um von ihnen zu lernen. Wie ist es möglich, dass diese kleinen achtbeinigen Wesen einen Faden produzieren, der alle Superlative sprengt - härter als Stahl, elastischer als Kautschuk, unempfindlich gegen Kälte?! Wie könnte die Wissenschaft die Eigenschaft von Spinnenbeinen nutzen, Bewegungen im Nanometerbereich zu registrieren?

In seinem MDR Kultur Feature "Wunderwelt: Spinnentier" spinnt Hartmut Schade einen Faden von der ersten Spinnenforschung, über Ärzte, die mit Spinnenseide operieren, hin zu Ingenieuren, die versuchen Spinnenbeine nachzubauen. Und natürlich kommen auch die Spinnen-Phobiker zu Wort. Samstag, 9. Juni um 9:05 Uhr bei MDR Kultur - Das Radio.

Faszination Spinne

Eine braun-gelbe Spinne sitzt in ihrem von Tautropfen behangenem Netz
Spinnen sind keine Insekten Spinnen werden von den meisten Menschen für Insekten gehalten, doch das ist falsch. Sie gehören zu den Spinnentieren. Zu erkennen sind sie an zwei deutlich voneinander abgesetzten Körperabschnitten und acht Beinen. Insekten hingegen haben nur sechs Beine. Außerdem kann man sie an den Augen erkennen. Spinnen haben Einzelaugen und Insekten Facettenaugen. Bildrechte: MDR/Jürgen Hawick
Springspinne Phidippus regius frisst eine Laubheuschrecke
Bildrechte: David E. Hill, Peckham Society, Simpsonville, South Carolina
Gemeine Hauswinkelspinne
Bildrechte: IMAGO
Spinne versteckt sich in dunkler Ecke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Juni 2018 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 15:07 Uhr