Pommes mit Ketchup und Mayonnaise.
Bestellung an der Frittenbude: "Drei Pommes Schranke bitte!" Bildrechte: imago/Photocase

Sprachwissenschaft Von 1600 bis heute: Das ultimative Deutsch-Wörterbuch entsteht

Die deutsche Sprache bekommt ihr eigenes digitales Wörterbuch. Dazu wurde in Berlin das "Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache" - kurz ZDL - gegründet. Wissenschaftler wollen die deutsche Sprache ab etwa 1600 bis in die Gegenwart in einem Wörterbuch zusammentragen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

von Anne Sailer

Pommes mit Ketchup und Mayonnaise.
Bestellung an der Frittenbude: "Drei Pommes Schranke bitte!" Bildrechte: imago/Photocase

Die Deutsche Sprache ist vielfältig: Da gibt es das Goethedeutsch wie hier im Faust: "Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten", über das so genannte Imbissdeutsch mit seinen ganz speziellen Regeln, das ohne Mehrzahl auskommt: "Zwei Bratwurst bitte!", "Einmal zwei halbe Hahn!", "Drei Pommes Schranke!" Sprachlich auch spannend ist das Kietzdeutsch: "Ich guck‘ so. Das Mann kommt mit seine 3er-BMW und sagt so zu mir: Was geht so, ja?"  Daneben Dialekte wie das Mansfeldische zum Beispiel, dem das Duo Elsterglanz zu deutschlandweitem Ruhm verhalf: "'Un was jibs?'. 'Lachscarpaccio in Safransoße o le.'- Mach doch nich immer so e Offwand, Junge. Wir können doch einfach nur ma e paar Eier braten!"

Eine Sammlung aller Spielarten des Deutschen

Die deutsche Sprache kann sehr unterschiedlich klingen - denkt man nur an Sachsen, Schwaben oder Berliner - und entwickelt sich stetig weiter. Das Zentrum für digitale Lexikographie (ZDL) will die deutsche Sprache in all ihren Spielarten erfassen und hörbar machen, erklärt Julia Naji, wissenschaftliche Mitarbeitern am Zentrum für digitale Lexikologie der deutschen Sprache:

Im ZDL wird ein umfassendes digitales Wörterbuch entstehen, das wichtige Informationen zur Geschichte und Gegenwart von Millionen deutscher Wörter enthält und diese für die Öffentlichkeit sichtbar und nutzbar macht. Es baut auf dem bereits bestehenden DWDS, dem digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, auf, das jetzt schon mehrere hunderttausende Artikel enthält.

Julia Naji

Vom Grimmschen Wörterbuch, das bei Fertigstellung sprachlich schon wieder überholt war

Brockhaus Conversationslexikon 1827
Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Das Zentrum für Lexikographie ist also eine digitale Weiterführung des Projekts "Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache", das es schon seit ein paar Jahren gibt. Das Wörterbuch oder der gute alte "Brockhaus", der mehrbändig die Bücherregale füllte, den wir aus dem Schrank nahmen, um darin zu blättern, wird demnach immer mehr zu einem musealen Gegenstand. Ein digitales Wörterbuch ist umfassender, besser zu handhaben und kann schnell aktualisiert werden.

Julia Naji erinnert an das Grimmsche Wörterbuch, das nach 100 Jahren Arbeit 1961 schließlich fertig und zu dem Zeitpunkt längst überholt war. Automatische Systeme sparen viel Zeit, sagt sie, zum Beispiel könnten große Textmengen automatisch nach neuen Wörtern oder Belegstellen für neue Wörter durchsucht werden. Korrekturen sind schnell gemacht, veröffentlicht und neue Artikel können jederzeit hinzugefügt werden.

Man muss nicht erst auf das Erscheinen des "L-Bandes" warten, bis man "liken" nachschlagen kann.

Julia Naji

Wer soll eigentlich im digitalen Nachschlagewerk stöbern?

"Liken" - auch ein eher junges Wort, was aus der Internetsprache längst Einzug in deutsche Rechtschreibwerke gefunden hat. Wer aber wird denn demnächst dieses digitale Wörterbuch nutzen?

Das Wörterbuch soll ein Nachschlagewerk für jeden sein, der sich für Sprache interessiert.

Julia Naji

In Stein gemeißelt sein wird dieses Wörterbuch auch nicht. Nutzer sollen auch das das eigene Wissen, zum Beispiel über regionale Sprechweisen, an das ZDL weitergeben, sagt Naji.

Das hilft, den Bestand immer weiter zu verbessern.

Julia Naji

Acht Jahre soll die Aufbauarbeit des digitalen Wörterbuchs dauern und wird sich kontinuerlich weiterentwickeln. Neugierige Nutzer müssen übrigens nicht so lange warten, denn das Sammelwerk ist jederzeit einsehbar und es kann auch schon beim Aufbau geholfen werden.

transparent

Wissenschaftler aus Berlin, Göttingen, Mainz und Leipzig arbeiten daran.

MDR AKTUELL Mi 30.01.2019 11:51Uhr 02:51 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/digitales-lexikon-deutscher-sprache100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 30. Januar 2019 | 05:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 12:48 Uhr

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